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TV & Serien // Flesh & Bone Wir treten der Schwerkraft in den Arsch

Eine Ballettserie, die komponiert ist wie ein Ballett: "Flesh & Bone" ist melodramatisch, leidenschaftlich und überwältigend schön. Aber leider auch ganz schön klischeebeladen.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 23.02.2016

Szene aus der Serie "Flesh & Bone" | Bild: Amazon Prime

Aufnahmetest an der American Ballet Company in New York: Von hunderten Bewerberinnen stehen noch vier an der Stange, tanzen mit blutenden Zehen und soldatischer Disziplin für ihren Traum. Unter den strengen Blicken des Kompaniedirektors dürfen sie sich nichts anmerken lassen, nicht den Schmerz, die Nervosität, die Angst. Ballett ist die Kunst, die größte Anstrengung kinderleicht und elegant aussehen zu lassen. Und darin ist Claire Robbins Expertin.

Zuhause in Pittsburgh terrorisiert von ihrem gewalttätigen Vater, führt sie eine Beziehung mit ihrem Bruder, die nicht sein darf - sie hat gelernt, ihre Gefühle zu verbergen. Aber genau die machen Claire zu einer Ausnahmeballerina. Das erkennt auch der Kompaniedirektor. Er nimmt sie als einzige Bewerberin auf - und gibt ihr dazu noch die Hauptrolle in der neuen Produktion. Claire soll die Kompanie berühmt machen.

Ende gut, alles gut? Von wegen.

Wie in einem guten Ballett fangen hier im Moment des absoluten Glücks die Probleme erst richtig an: Claires Bruder verfolgt sie nach New York, sie lässt sich auf einen Job im Stripclub eines russischen Mobsters ein und wird von ihrem Kompaniedirektor zu Höchstleitungen getriezt. Wie ein Ballett bewegt sich auch "Flesh & Bone" auf der feinen Linie zwischen Leidenschaft und Besessenheit.

"Ballett ist die vollkommene optische Täuschung, wir lassen jede Form von Strapazen unsichtbar werden, wir verwandeln Anstrengung in Anmut, und der verdammten Schwerkraft treten wir in den Arsch - Tanzen ist unser Leben."

Flesh & Bone

Das sind allerbeste Voraussetzungen für eine Seifenoper - und tatsächlich scheut sich Serienerfinderin Moira Walley-Beckett nicht vor übertriebenem Drama und so einigen Ballettklischees. Wie schon zuvor als Drehbuchautorin bei "Breaking Bad" guckt Walley-Becket in "Flesh & Bone" tief in menschliche Abgründe - und manchmal lauert da ein bisschen zu viel des Dramas: Dass Claire eine getriebene Seele ist, hätte man ihr auch ohne die inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder oder den Stripperjob abgenommen.

Der Star der Serie ist das Ballett

Für das Melodrama wird man mit einer kinoreifen Inszenierung und großartigen, ausgiebigen Ballettszenen entschädigt. Moira Walley-Beckett macht als ehemalige Tänzerin bei "Flesh & Bone" das Ballett zum Star der Serie. Sie hat hunderte Balletttänzer gecastet und in der Profitänzerin Sarah Hay von der Semperoper in Dresden eine Hauptdarstellerin gefunden, die nicht nur umwerfend tanzt, sondern ebenso gut schauspielert. Das selbe gilt für alle anderen Tänzer: Oft glaubt man bei echten Proben zuzugucken. Und das ist auch gar nicht so weit weg von der Wahrheit: "Flesh & Bone" ist die erste Serie, für die eigens ein Ballett choreographiert und von den Profitänzern einstudiert wurde. Allein um das in voller Länge zu sehen, lohnt es sich bis zur letzten der acht Folgen weiterzugucken.

"Flesh & Bone" (Starz) gibt's bei Amazon Prime auf Deutsch und in der Originalversion.


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