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Serie // "His Dark Materials" Eine Serie, die ihrer Buchvorlage gerecht wird – aber als Fantasy-Epos versagt

HBO hat sich an ein neues Fantasy-Epos gewagt: Die Serie "His Dark Materials" basiert auf den "Goldenen Kompass"-Büchern von Philip Pullman. Die sind für Kinder... Funktioniert das als Serie?

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 04.12.2019 | Archiv

Hauptfigur Lyra am Fenster | Bild: HBO

"Die Geschichte beginnt in einer anderen Welt. Gleich und ungleich der unseren." Diese Worte laufen zu Beginn der ersten Folge von "His Dark Materials" über den Bildschirm. Und das stimmt. Denn diese Serie spielt zwar in England - aber sie ist voller Figuren, die mit der Welt, die wir kennen, gar nichts zu tun haben. Es gibt zum Beispiel Gypter, eine Art Wandervolk, das in Booten lebt. Dann sind da Gobbler, mysteriöse Kinderdiebe. Sprechende Eisbären sind auch am Start und es gibt sogar eine kirchenähnliche Instanz namens Magisterium, die die Welt beherrschen möchte. Außerdem besitzt jeder Mensch einen sogenannten Dämon, also einen Repräsentanten der eigenen Seele in Tierform, und die laufen in "His Dark Materials" ständig neben den Charakteren her.

Die Handlung orientiert sich streng am Buch "Der Goldene Kompass"

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 12-jährige Lyra. Laut einer mysteriösen Prophezeiung soll sie eine Auserwählte sein. Weil die Handlung der Serie streng Philip Pullmans Romanvorlage folgt, wird Lyra direkt zu Beginn ein sagenumwobener goldener Kompass anvertraut - ein Gerät, das immer die Wahrheit sagt. Und wie sich herausstellt, ist sie die Einzige, die ihn lesen kann.

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His Dark Materials: Season 1 | Official Trailer | HBO | Bild: HBO (via YouTube)

His Dark Materials: Season 1 | Official Trailer | HBO

Die Geschichte um den goldenen Kompass wurde schon mal verfilmt. Doch der Film mit Daniel Craig und Nicole Kidman floppte an den Kinokassen - obwohl er damals die teuerste New Line Cinema Produktion aller Zeiten war. Fans der Bücher warfen dem Film vor, der Geschichte um Lyra zu wenig Raum gegeben und wichtige Details außer Acht gelassen zu haben.

Das macht die Serie "His Dark Materials" besser. Sie nimmt sich Zeit, die vielen Besonderheiten der Fantasy-Welt einzuführen. Gerade weil "His Dark Materials" einem nicht gleich alles um die Ohren schmeißt, was sich Philip Pullman ausgedacht hat, ist die Serie so stark. Man bekommt das Gefühl hier wirklich in eine ausgeklügelte Fantasy-Welt einzutauchen. Und auch der Cast trumpft auf: Dafne Keen als Lyra, James McAvoy und Rapper Lin Manuel-Miranda - macht einfach alles Sinn!

Zu viel "Game of Thrones", zu viele Prophezeiungen

Leider erinnert die Ästhetik von "His Dark Materials" aber zu häufig an "Game of Thrones". Die Bilder und Sets wirken oft düster und bedrohlich, selbst der gutmütige Bär Iorek Byrnison kommt in seiner Zerstörungswut dann eher wie ein Höhlentroll aus Mittelerde rüber. Und dann wollen ständig auch noch alle in den Norden reisen, wo es tatsächlich ein wenig aussieht wie bei den Wildlingen.

Diese recht erwachsene Ästhetik passt irgendwie nicht so recht zur Geschichte um Lyra. "Der Goldene Kompass" ist immer noch ein Kinderbuch und das merkt man der Serie an. Zum Beispiel bei der Auswahl der Dämonen: Die bösen Charaktere werden oft von Schlangen begleitet, die guten von Katzen oder Kaninchen. Ohne Zweifel eine nette Idee, aber sie lässt die Charaktere eindimensionaler erscheinen als sie sind.
Und Stories von Auserwählten? Die gibt es auch schon viel zu oft. Harry Potter, Neo, Anakin Skywalker. Dabei ist die Serienlandschaft doch eigentlich schon viel weiter. Weil sie uns komplexe Charaktere geben kann. Hier macht es sich "His Dark Materials" zu einfach.  

Ja, "His Dark Materials" basiert auf einem Kinderbuch. Trotzdem könnte die Serie sich auch auf die erwachseneren Aspekte der Buchvorlage konzentrieren, auf die unterschwellige Kritik am Vatikan zum Beispiel. Schließlich brauchen gute Fantasy-Serien immer auch ein kleines Fünkchen Wahrheit. Irgendetwas, das uns an unsere Lebenswelt erinnert. Das schafft die Serie aber nur in seltenen Momenten. So kann man mit ihr zwar in Erinnerungen schwelgen und sich eventuell an lange Lesenächte aus der Kindheit zurückerinnern. Wirklich ansprechend oder relevant ist das, was "His Dark Materials" auf unseren Bildschirmen zeigt, jedoch nicht mehr.

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