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Personal Games Wenn man die Vergangenheit des Entwicklers zockt

Krebs, Depressionen, die erste große Liebe: In immer mehr Indie-Computerspielen geht es um ganz persönliche Erfahrungen aus dem Leben der Game-Entwickler selbst. Wir haben die besten dieser Personal Games für euch getestet.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 25.02.2016

In letzter Zeit erscheinen immer mehr Spiele, die auf persönlichen Erlebnissen ihrer Gamedesigner basieren: sogenannte Personal Games. Vor allem Indiegame-Entwickler wollen die Geschichten spielbar machen, die das Leben schreibt. Und die selten in Spielen erzählt werden - weil sie zu komplex, zu kompliziert und zu einzigartig sind.

Aber genau das macht die Games zu einer ganz besonderen Spielerfahrung. Auf die man sich als Spieler allerdings einlassen muss. Gamedesigner verarbeiten in ihren Personal Games entscheidende Momente aus ihrem Leben: Krebs, Missbrauch, Depressionen, das Ende der ersten großen Liebe - die Themen sind vielfältig, manchmal schwer verdaulich, aber immer wert, die Perspektive zu wechseln und tief in die persönlichen Geschichten der Gameautoren einzutauchen.

Dys4ia (2012): Über die Frustration, nirgends hinzupassen

Viele queere Gamedesigner haben Personal Games für sich entdeckt. Unbedingt kennen sollte man "Dys4ia". Entwickelt wurde es nämlich von Transgender-Gamedesignerin Anna Anthropy, einer Pionierin des Genres. "Dys4ia" handelt von der Frustration, unter der Anthropy während ihrer Hormontherapie gelitten hat - und zwingt den Spieler mit einfachsten Mitteln, diese schwere Phase nachzuempfinden. Ein beeindruckendes Game, das viele andere Designer dazu inspiriert hat, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Papo & Yo (2012): Leben mit einem alkoholkranken Vater

Papa und ich: So heißt das Personal Game des kolumbianischen Gameentwicklers Vander Caballero in der deutschen Übersetzung. Caballero verarbeitet darin seine traumatische Beziehung zu seinem alkoholkranken Vater. Gewidmet hat er das Spiel seiner Mutter und seinen Geschwistern. Denn sie haben ihm dabei geholfen, das Monster in seinem Vater zu überleben. Der Spieler in "Papo & Yo" muss all das erst noch meistern: Seine Aufgabe ist es, die zerstörerischen Wutausbrüche des eigentlich freundlichen Monsters zu überstehen - und zu lernen, damit umzugehen.

Cibele (2015): Die Lovestory ohne Happy End

In "Cibele" untersucht Gamedesignerin Nina Freeman eine Fernbeziehung, die sie vor vielen Jahren über ein onlinebasiertes Spiel geführt hat. In den knapp zwei Stunden Spielzeit geht es um Beziehungen, Erwachsenwerden, Sexualität und Selbstfindung. "Cibele" ist ein überaus ehrlicher Seelenstriptease: Gedichte, peinliche Selfies, nachgestellte Sexszenen - Freeman hält nichts zurück und gibt vieles von sich preis. Das Spielerlebnis ist dabei oft geradezu gruselig echt und dürfte viele Spieler an eigene ähnliche Erfahrungen erinnern.

The Beginner's Guide (2015): Das Spiel über Depressionen und Kunst

"The Beginner's Guide" ist auf den ersten Blick nur schwer als Personal Game erkennbar. Man wird von einer Gameswelt in die nächste geführt, eine Stimme aus dem Off erzählt dabei vom Entwickler dieser Games. Alles ziemlich meta also. Sobald man sich aber ein wenig mit der Geschichte von Davey Wreden, dem Entwickler von "The Beginner's Guide", befasst und das Game bis zum Ende durchgespielt hat, wird einiges klarer. Denn Wreden hat nach seinem ersten erfolgreichen Spiel lange unter Depressionen gelitten und seine Arbeit permanent hinterfragt. Dieses Gefühl der Verlorenheit überkommt auch den Spieler in "Beginner's Guide". Klingt nicht sehr verlockend, lohnt sich aber.

That Dragon Cancer (2016): Über den Kampf gegen den Krebs

Ryan und Amy Green setzen mit "That Dragon Cancer" ihrem kleinen Sohn Joel ein kleines Denkmal. Joel ist mit fünf Jahren an Krebs gestorben. Diese Zeit haben die Greens in "That Dragon Cancer" eingefangen und für andere erlebbar gemacht. Weil sie dafür mit echten Audioaufnahmen von ihrem kleinen Sohn, ihren eigenen Stimmen und Fotos gearbeitet haben, ist das Game an manchen Stellen nur sehr schwer zu ertragen. Ein sehr persönliches Personal Game, das einen noch tagelang beschäftigt.


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