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Die Muskeln der anderen Wie Pumpen die Popkultur erobert

Kollegah pumpt, Ryan Gosling pumpt, Justin Bieber auch. Egal ob im HipHop oder in Hollywood - ohne Sixpack traut sich kein Star mehr aus dem Haus und erst recht nicht auf Instagram. Aber was macht der Fitnesshype mit uns Normalos?

Von: Anna Bühler

Stand: 25.03.2015

Preesefoto Kollegah | Bild: picture-alliance/dpa

"Körperbau wie'n Zeichentrickanimationsheld
Der Bizeps hat ein eigenes Gravitationsfeld, yeah
Das ist Ghettoworkout, Ghettoworkout, Ghettoworkout"

Kollegah in 'Ghettoworkout'

Das ist das erste Gebot in Kollegahs Bossliga. Wer dazu gehören will, muss pumpen, bis die Bizepsader platzt. HipHop-Deutschland feiert eine große Fitnessparty - Lauchgestalten müssen draußen bleiben. Muckibuden-Fans wie Silla, Fler, Farid Bang oder Majoe halten stolz ihre Stiernacken in die Kamera und prägen damit ein Genre: den Anabolika Rap.

"Audio Anabolika, fick das Saufen aus Frust, das ist Sound der dich pusht
Audio Anabolika, schlag die Faust auf die Brust, denn du musst"

Silla in 'Anabolika'

Der Fitnesswahn ist für einige Deutschrapper zum richtigen Business geworden. Sillas Fitnessprogramm "Brust & Bizeps" ist in der Mache, Kollegah bringt seine Bosstransformation schon länger an den Mann. Für 197 Euro gibt es einen Trainingsplan, Ernährungstipps und als Videocoach den Boss höchstpersönlich. Fler hat sich mittlerweile auf Proteinshakes mit Vanillegeschmack spezialisiert und vertreibt das Supplement "Maskulin Whey". Und dank YouTube-Kanälen wie dem des Berliner Rappers Massiv, können seine Hantelbank-Padawane lernen, wie man richtig drückt. Die wichtigste Lektion ist aber bei allen dieselbe:

"Nach der Übung immer Posen. Hier, seht ihr das?"

Kollegah und Karl Ess

Man sieht es. Bei Facebook, YouTube oder Instagram. Immer mehr Weltstars gönnen uns einen Blick auf ihre Fitnessmatten. Models wie Bar Refaeli, Izabel Goulart oder Karlie Kloss zeigen uns ihre Skills am TRX-Suspension Band. Aber auch Sängerin LeAnn Rimes und Justin Bieber wollen beweisen, dass sie nicht nur Nummer-1-Hits, eine tolle Stimme und Millionen Fans am Start haben - sondern vor allem auch das richtige Trainingsprogramm. Während uns Megastars früher noch vorgemacht haben, dass ihre Bauchmuskeln von Gott und guten Genen auf ihre Bodies gezaubert wurden, ist es heute cool, die Qual dahinter zu zeigen.

Für uns Normalsterbliche bedeutet das: Der Druck steigt. Denn auf der neuen Fitness-Welle schwimmt immer das Versprechen mit: Diese tollen Körper, die auf Bühnen und Bildschirmen Gassi geführt werden, die könnt ihr auch haben. Es wird sogar noch konkreter: Wer sich nach einem Body sehnt, der genau so aussieht wie der von Ryan Gosling in "Crazy Stupid Love", findet den passenden Trainingsplan auf Webseiten wie kinobody.com.

Und nicht nur die Stars machen uns ein schlechtes Körper-Gewissen: Auch immer mehr Normalos posten Selfies von ihren bosstransformierten Bodies und protzen mit ihren Leistungen. Wenn die unsportliche Ute aus der siebten Klasse bei Runtastic täglich einen Halbmarathon rockt und es bei Facebook allen fröhlich unter die Nase reibt. Wenn selbst DIE jetzt fit ist - verdammt - dann kannst DU das doch auch. Oder?

"So, das war ein gutes Workout. War richtig gut. Ghettoworkout - Leute, alle nachmachen."

Kollegah in 'Ghettoworkout'


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