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Interview // Red Haircrow "Verkleide ich mich etwa als Deutscher?"

Red Haircrow ist Native American, halb Chiricahua Apache, halb Cherokee. Seit 2003 lebt er in Berlin. Daran, dass seine Vorfahren hierzulande eher ein Klischee als eine Kultur und ein Volk sind, hat er sich noch nicht gewöhnt. Will er aber auch nicht.

Von: Teresa Fries

Stand: 13.06.2014

PULS: Red Haircrow, wie verbunden fühlst du dich noch mit der indianischen Kultur, jetzt wo du in Berlin lebst?

Red Haircrow: Mein Ursprung ist von meiner Person, meinem Sein, nicht trennbar. Das ist was und wer ich bin, meine Kultur, mein Erbe und mein Glaube.

Was hast du gedacht, als du das Cover von Pharrell Williams mit dem Kopfschmuck gesehen hast?

Red Haircrow  | Bild: Red Haircrow

Mein erster Gedanke war: Nicht schon wieder. Warum tun Non-Natives das immer und immer wieder? Das war eine sehr schlechte Entscheidung, sowohl der Magazinmacher als auch des Musikers. Vor allem in einer Zeit, in der es klare Gründe und Erklärungen dafür gibt, warum so etwas beleidigend für viele Native Americans ist. Das Gleiche gilt auch für Zeichen oder Muster, die bestimmten Anlässen und Personen vorbehalten sind.

Worin genau liegt für Indianer das Problem, wenn Nicht-Indianer Federkopfschmuck tragen?

Der Kopfschmuck ist heilig und von großer spiritueller Bedeutung. Indianer, die ihn trugen, mussten sich jede einzelne Feder - vor allem die Adlerfedern - verdienen. Nur ganz selten wurde Frauen diese Ehre zuteil, auch wenn sie in unserer Kultur sehr respektiert werden. Heute tragen Frauen manchmal eine Feder, aber nur mit Erlaubnis des Stammes.

Viele sagen: Wir tragen diesen Schmuck, weil wir die indianische Kultur gut finden und ehren wollen, nicht um uns darüber lustig zu machen. Ist da ein Unterschied für dich?

Wenn es sich um Dinge mit spiritueller Bedeutung handelt, macht das keinen Unterschied. Natürlich darf man unsere Kultur mögen und es gibt ja genug, was Native Americans selbst herstellen und verkaufen. Im Zweifel kann man auch fragen. Die Leute des Magazins haben das sicher nicht getan. Ob das nun als Kunst oder Kultur zählt, ist mir egal.
Außerdem: Ich finde zum Beispiel auch vieles aus der deutschen Kultur spannend und bewundernswert, aber verkleide ich mich deshalb als Deutscher?

Deutsche denken bei Indianern eher an eine lustige Faschingsverkleidung oder an Figuren aus Filmen und Büchern. Wie reagieren die Leute hier, wenn du sagt, dass du ein echter Indianer bist?

Fast ohne Ausnahme kommt im ersten Satz ein negatives Klischee. Irgendwas mit Feuerwasser oder Skalpiert-Werden. Dann wollen sie wissen, warum man modern gekleidet ist und warum man nicht aussieht, wie ein Indianer ihrer Meinung nach auszusehen hat. Wenn man einen nicht-traditionellen Job hat, fragen sie, warum man nicht Trommler oder Tänzer ist. Ich kann das, aber es ist kein Beruf, es ist einfach Teil unseres Lebens.

Man betrachtet dich also eher als wandelndes Klischee, weniger als individuelle Person?

Ja, Deutsche werfen alle Native Americans in einen Topf und sehen sie als Gruppe, kurz vor dem Aussterben, traurig und arm, die vor sich selbst gerettet werden müssen. Andere wieder geben damit an, dass sie einen "echten Indianer" kennen. Und das kommt auch von Leuten, die Experten für uns sein wollen: Museumsdirektoren, Kuratoren oder Autoren "indianisch inspirierter" Literatur. Und was nicht oft thematisiert wird: Es gibt Menschen die eine - sagen wir - etwas andere Art von Fantasien uns gegenüber haben, romantische Fantasien. Und die aktiv und manchmal aggressiv versuchen, diese auszuleben.


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