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Zu viele Serien Warum wir Peak TV feiern sollten

Mehr als 400 Serien laufen dieses Jahr allein in den USA an. Wer soll das eigentlich noch alles gucken? Die Fernsehindustrie ist sich sicher: Der Gipfel ist erreicht. Dabei hat das Phänomen Peak TV für Fans auch Vorteile.

Von: Christian Alt

Stand: 16.10.2015

Peak TV: Platzt die Serien-Blase bald? | Bild: BR

"So many shows. And so little time. I’m just one man. How can I possibly keep up?" Das fragt sich Andy Samberg im Eröffnungssong der diesjährigen Emmys: Es gibt einfach zu viele tolle Fernsehserien, wie soll man da noch mitkommen. Seine Lösung: Er schließt sich mit einer DVD-Sammlung im Bunker ein. Nach einem Jahr kommt er total verzottelt raus. Aber immerhin kann er jetzt singen: "I watched every show. Every single episode. I’m all caught up and I feel superb, cause I watched every show."

Die Macher haben Angst vor dem Ende des Serien-Hypes

Vor dem gleichen Problem wie Andy Samberg stehen nicht nur Serienfans, sondern die gesamte Fernsehindustrie: Es gibt einfach zu viele Serien. Das Problem hat inzwischen sogar einen Fachausdruck: Peak TV. John Landgraf, der Chef des US-Senders FX, sagte vor wenigen Wochen auf einem Presseevent, dass der Gipfel, also der Peak, der Serienproduktion bald erreicht sei: "Das Fernsehgeschäft ist wie eine Blase, die bald platzt. Wir spielen hier gerade Reise nach Jerusalem. Irgendwann hört die Musik auf und nicht jeder wird sich wieder hinsetzen dürfen."

Und dann setzt die natürliche Auslese ein, glaubt Landgraf. Einige Serien und vielleicht sogar Sender sterben dann aus. Denn wenn die Zuschauerzahlen sinken, sinken auch die Werbeeinnahmen. Aber auch jetzt schon verdient nicht jeder Anbieter mit Serien Geld - Streamingdienste wie Amazon oder kleine Sender wie Lifetime zahlen im Moment bei ihren Serien drauf. Man will Nutzer anlocken und produziert so lange einfach mal ins Blaue.

Peak TV sorgt für Qualität

Gerade dieses Ins-Blaue-Produzieren ist für Maureen Ryan, Fernsehkritikerin aus den USA, das Gute an Peak TV: "Die besten Serien, die gerade draußen sind, würden ohne Peak TV nicht existieren." Klar, hier spricht die Kritikerin, die die ganzen tollen Serien zwar schaut, aber nicht bezahlen muss. Aber auch für uns Zuschauer hat Peak TV eigentlich nur Vorteile. Ein hübscher Nebeneffekt der Serien-Hypes ist nämlich, dass kaum noch Serien abgesetzt werden. Das sieht auch Ryan so: "Früher wurden Serien abgesetzt, weil Publikum und Budget nicht zusammengepasst haben. Heute laufen Sachen ewig, wenn sie eine große Fanbase haben."

Das Fernsehen kann vom Buchmarkt lernen

Fernsehmacher haben also Angst vor Peak TV, Kritiker finden es super. Und für Fans soll es auch gut sein. Aber wie soll man denn bei Hunderten Serien pro Jahr noch mithalten? Gar nicht, findet Ryan. Sie sagt, es sei Zeit, sich treiben zu lassen. Es beschwert sich ja auch niemand über die tausenden Romane, die jedes Jahr den deutschen Buchmarkt schwemmen. "Wenn du heute auf die Arbeit gehst, dann gibt's halt nicht mehr die Leute, die am Abend vorher das geguckt haben, was du auch geguckt hast. Aber wenn du ins Netz gehst, dann findest du die Leute eben da. Ich würde immer die heutige Zeit der TV-Vergangenheit vorziehen, auch wenn es manchmal einfach zu viel wird."

In den 50ern fanden alle unter 20-Jährigen noch Elvis geil, 50 Jahre später hat sich der Musikmarkt so zerfasert, dass jeder seine Nische gefunden hat. Genau dasselbe passiert gerade mit Serien. Jeder findet seine eigene Serien-Nische. Und hoffentlich auch Freunde im Real Life mit denen er dann über die neueste Folge seiner Lieblingsserie reden kann.


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