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Interview // Harald Havas (ASH) Austrian Superheroes

Sie fighten in Wien und Graz, sagen "urspät" und "Servas", haben Namen wie "Donauweibchen" und "Captain Austria". Harald Havas hat uns verraten, warum seine Austrian Superheroes alles andere als eine Marvel-Parodie sind.

Von: Judith Dauwalter

Stand: 11.07.2016

Austrian Superheroes | Bild: ASH

Ihre Mission: Die Österreicher vor Bösewichten und Ungeheuern schützen. Ihre Ausrüstung: Superkräfte, Armbänder, die Schocks verpassen und Fluggürtel. Das sind die Austrian Superheroes (ASH): Das unerschrockene, hübsche Donauweibchen und der junge Captain Austria mit wehendem Umhang – klassische Superheldenfiguren. Ganz im Gegenteil zu ihren zwei Mitstreitern, die das Heldenquartett komplett machen. Lady Heumarkt ist eine dicke, superstarke Wienerin mit derbem Humor, die früher Champion beim Catchen am Prater war. Der pingelig-spießige Bürokrat, der auch so heißt, mit Brille und Aktenkoffer analysiert vor jeder Aktion erstmal, welches Gesetz der Gegner gebrochen hat. Wir haben mit dem Erfinder des Comics, Harald Havas, über sein Ösi-Superheldenquartett gesprochen.

PULS: Donauweibchen und Captain Austria kommen ja ganz offensichtlich aus der Superheldentradition - jung, hübsch, unerschrocken, mit klassischen Heldenkostümen und Superkräften. Die dicke Wrestlerlady Heumarkt und der pingelig-spießige Bürokrat wirken aber doch ein bisschen wie eine Parodie auf klassische Superhelden?

Harald Havas: Wir haben schon immer wieder Humor dabei, allerdings ist es keine Parodie. Ich denke, viele amerikanische Superhelden, ganz besonders die Superheldenfilme, die jetzt im Kino laufen, kommen auch nicht ohne Gags aus.

Wenn man sich die Namen der Helden anschaut: "Donauweibchen", z.B., dann spielt das ja schon sehr auf die österreichische Kultur an. Haben eure Helden Bezüge zu Figuren, die schon existieren und spielen auf Bekanntes an?

So wie amerikanische Helden sehr oft einen Bezug zu amerikanischen Mythen und der amerikanischen Kultur haben, wie bei z.B. bei Captain America. Es gibtz.B. eine Heldin, die heisst "Liberty Bell" in Bezugnahme auf ein Monument in Philadelphia. In diesem Spektrum sind unsere Figuren auch angesiedelt und beziehen sich sehr oft auf Flaggen oder lokale Themen. Bei den Helden, die wir momentan haben, ist "Donauweibchen" tatsächlich eine mythische Figur. "Lady Heumarkt" bezieht sich auf eine ehemalige Wrestling- bzw. Kampfarena, die hieß eben Heumarkt und dort hat unsere Figur, so wie wir sie erfunden haben, früher eben auch gekämpft. "Captain Austria" ist natürlich ein Verweis auf die Superheldentradition. Und "Der Bürokrat" ist eine Neuerfindung von uns. Der bezieht sich auf gar nichts, außer auf die sehr bürokratischen Verhältnisse in Österreich.

Im Editorial von Heft Nummer zwei heißt es: "Möge ihn kein Bus überfahren, sonst erfahrt ihr nie, wie die Saga um unsere Austrohelden endet." Du wirst als ASH-Erfinder und Mastermind bezeichnet - Was heißt das und was sind deine Aufgaben im Team?

Das sind zwei getrennte Bereiche: Einerseits bin ich der Texter und Szenerist dieser Comic-Serie. Den Begriff Szenerist verstehe ich erst richtig, seit ich regelmäßig Texte für die Zeichner schreibe. Ich bin der Drehbuchautor, der Szene für Szene, Bild für Bild genau vorgibt, was zu passieren hat. Es ist also nicht so, dass ich nur einen Text schreibe oder die Dialoge, und die Zeichner machen dann einfach was draus. Natürlich haben die Zeichner dann auch die Freiheit und Kreativität das zu verändern oder auszubauen bzw. Neues einzubringen. Andererseits bin ich nur einer von vielen Leuten, die das Ganze als Verlag bzw. Struktur am Leben erhalten. Wir haben noch keinen Verlag gegründet aber wir müssen das Geld vewalten, das wir durch Crowdfunding bekommen haben. Wir müssen die Abos versenden und unsere Social-Media-Kanäle pflegen. Und aus diesem ganzen Strauß an Tätigkeiten fällt eben ziemlich viel mir zu, weil ich das ganze praktisch initiiert habe.

Und wie hätte es ausgesehen, wenn du die Helden selbst gezeichnet hättest?

Schlechter. Von mir stammen in den meisten Fällen die ungefähren Vorgaben, wie die Figur auszusehen hat. Manchmal mache ich auch Skizzen. Wie z.B. beim "Donauweibchen" mit ihrem Blaugrünen Farbverlauf auf ihrem Körper, die hab ich so vorskizziert. Andere, wie die "Lady Heumarkt", da gabs von mir nur die Vorgabe, einer breitgebauten, um nicht zu sagen dicken Wrestlerfigur einer Frau. Wenn ich mir das vorstellen kann, was ich möchte, dann skizziere ich das. Lieber ist es mir aber, wenn ich ein paar Hinweise gebe, wie ich mir die Figur vorstelle und dann kommen ein paar Entwicklungsvorschläge von den anderen. Dann zeigen wir uns das gegenseitig, manchmal wird dann auch noch an etwas gefeilt.

