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Interview // Rahiem von "The Furious Five“ Back to the roots of Hip Hop

Wieviel Realness steckt eigentlich in der Serie "The Get Down"? Rahiem muss es wissen – Er war Mitglied in der legendären Gruppe "Grandmaster Flash and the Furious Five“.

Von: Matthias Röckl

Stand: 07.10.2016 | Archiv

Rahiem und die Get Down Brothers | Bild: Facebook Rahiem

Über die Netflix-Serie “The Get Down” redet gerade gefühlt jeder. Sie handelt von der Enstehung des Hip Hop in den 70er Jahren in der New Yorker Bronx. Im Mittelpunkt steht die Crew "The Get Down Brothers" und ihr DJ Shaolin. Unser Bayer in Brooklyn Matthias Röckl hat sich mit der Frage beschäftigt, wieviel Wahrheit hinter der Geschichte steckt. Dazu fragt er einen, der sich auskennt: Guy Todd Rahiem Williams – ehemaliges Mitglied von "Grandmaster Flash and the Furious Five“, die den Hip Hop damals miterfunden hat. Mittlerweilse ist er auch als Trainer und Autor bei "The Get Down" am Start.

PULS: Du bist jetzt zum Beispiel als Trainer Teil von "The Get Down“. Wie arbeitest du mit den Schauspielern am Set?

Guy Todd Rahiem Williams: Ich schreibe viele der Performancetexte für die "Get Down Brothers“ - nachdem sie mir sagen, was das Thema der Szene ist oder um was es gehen soll. Ich schreibe die Lyrics und dann bringe ich ihnen bei, sie überzeugend zu performen. Es soll alles auf die Entstehungsperiode verweisen – die Zeit zwischen 1977 und 1979.

Wenn du mit dem Material ankommst – wieviel Musikunterricht ist da dabei?

Viele der Schauspieler rappen eh schon. Die Herausforderung für sie ist eher zu rappen wie man es damals gemacht hat. Sie müssen zu einer Zeit zurück gehen, in der die Kadenz – der Rhythmus – einfacher gestrickt war. 

Eins der wichtigsten Dinge, die ich den jungen Schauspielern auch zeige, ist die Einstellung für ihren Auftritt: Sie sind die Superhelden – denn das war die Einstellung, die Grandmaster Flash und The Furious Five hatten, wenn sie auf der Bühne standen. Das erklärte auch, warum wir so gekleidet waren damals, wir wollten uns vom Publikum abgrenzen. Wir dachten, dass das Publikum uns nicht als Superhelden sehen kann, wenn wir uns genauso aussehen wie sie. Das vermittele ich auch den Get Down Brothers – nicht unbedingt den Kleidungsstil – aber die Einstellung.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du "The Get Down“ siehst?

Wenn ich es sehe, denke ich sofort an meine Kindheit und es kommt mir vor, als würde ich mir selbst zuschauen. Ich habe geholfen die Choreographien der Get Down Brothers einzustudieren und die Lyrics zu schreiben. Ich habe es mehr als hundert Mal gesehen, jedes Mal bekomme ich wieder Gänsehaut – weil es aussieht wie eine Performance von Grandmaster Flash und den Furious Five.

Tatsächlich sind einige Choreographien genau dieselben. Ich habe das absichtlich so gemacht, denn in großen Teilen sind die Get Down Brothers vage an unsere Geschichte angelehnt.

Welche Rolle spielte Graffiti in der Entstehung des Hip Hops damals?

Graffiti gab es schon lange vor Hip Hop. Dadurch, dass es eine urbane Subkultur ist, hatte man das Gefühl man muss es mit den anderen Facetten der Hip Hop Kultur zusammen bringen. Graffiti Künstler gingen zu den Hip Hop Jams und viele Künstler halfen dabei die Flyer für die Events zu designen. Aber was man absolut nie gesehen hat auf solchen Jams, waren Graffiti Künstler, die während der Auftritte gesprayt haben. Das ist nicht passiert.

Wie ist eigentlich die Bezeichnung "Hip Hop“ entstanden?

Der Begriff "Hip Hop“ wurde geprägt von einem bereits verstorbenen Mitglied der Furious Five: Cowboy. Es war absolut unbeabsichtigt, er sprach gar nicht über die Kultur – vielmehr hat er sich auf einen Rhythmus im Militär bezogen: Hip Hop Hip Hop – wie marschierende Soldaten. Er wollte damit einen Freund würdigen, der zum Militär gegangen ist. So ist der Begriff Hip Hop entstanden.

Wo hört man heute noch Einflüsse eurer Crew im Hip Hop?

In jedem Song, in die Zeile vorkommt: "As we proceed, to give you what you need“ – das kommt direkt von uns. Das haben wir immer gesagt, wenn Flash an den Plattentellern war. Shout-Outs generell kommen von uns. Auf den Partys damals waren immer alle möglichen Leute: Drogendealer, Kleinkriminelle, Mörder, aber natürlich auch anständige Leute. Alle zusammen in einem Raum. Aber die Leute, die zu uns auf die Bühne kamen und wollten, dass wir ihre Namen ausrufen, waren in der Regel die Drogendealer. So wusste jeder, dass sie Drogen haben. Und so mussten wir die Namen der Drogendealer oder der Gangster in die Menge rufen. Wenn man also das Wort Shout-Out hört, das kommt von uns.      


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