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Cairo International Women's Film Festival "Wir haben damals schon gewusst, dass es gefährlich ist"

Frauenhandel, Massenvergewaltigungen, Ausschluss von politischen Prozessen – die Situation für Frauen in Ägypten ist katastrophal. Umso bewundernswerter ist Amal Ramsis. Sie leitet das Festival für weibliche Filmemacherinnen.

Von: Katrin Pötzsch

Stand: 03.03.2016

Amal Ramsis organisiert das Cairo International Women's Film Festival | Bild: Amal Ramsis, Bearbeitung BR

Seit letztem Wochenende läuft das "Cairo International Women's Film Festival" wieder. Amal Ramsis hat es speziell für weibliche Filmemacherinnen und Produzentinnen aus der ganzen Welt, vor allem aber aus dem arabischen Raum, ins Leben gerufen. Und das ist nicht ganz ungefährlich - genau wie die Arbeit der Filmemacherinnen. Wir haben mit Amal Ramsis über die Situation der Frauen geredet.

PULS: Die politische Situation in deinem Land ist mehr als schwierig im Moment und du veranstaltest ein Festival für Frauen. Hast du Angst?

Amal Ramsis: Ehrlich gesagt denke ich nicht an die Probleme, während ich das Festival auf die Beine stelle. Würden wir das Risiko scheuen, würden wir das alles nicht auf uns nehmen. Es fühlt sich wieder an wie in der Anfangszeit, vor der Revolution. 2008 haben wir das erste Festival veranstaltet. Wir haben damals schon gewusst, dass es gefährlich ist, und wissen es heute wieder. Wir versuchen einfach, so viele Filme wie möglich zu zeigen. Wenn etwas passiert, dann passiert es eben. Das hält uns nicht ab.

Was für Probleme haben arabische Filmemacherinnen in der Vergangenheit und welche haben sie im Moment?

In Ägypten muss jedes Skript eines Films eine Zensur durchlaufen. Danach benötigt man noch eine Erlaubnis von den polizeilichen Behörden. Sobald es um kritische oder politische Themen geht, bekommt man diese Genehmigungen nicht. Einige Filmemacher lassen sich deswegen aber nicht von ihren Projekten abhalten. Dann kann es vorkommen, dass Ihre Dreharbeiten sabotiert werden und Kamera-Equipment beschlagnahmt oder sogar mutwillig zerstört wird.

Wie viele der Filme drücken denn die Verzweiflung ihrer Macher über die katastrophale politische Lage im Land aus?

Fast alle der erfolgreichen Filme haben politische Inhalte und sind voller Entrüstung. Es ist wichtig, alles zu geben, um diese Filme an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir haben zum Beispiel einen tollen Film aus dem Libanon. Dieses Land galt lange als freies Land, aber das hat sich leider geändert. Reine Mitri, so heißt die Filmemacherin, hat den Film "In This Land Lay Graves of Mine" über den Bürgerkrieg aus ihrer Perspektive produziert. Er ist im Libanon verboten. Auch, weil sie Namen nennt. Wir möchten Reine Mitri unterstützen und den Film auf unserem Festival in Kairo spielen, wissen aber nicht, was das für Folgen für sie hat.

Du bist selbst ebenfalls eine politische Filmemacherin, hast schon mal einen Film über Tabus in deinem Land gedreht, Tabus wie Händchenhalten oder Verliebtsein. Wie schwierig ist es, über diese Tabus zu reden?

Ich produziere zwar politische Dokumentarfilme, sehe mich aber selbst nicht wirklich als politische Filmemacherin. Dass die Themen bisher fast alle in diese Richtung gehen, liegt an der großen aktuellen Relevanz. Ich beschließe aber nie bewusst, einen politischen Film zu machen. Ich möchte einfach beschreiben, was mich bewegt und eine Geschichte erzählen. Worum es geht, hängt immer von der Lebenslage ab, in der man sich befindet. In der politischen Kategorie stecke ich hoffentlich nicht für immer fest. Sobald sich die Situation beruhigt, werde ich über ganz andere, schönere Themen drehen.


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