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Indianerfedern als Modeaccessoire Hirnloser Trend oder bewusste Provokation?

Ob beim Coachella, auf dem Laufsteg oder kürzlich auf dem Kopf von Pharrell Williams: Immer wieder sieht man Stars und Sternchen, die sich mit Indianerfedern schmücken. Ein Modetrend, der für Diskussionen sorgt. Auch bei uns.

Von: Teresa Fries

Stand: 13.06.2014

Fashion-Indianer | Bild: BR

Vielleicht kann sich noch jemand an die letzte Staffel Germany‘s Next Topmodel erinnern. In Episode 8 mussten sich die Kandidatinnen als Indianerinnen verkleiden und sexy gehen, tanzen und auf Pferderücken liegen. Eine rief irgendwann: “Ich kann das nicht! Bin ich ein Indianer? Nein!”

Eine gute und richtige Erkenntnis, die aber gar nicht selbstverständlich ist. Denn sehr viele Leute behängen sich gerne mit Federschmuck oder tragen Mokassins - nicht nur zur Faschingszeit. Die Läden der großen Modeketten sind diesen Sommer voll von Ethno-Prints und indianisch inspirierten Mustern. Und in der High-Fashion ist der Indianer-Look sowieso schon längst angekommen.

Die gemeinsame Geschichte der amerikanischen Ureinwohner und der Einwanderer ist geprägt von Krieg, Enteignung und Völkermord. In Anbetracht dessen könnte man meinen, dass amerikanische Nicht-Natives beim Thema “Indianer” besonders vorsichtig sein sollten. Die meisten sind das aber nicht. Nicht mal der Staat achtet besonders darauf:

Die CIA hat dem Terroristen Osama bin Laden den Codenamen Geronimo gegeben - den Namen des Indianers, der sein Land besonders vehement gegen die Einwanderer verteidigt hatte und deswegen zum vielleicht berühmtesten Indianer Nordamerikas wurde. Aber vor allem die Modewelt ist nicht besonders sensibel, wenn sie die Kultur der Indianer zum Fashion-Accessoire macht. Denn wenn es Blackfacing genannt und als rassistisch angesehen wird, wenn jemand sein Gesicht schwarz anmalt – ist es dann nicht Redfacing und damit ebenso rassistisch, wenn man einen Indianer nachahmt?

Andererseits aber: Hätten wir auch ein Problem damit, wenn uns in der Kunst ein falscher Indianer über den Weg laufen würde? Wahrscheinlich würden wir - abgehärtet von nackten, blutigen und gelegentlich fäkalen Provokationen - über diese nur müde lächeln. Doch dann stellt sich die Frage: Ist Mode nicht auch Kunst? Damit hätte sie die gleiche Freiheit und das Recht auf eine politische Botschaft. Und wer bestimmt, wo die Grenze ist? Ethno-Muster und ein paar Mokassins dürfen wir im Schrank haben, aber den Federschmuck für Fasching nicht?  

Ein Spannungsfeld, zwei Positionen: Wir haben einen echten Indianer aus Berlin und eine Modeexpertin aus München gebeten, ihre Sicht zu erklären.



Red Haircrow ist Native American, halb Chiricahua Apache, halb Cherokee. Seit 2003 lebt er in Berlin. Daran, dass seine Vorfahren hierzulande eher ein Klischee als eine Kultur und ein Volk sind, hat er sich noch nicht gewöhnt. Will er aber auch nicht.


Sabine Resch ist Diplom-Modedesignerin und Studienleiterin für den Bereich Modejournalismus an der Akademie Mode & Design in München. Für sie hat Fashion das Recht auf eine politische Aussage. Egal, ob das Federn auf dem Kopf von Pharrell Williams sind oder die Turnschuhe von Joschka Fischer.


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