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TV & Serien // Empire Soap trifft auf Shakespeare

Musical-Serien sind tot! Sie haben sich mit ihren Jazz Hands ihr eigenes Grab geschaufelt. Jetzt kommt mit "Empire" eine Serie, die das Genre wieder ausgräbt und neu belebt.

Von: Christian Alt

Stand: 22.06.2015

Empire | Bild: Fox

Lucious Lyon hat es geschafft: Vom drogendealenden Straßenrapper ist er in den 90ern erst zum gefeierten Megastar aufgestiegen und wurde dann mit seiner Plattenfirma Empire Records zum Multimillionär. Aber: Er ist todkrank, seine Ärzte geben ihm nur noch ein paar Jahre. Deshalb will er jetzt seine Firma an einen seiner drei Söhne vermachen.

Shakespeare is a DJ

Das klingt alles ein bisschen nach Shakespeare. Und damit man es dem englischen Dramatiker auch recht macht, sind Lucious‘ Söhne alle total unterschiedlich: Lucious Lieblingssohn ist Hakeem, sein jüngster. Er ist – ganz wie der Papa – erfolgreicher, aber unkreativer Rapper und Weiberheld. Andre, der älteste, ist das Business-Genie. Er hat mit Musik nichts am Hut, ist aber ein Virtuose am Taschenrechner. Am wenigsten Chancen auf den Thron des Empire hat der mittlere Sohn Jamal. Er ist zwar hochintelligent und ein begnadeter Songwriter, aber homosexuell. Als wäre diese Familie noch nicht kompliziert genug, kommt ausgerechnet jetzt noch Lucious‘ Ex-Frau Cookie ins Spiel. Cookie war das Bauernopfer in einem von Lucious‘ Drogendeals und ging dafür 20 Jahre in den Bau. Jetzt will sie, das was ihr gehört – ihren Anteil am Empire.

Der Megahit aus den USA

In den USA steigerte sich "Empire" im Frühjahr in nur wenigen Wochen vom kleinen Achtungserfolg zum absoluten Megahit, der quotentechnisch alles in den Schatten gestellt hat. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist die knallhart berechnete Cliffhanger-Struktur. In einem Interview hat Produzent Brian Grazer ausgeplaudert, dass die Autoren mindestens zwei What-the-Fuck-Momente in jede Folge einbauen wollten. Die Formel, die man aus vielen Soaps kennt, funktioniert auch bei "Empire" und wirkt dabei nie aufgesetzt. Ein anderer Grund für den Erfolg heißt: Cookie Lyon.

Cookie entwickelt sich schnell zum eigentlichen Zentrum der Serie. Sie ist nicht das Stereotyp "böse Exfrau", sondern eine unglaublich facettenreiche Figur, die nicht nur hart verhandelt, sondern auch einfühlsame Songs schreibt. Taraji P. Henson spielt die Rolle der Cookie so überragend, dass man sich wirklich wundern muss, warum sie nicht schon viel länger ein Star ist. Bis einem dann wieder einfällt, dass es im US-Fernsehgeschäft kaum Rollen für schwarze Frauen gibt.

Musik hält alles zusammen

Zusammengehalten wird Empire, diese bunte Mischung aus Soap und Shakespeare, von viel Musik. Timbaland ist ausführender Musikproduzent der Serie und schafft es tatsächlich, dass keiner der Seriensongs total peinlich klingt. Die Songs von Timbaland sind genau wie die Serie: Catchy, nie allzu tiefgründig, aber gnadenlos unterhaltsam.

"Empire"-Sender Fox hat nach dem großen Erfolg gleich mal mehr Folgen für den Herbst bestellt. Die Hoffnung: Man könnte mit Empire endlich mal wieder einen Hit in der Tasche haben, der so groß werden könnte, wie die TV-Legenden "Dallas" oder "Denver Clan". Ganz unwahrscheinlich ist das nicht. 

"Empire" läuft ab dem 23. Juni 2015 immer mittwochs um 20.15 Uhr auf ProSieben


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