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Münchens Kulturdebatte Reich, aber unsexy?

In München herrscht seit Tagen eine heiße Debatte: Hat Kultur abseits vom Mainstream in München überhaupt noch eine Chance? Wir haben Künstler und Verantwortliche der Stadt gefragt.

Von: Benjamin Kanthak

Stand: 15.10.2016 | Archiv

Ist München reich, aber unsexy? | Bild: BR

Der Elektro-Jazz Musiker Belp hat mit seiner Ankündigung, München verklagen zu wollen, eine heiße Debatte in der Kulturszene der Stadt losgetreten. Medien, Künstler, Förderer und städtische Vertreter diskutieren seitdem heftig über den Standort München und die Perspektiven für kreative Köpfe in der Stadt.

Kultur braucht Freiraum

So gut wie alle Beteiligten sind sich einig, dass in München vor allem kulturelle Freiräume fehlen. Die große Frage ist nur, wie man dieses Problem angehen soll, in einer Stadt, die allgemein zu wenig Platz hat. Die Kulturszene befindet sich im selben Wettkampf um Raum, wie Wohnungssuchende oder Firmengründer. Dadurch gestaltet sich der Erhalt und die Schaffung neuer Räume schwieriger, als in anderen Großstädten wie beispielsweise Hamburg oder Berlin. Der Grund dafür ist laut Jürgen Enninger, Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft, paradoxerweise der große Erfolg des Standortes München:

"Der Mangel an Freiräumen entsteht durch einen sehr erfolgreichen Standort, wo Menschen gerne leben wollen, wo Firmen sich gerne ansiedeln wollen."

Jürgen Enninger, Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft München

Eine Frage der Priorisierung

Wer welchen Platz bekommt, ist aber auch eine Frage der Priorisierung, findet Polly, Sängerin bei Pollyester. Die Stadt muss für sich entscheiden, wie viel Raum und welche Bedeutung man der kulturellen Szene zugestehen möchte:

"Die Stadt schätzt es ja, dass Leute hier bleiben und nicht abwandern. Was eine Stadt dafür leisten muss – auch damit man diese Leute halten kann, das frag ich mich schon, wie das aussehen kann."

Polly, Sängerin bei Pollyester

Dass sich die Stadt diese Freiräume leisten muss, ist für Thomas Lechner von der Fachstelle Pop ganz klar. Er findet, dass eine Stadtplanung ohne die Berücksichtigung von Flächen für Kultur nicht zukunftsorientiert ist.

"Eine verantwortungsbewusste Stadtplanung muss das aktiv mitplanen und mitdenken und dafür sorgen, dass es Bereiche und Viertel gibt, die als Kulturbereiche ausgeschrieben sind."

Thomas Lechner von der Fachstelle Pop

Kann man den Erfolg von Kunst in Geld messen?

Im Gegensatz zu Platz ist Geld für München weniger ein Problem. Die Stadt ist wirtschaftlich erfolgreich, und davon profitiert auch die Kultur. Mit 23 Milliarden Euro Umsatz liegt die Kreativwirtschaft Münchens weit vor dem finanziellen Umsatz der Kreativszene in Berlin. Aber: Wie viel sagt der wirtschaftliche Erfolg darüber aus, wie es der kreativen Szene geht? Und: Kann man den Erfolg von Kunst wirklich an dem Geld messen, das sie einbringt?

Keno von Moop Mama findet, dass auch Kunst, die wirtschaftlich nicht erfolgreich ist, Aufmerksamkeit verdient. Seiner Meinung nach sollten noch mehr Freiräume geschaffen werden für Kunst, die (noch) kein Geld abwirft.

Mainstreamkultur versus Subkultur also? Jürgen Enninger sieht da keinen Widerspruch. Er argumentiert, dass gerade der Erfolg der Kulturwirtschaft belegt, dass es eine lebendige subkulturelle Szene in München geben muss:

"Ich kann mir nicht erklären, wie ohne diese kulturellen Szenen und ohne die subkulturellen Freiräume diese Bedeutung der Kreativwirtschaft entstanden sein soll."

Jürgen Enninger, Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft München

Mehr Wertschätzung für Leute, die sich engagieren

Angela Aux, Mitglied der erfolgreichen Band Aloa Input sieht die Diskrepanz zwischen Mainstream und Subkultur schon. Er findet, dass in Sachen Unterstützung für Subkultur in München noch Luft nach oben ist. Angela Aux wünscht sich mehr Rückenwind für Leute, die weit ab vom Mainstream ihren Teil zur kulturellen Vielfalt beitragen:

"Es gibt (…) gute Leute, die sich engagieren, beispielsweise Leute wie Thomas Lechner, Christian Kiesler, die Festivals einfach organisieren und Leuten Bühnen bieten. (…) Die Stadt sollte diesen Leuten Wertschätzung entgegen bringen."

Angela Aux

Angela Aux meint damit die Leute, denen es bei ihren Kulturprojekten in erster Linie um die Sache geht und weniger ums eigene Bankkonto. Ein Beispiel ist in seinen Augen das Münchner Feierwerk, mit dem Thomas Lechner und Christian Kiesler seit über 30 Jahren junge Münchner Kunst, Musik und Kultur unterstützen. Das Feierwerk finanziert sich zu großen Teilen über einen Förderverein. Weitere Beispiele für subkulturelles Engagement sind für Angela Aux die Galerie Kullukcu oder die Künstlerin Anna McCarthy.

Kultur als Aushängeschild

Wie wichtig die Kulturszene für das Bild einer Stadt sind, zeigt Berlin. Mit dem Slogan "arm, aber sexy"  rühmte sich der damalige Berliner Bürgermeister Wowereit mit der aktiven und breiten Kreativszene der Stadt.

Klar sind Vergleiche zwischen Berlin und München nicht zielführend, denn jede Stadt hat ihre Eigenarten. In Berlin gab es nach der Wende etliche brache Flächen, auf denen sich subkulturelle Szenen bilden und austoben konnten. In München waren solche Flächen schon immer spärlich gesät.

Die aktuelle Debatte zeigt, dass die Stadt es trotzdem geschafft hat, eine lebendige Kulturszene im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu bieten. Die Diskussion zeigt aber auch, wie wichtig es ist, diese zu schützen.


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