Der einzige kritische Leserbrief, den ihr in eurem zweiten Heft abgedruckt habt, lautet: "Die Namen der Superhelden finde ich teilweise etwas unpassend. Namen wie Donauweibchen oder Lady Heumarkt hören sich witzig an, passen aber finde ich nicht zu Superhelden." Eure Reaktion darauf?

Naja, meine Reaktion auf diese Frage - und sie ist mehr als einmal gekommen - ist einfach die: Wenn man die amerikanischen Superheldennamen übersetzt werden sie auch nicht viel klüger. Also zum Beispiel so etwas wie "Spinnenmann", "Fledermausmann" , "Der Blitz" oder "Todeswette", wenn man jetzt mal„Deadpool“ nimmt. Die Namen sind alle in Wirklichkeit von der Bedeutung her nicht gerade umwerfend. Wir hatten bei der Namensgebung das Gefühl, dass es wenig Sinn macht, in einem Heft, das von deutschsprachigen Superhelden handelt, amerikanische Namen zu nehmen. Wir haben in Heft drei jetzt eine Figur, die heißt "Grüner Panther", der kommt aus der Steiermark. Warum sollte der sich "Green Panther" nennen? Das hat doch keinerlei Bezug zu irgendetwas, darum sind die Namen eben deutsch. Und im Fall von "Donauweibchen" ist das noch spezieller. Das ist eine Sagengestalt - da wäre es ja noch blöder, sie als "Danube Lady" oder "Mistress of the Danube" oder sonst was zu bezeichnen.

Und wie kommen die ersten Hefte an? Haben die Leute auf diese österreichischen Superhelden gewartet?

Das kann man so sagen, ja. Ich war selber überrascht, muss ich sagen. Die Idee, sowas zu machen, hatte ich schon länger. Im Sommer 2015 sind dann einige Fäden zusammengelaufen: Es gab eine neue Möglichkeit für eine Crowdfunding-Plattform, es gab eine Förderung von einer Bank, ich hatte plötzlich einfach die richtigen Leute um mich herum. Dann haben wir das einfach gestartet. Außerdem ist das alles in eine Zeit gefallen, in der Superhelden boomen und da haben wir eben gut rein gepasst. Bei den ersten Comicbörsen in Österreich, hab ich bei der Präsentation des Konzepts und als wir auf Crowdfundingsuche waren, immer wieder damit gerechnet, dass die Leute die Probehefte sehen und sagen: "Seid ihr bisschen komisch im Kopf? Was ist los mit euch?" Tatsächlich war das Gegenteil der Fall, sie haben es sich angeschaut und gesagt "Cool, genau auf sowas haben wir gewartet!"“ Da war ich echt überrascht. Ich dachte ja, wir würden nur Leute ansprechen, die auf Absurdes stehen oder ein paar Kids, aber tatsächlich haben wir auch die "normalen" Superhelden Fans angesprochen.

Die ersten drei Hefte eurer ersten Serie sind schon draußen. Eure Superhelden kämpfen gegen ein Ungeheuer, das aussieht wie ein Basilisk – eine ziemlich furchterregende Mischung aus Drachen und Hahn. Es ist verantwortlich für grausige Überfälle auf junge Frauen. Im Oktober erscheint das letzte Heft dieser Serie. Kannst du schon irgendwas verraten?

Sagen wir so, es ist der letzte Band! Und der letzte Band wird den großen Endkampf zwischen den Parteien schildern. Wie der ausgeht oder ob es da noch Twists gibt, möchte ich nicht verraten. Das Eine, was ich verraten kann ist, dass es noch viele Überraschungen geben wird und neue Figuren auftauchen werden, die das ganze Superhelden-Universum rund um die "Austrian Superheroes" erweitern werden.

Bei so viel Mühe wär‘s ja schade, wenn die ASH nach ihrem ersten Abenteuer wieder in der Versenkung verschwinden...

Absolut, es gibt viele Loose Ends! Wir sind grad am Planen und Rechnen. Der Punkt ist der: Wir haben großen Verkaufserfolg. Für eine österreichische Comicproduktion haben wir wirklich erstaunliche Verkaufszahlen. Aber ein 36-seitiges Comic-Heft zu produzieren, ist ein enormer Aufwand. Ich spreche nicht von den Druckkosten, die sind sogar gesunken in den letzten Jahren. Man muss das mit Zeichentrickfilm vergleichen – jeder Pfeilstrich, jedes Blümchen im Hintergrund, jede Sprechblase muss gezeichnet werden und das ist ein riesiger Aufwand. Wer auch immer daran arbeitet, braucht sicher einen Monat dafür. Nur sind wir alle Freiberufler und es macht natürlich Riesenspaß das zu produzieren - aber wenn wir das regelmäßig machen wollen, dann muss es zumindest so viel abwerfen, dass es eine minimale Entlohnung darstellt und das rechnen wir gerade. Wenn diese Rechnung positiv ausgeht, wollen wir das fortsetzen. Spätestens bei Heft #4 wissen wir das und werden das dann auch groß verkünden.

Im Oktober kommt das vierte und letzte Heft der ersten ASH-Abenteuerserie. Die alten Hefte könnt ihr nachbestellen. Weitere Infos unter www.austriansuperheroes.com


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