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Kommentar zum Werbeclip mit Muslimin Danke, H&M!

In einem Werbevideo zeigt H&M zum ersten Mal ein Model mit Kopftuch: selbstbewusst und stylish, mit Nasenring und Sonnenbrille. Das könnte unser Bild von Frauen mit Kopftuch entscheidend verändern.

Von: Theresa Authaler

Stand: 02.10.2015

Mariah Idrissi, erstes H&M-Model mit Kopftuch | Bild: H&M

H&M hat mal wieder eine Kampagne gestartet, die für Aufsehen sorgt: Im Videospot dazu sieht man einen pummeligen Typ im Schlabber-Shirt, Männer in Frauenklamotten - und eine Frau mit Kopftuch.

Lässig lehnt sie am Eingang eines Geschäfts und schaut in die Ferne, ihr Kopftuch ist locker um Kopf und Hals gebunden und wirkt dabei wie ein modisches Accessoire. Dann der Zoom auf ihr Gesicht: Sonnenbrille, Nasenring, Lippenstift. Dazu die Stimme des Sprechers: "Be chic".

Das Netz feiert sie als neue Mode-Ikone

Die Muslimin im Clip ist die 23-jährige Mariah Idrissi aus London. Ein Model-Scout von H&M ist durch ihren Instagram-Account auf sie aufmerksam geworden, in dem sie regelmäßig stylishe Fotos von Frauen mit Kopfbedeckung postet. In der Werbung ist Idrissi zwar nur knapp zwei Sekunden zu sehen. Für viele ist sie aber schon jetzt eine Heldin. In den Medien und den Sozialen Netzwerken wird sie als das "first hijabi model" gefeiert, das erste Model mit Kopftuch: eine neue Mode-Ikone, die das Bild der islamischen Frau in der westlichen Welt revolutioniere.

Die britische Journalistin Remona Aly schreibt im Guardian als Reaktion auf den H&M-Clip: Die Tatsache, dass das Kopftuch Einzug in die Popkultur halte, sei "ein Feiern der religiösen Freiheiten und der universellen Werte". Eine Bloggerin kommentiert Idrissis Auftritt auf dem Portal MuslimGirl: "Auf einfache und ruhige Art ist es ihr gelungen, dass andere eine muslimische Frau nicht mit Verachtung oder Angst ansehen, sondern mit einer gesunden Neugier." In den letzten Wochen haben alle großen Medien über Mariah berichtet, Sender wie BBC luden sie zu Interviews ein.

Die Aufmerksamkeit ist gerechtfertigt

Für eine Zwei-Sekunden-Sequenz in einem Werbevideo ist das ein gewaltiges Echo. Aber die Aufmerksamkeit ist gerechtfertigt. Idrissis Auftritt in dem H&M-Clip war wichtig - auch für das Bild, das viele hier von muslimischen Frauen haben. Denn es wird Zeit, dass wir unserer Idee davon, was "die muslimische Frau" ausmacht, ein Update verpassen.

zum Artikel Musliminnen in Deutschland "Betül, wir müssen über dein Scheißkopftuch reden"

Als gläubige Muslimin muss Betül Ulusoy sich ständig rechtfertigen: für Kopftücher, für Moscheen, für ihren Glauben. Im Interview erzählt die Berliner Bloggerin von ihren Erfahrungen zwischen Vorurteilen und Selbstbestimmung. [mehr]

Frauen mit Kopftuch werden hier immer noch kritisch beäugt. Wer ein Kopftuch trägt, gilt bei vielen als unmodern, ungebildet und antifeministisch. Oft wird das Kopftuch mit Unterdrückung gleichgesetzt. Erst kürzlich erzählte die Muslimin Betül Ulusoy im Interview mit PULS, dass sie schon als Jugendliche wegen ihres Kopftuchs diskriminiert wurde. Einmal sagte sogar die Schulleiterin zu ihr: "Betül, wir müssen über dein Scheißkopftuch reden."

Wir brauchen Vorbilder und Debatten

Dass solche Vorurteile gegenüber Frauen mit Kopftuch weiter bestehen, liegt auch daran, dass Musliminnen in unserer Gesellschaft kaum einen Platz haben, weder in der Mode noch in anderen Bereichen der Popkultur. Dadurch fehlt es an Vorbildern und Debatten.

Beides hat H&M jetzt geliefert. Mariah Idrissi hat die Rolle als "first hijab-wearing model" und Vertreterin der muslimischen Fashionistas angenommen und einige Interviews gegeben. Dadurch wurde auch mehr über sie bekannt. Sie ist in London aufgewachsen, ihre Eltern kommen aus Pakistan und Marokko. Seit sie 17 ist, trägt sie ein Kopftuch. Seit kurzem betreibt sie einen Beauty-Salon in London. Idrissis Message: Eine Frau kann gut aussehen und stylish sein, auch wenn sie ihren Körper und ihre Haare bedeckt. Man kann auch eine starke Persönlichkeit haben, wenn man ein Kopftuch trägt.

Das Video ist auch ein Marketing-Coup

Natürlich ist das Video mit Mariah Idrissi von H&M auch ein geschickter Marketing-Coup. H&M steht jetzt nicht nur als scheinbar besonders weltoffen da - der Konzern sichert sich damit auch seine Popularität unter jungen Musliminnen.

Aber sei’s drum. Mit Idrissi ist eine selbstbewusste, modische Muslimin aus Europa in den Mittelpunkt gerückt, es ist eine interessante Debatte entstanden. Das könnte dazu führen, dass muslimische Frauen in Zukunft präsenter sind und der ein oder andere seine Vorurteile gegenüber Frauen mit Kopfbedeckung überdenkt. Und dafür kann man an dieser Stelle einfach mal sagen: Danke, H&M!


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