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Serie // "Früher oder Später" "Six Feet Under" in der Oberpfalz – nur in echt

Zwei Dokumentarfilmerinnen ziehen in ein kleines Dorf in der Oberpfalz. Was sie dort erleben, hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können: Milchbauern als Bestatter und eine vegane Kommune mit Trommelzeremonien.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 27.11.2018 | Archiv

Der Bestatter Ernst Schöfl am Freidhof | Bild: BR

Diese Serie gehört auf eure Watchlist, wenn... ihr der Absurdität des Lebens am liebsten mit einer Folge "Six Feet Under" huldigt, ihr auf regionale Stories und den spezifisch bayerischen Witz von "Hindafing" steht, und ihr "Braunschlag" für den skurillen Blick auf die Provinz feiert.

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Im beschaulichen Schönsee leben längst viel mehr alte als junge Menschen – wer jung ist, zieht weg, um einen Job zu finden. So wie auch der Sohn der Schöfls. Der wohnt eine Stunde mit dem Auto entfernt, eine gefühlte Weltreise für seine Eltern, dabei ist doch grad das Enkelkind auf die Welt gekommen. Soweit ganz typisch Dorfleben. Und damit nicht gerade der spannendste Stoff für eine Serie, könnte man meinen.

Völlig falsch, man muss einfach nur tief genug ins Dorfleben eintauchen. Genau das haben die Filmstudentinnen Pauline Roenneberg und Zoë Schmederer gemacht. Vier Jahre lang haben sie den kleinen Ort Schönsee in der Oberpfalz immer wieder besucht. Sogar ein Praktikum bei den Milchbauern Ernst und Roswitha Schöfl haben sie gemacht und erst dann angefangen zu filmen. Ein Drehbuch gab es nicht. Alle Geschichten sind komplett real – aber so absurd, dass man das fast nicht glauben kann. 

Das echte Leben schreibt die absurdesten Geschichten

Die Schöfls haben sich neben ihrem Milchbetrieb nämlich eine Zweitkarriere aufgebaut, um über die Runden zu kommen – als Bestatter. In einem zutiefst katholischen Ort, in dem die Leute alle auf das Greisenalter zusteuern, ist das Sterben ein Einkommensgarant. Wenn nur die Leute auch gerade dann sterben würden, wenn es finanziell mal wieder knapp wird.

Als wäre das noch nicht bizarr genug, wird das leerstehende Jagdhotel in Schönsee von einer veganen Kommune bezogen. Ausgerechnet die schwangere Metzgerstochter Sandra schließt sich ihr an: Sie glaubt, seit ihrer Kindheit mit Tieren kommunizieren zu können und hofft eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu finden. Die Alteingesessenen im Ort beäugen die Kommune und ihre Trommelzeremonien, Naturrituale und die streng fleischfreie Lebensweise skeptisch – die Konflikte scheinen vorprogrammiert.

Faszinierendes Serienexperiment

In vier halbstündigen Episoden folgt die Serie "Früher oder später" den Menschen in Schönsee durch den Winter bis in den Frühling. Die Filmstudentinnen Pauline Roenneberg und Zoë Schmederer werfen in ihrem Abschlussprojekt für die HFF München alle Dokumentarfilm-Regeln über Bord und geben die Distanz zu ihren Protagonisten einfach auf. Sie beobachten die Dorfbewohner still, fangen den subtilen Witz und Humor der Alltagssituationen mit kinoreifen Bildern ein und kommen ihren Protagonisten ungewöhnlich nah.

Das ist nicht wirklich mitreißend spannend, aber sehr faszinierend, denn die beiden zeigen uns ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, das jeder irgendwie kennt und das es mit seinen vielfältigen Geschichten und Herausforderungen überall in Deutschland gibt. Dieses interessante Serien-Experiment zeigt uns: Auch beim verschlafensten Dorf lohnt es sich, öfter mal hinzugucken und zuzuhören – auf Augenhöhe mit seinen Bewohnern.

Die vier Folgen von "Früher oder später” werden am 28.11. ab 22:45 Uhr im BR Fernsehen ausgestrahlt und sind in der BR Mediathek streambar.

Sendung: Hochfahren, 28.11.2018 - ab 7 Uhr