Serie // "Homecoming" Die Praline unter den Serien

Hollywoodstars wie Anthony Hopkins, Matthew McConaughey und Nicole Kidman haben auf dem kleinen Bildschirm schon die spannenderen Rollen gefunden. Jetzt hat auch Julia Roberts ihre eigene Serie – vom Macher von "Mr. Robot".

Von: Vanessa Schneider

Stand: 12.02.2019 | Archiv

Szene aus der Amazon Prime Serie "Homecoming" | Bild: 2018 Amazon.com Inc.

Diese Serie gehört auf eure Watchlist, wenn... ihr auf die alles einnehmende Paranoia in "Mr. Robot" steht, euch immer noch über den What-The-Fuck-Moment aus "The Sinner“ wundert und gern politischen Verschwörungsgeschichten à la "Counterpart" auf den Grund geht.

__________________________________________________________________________________________________________

Homecoming ist eine Tradition in Amerika. Dabei wird jeden Herbst nach den langen Sommerferien die Heimkehr der Studenten und Schülerinnen an die Schulen und Unis gefeiert. Es ist ein Fest von Zusammengehörigkeit, dem Gefühl zuhause und willkommen zu sein. Ein Gefühl, das viele Soldaten vermissen, die aus dem Auslandseinsatz zurückkehren.

Wenn ein Wiedereingliederungsprogramm für Soldaten "Homecoming" heißt, klingt das also erstmal vielversprechend. Entsprechend enthusiastisch ist auch Heidi Bergman, Psychologin und die Leiterin des nagelneuen Homecoming Centers irgendwo im schwülen Florida. Dort soll sie junge Veteranen betreuen und behandeln, die gerade vom Einsatz in Afghanistan zurück sind. Einer von ihnen ist Walter Cruz (gespielt von Stephan James, den man sich unbedingt merken sollte) – zu dem Heidi schnell eine ungewöhnliche Beziehung aufbaut.

Heidi Bergman (Julia Roberts) und ihr Patient Walter Cruz (Stephan James).

Bald wird allerdings deutlich, dass irgendetwas faul ist: Für Heidis schmierigen Boss Colin Belfast steht nicht das Wohl der Soldaten im Vordergrund, sondern der finanzielle Gewinn. Im Homecoming Center, so scheint es, werden für das Verteidigungsministerium Medikamente an unwissenden Soldaten getestet. Heidi hinterfragt nichts – warum die Regierung daran interessiert ist den Soldaten zu helfen, woher sie kommen und wohin sie nach der Behandlung gehen.

Einige Jahre später wird ein Beamter des Verteidigungsministeriums auf das Homecoming-Programm aufmerksam. Als er den Ungereimtheiten auf die Spur geht und Heidi besucht, ist nicht nur er verwundert: Sie arbeitet jetzt als Kellnerin in einem Restaurant und kann sich an nichts mehr erinnern.

Ein stylischer Hitchcock-Thriller

Die Serie wird in zwei Zeitebenen erzählt, die nicht nur völlig unterschiedlich inszeniert sind – Julia Roberts spielt Heidi Bergman auch wie zwei völlig unterschiedliche Frauen. In der Zukunft scheinen ihr nicht nur die Erinnerungen zu fehlen, sondern prinzipiell ein Teil ihrer Persönlichkeit. Das wird auch visuell brilliant in einem beschränkten und ungewöhnlichen quadratischen Bildausschnitt aufgegriffen. Man sieht also nicht alles, genauso wie Heidi, die ja keine Erinnerungen mehr hat.

Überhaupt: Kamera, Regie, Schnitt und Montage – die Bildgestaltung in "Homecoming" ist wirklich kunstvoll und von vorne bis hinten durchdacht. Von einer Hitchcock’schen Wendeltreppenszene zu geschickten Splitscreens und dem Musikeinsatz, alle ästhetischen Elemente dienen der rätselhaften Erzählung. Die beunruhigende Musik wird Thriller-Kennern bekannt vorkommen, alle Stücke kamen bereits in berühmten Filmen zum Einsatz, was einen merkwürdigen Déjà-vu-Effekt auf uns Zuschauer zur Folge hat.

In "Homecoming" geht es um Vertrauen, Paranoia und Kontrollverlust, also den Grundthemen von "Mr. Robot"-Macher Sam Esmail. Er hat die Serie gemeinsam mit Eli Horowitz and Micah Bloomberg, den Machern des gleichnamigen Gimlet-Podcasts, für den Bildschirm adaptiert.

"Homecoming" ist eine Praline in Serienform. Die einzelnen, ziemlich langsam erzählten Folgen, sollte man nicht auf einmal verschlingen, sondern Stück für Stück genießen. Zum Beispiel auf dem Weg in den Feierabend: Mit 25 Minuten Länge sind sie nämlich wie gemacht für Pendelstrecken – sogar auf dem Handybildschirm.

"Homecoming" gibt's ab dem 22.02.2019 auch in der deutschen Übersetzung bei Amazon Prime Video, die Originalversion ist bereits verfügbar.

Sendung: Hochfahren, 13.02.2019 - ab 7 Uhr.