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TV & Serie // Billions Fetisch-Party an der Wall Street

Finanzkrise in Serie: Ab Montag läuft auf Sky Atlantic „Billions“. Paul Giamatti und Damian Lewis liefern sich darin einen kalten Krieg an der Wall Street.

Von: Christian Alt

Stand: 20.04.2016

Szene aus Billions | Bild: Sky Atlantic / Showtime

Gleich in der ersten Szene von “Billions” geht es zur Sache. Da liegt die Hauptfigur Chuck Rhoades gefesselt am Boden. Über ihm thront seine Ehefrau Wendy, mit schwarzen Lackstiefeln. Sie steigt Chuck auf den Brustkorb, raucht genüsslich eine Zigarette und drückt sie ihm auf der Brust aus.

Was uns diese Szene sagen will? Willkommen in der abgefuckten Welt der Reichen und Schönen. Hier wird’s dirty. Chuck, der sich hier von seiner Frau demütigen lässt, ist der neue Staatsanwalt von New York. Er ist angetreten, um in der Finanzbranche aufzuräumen. Jeder, der in irgendwelche dreckigen Deals verwickelt ist, soll hinter Gitter. In seinen ersten Monaten feiert Chuck einen Erfolg nach dem anderen. Aber an einen Bankster kommt er nicht ran: Bobby Axelrod. 

Kalter Krieg an der Wall Street

Chuck will nur gegen Axelrod vorgehen, wenn er wirklich was gegen ihn in der Hand hat. Denn: Axelrod ist ein Volksheld. Klar, er ist Hedgefonds-Manager, aber er spendet Millionen von Dollar an die New Yorker Feuerwehr. So einer kann doch kein schlechter Mensch sein. Doch! Axelrod hat seine Millionen durch Korruption und Insiderhandel gemacht. Es kommt zu einem kalten Krieg zwischen dem Staatsanwalt und dem Bankster. Wer zuerst einknickt, hat verloren.

Austauschbare Kulisse

Vor ein paar Wochen hat der Film „The Big Short“ einen Oscar bekommen. In dem geht es auch um die dreckige Finanzwelt, um gierige Bankster und die Krise von 2008. Was den Film so toll gemacht hat: nach dem Kinobesuch hat man tatsächlich was verstanden. „The Big Short“ war ein kluger Film im Deckmantel einer grotesken Komödie. Bei „Billions“ ist es genau andersrum. Zu keiner Zeit soll man hier überhaupt verstehen, wie die Finanzwelt tickt. Die erste Szene, in der Chuck von seiner Frau gedemütigt wird, steht stellvertretend für die ganze Serie: Hier geht es nicht darum, uns irgendwas über die Figuren oder die Bedeutung von Macht zu erzählen. Es geht um einen billigen Effekt. Die Serie könnte genauso gut am Hofe von Heinrich VIII. spielen, dem König von England. Hauptsache, die Protagonisten sind reich und schön. Und natürlich wunderbar verdorben.

Man kann nicht wegschauen

Aber: Auch dumme Serien können unterhalten. „Wir alle sehnen uns nach dem Leben der Reichen und Schönen“, sagt Axelrod in der ersten Folge. Und er hat recht. Deshalb können wir auch nicht wegschauen, wenn die x-te Serie über Macht und Korruption rauskommt. Und wenn die Reichen und Schönen dann noch von Paul Giamatti und Damian Lewis aka Nicholas Brody aus Homeland, gespielt werden, schaut man erst recht hin. Dann ist es auch egal, dass „Billions“ eher Fast Food statt Fünf-Gänge-Menü ist. Satt wird man auf jeden Fall.

Billions läuft ab Montag, 25.04.2016, auf Sky Atlantic.


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