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US-Wahlkampf vs. House of Cards Was Donald Trump und Frank Underwood gemeinsam haben

"House of Cards" startet in die vierte Staffel, mittlerweile hat die Realität die Serie fast überholt: Donald Trump ist so gerissen wie Frank Underwood. Hier sind sechs erschreckend ähnliche Prinzipien, nach denen beide handeln.

Von: Alexandra Reinsberg

Stand: 04.03.2016

Was Trump mit Underwood verbindet  | Bild: BR

Prinzip 1: Nutz die Politikgenervtheit aus

Kurzer Flashback: In Staffel eins war Frank Underwood noch Einpeitscher im Repräsentantenhaus der Demokraten, schon in der zweiten Staffel wird er zum Vizepräsident ernannt, bis er in der dritten Staffel schließlich selbst Präsident wird. Zu Nutze macht er sich dabei den Stillstand im politischen System. So kann er sich als derjenigen darstellen, der Dinge erledigt.

"Getting things done", dafür steht Frank Underwood, egal mit welchen Methoden. Und auch Donald Trump zieht Wähler an sich, weil er sich als Gegenentwurf zum jetzigen politischen System stilisiert - wie übrigens auch Bernie Sanders. Trump mobilisiert Wähler, die schon lange nicht mehr zur Wahl gegangen sind. Auch weil Republikaner und Tea-Party-Anhänger seit einiger Zeit immer wieder gegen die Regierung hetzen. Dass Donald Trump jetzt so stark ist - daran ist Washington auch selbst schuld.

Prinzip 2: Scheiß auf die Partei

"Ideologie ist für Feiglinge" - sein Leitmotto verheimlicht Frank Underwood den Zuschauern nicht. Seine Partei dient ihm nur als Steigbügelhalter auf seinem Weg zur Macht. Und auch Donald Trump hat mit der Partei, für die er kandidiert nicht viel am Hut. Teile seines Wahlprogramms widersprechen den Werten der Republikanischen Partei, sagen Parteikollegen. Sein Konkurrent im eigenen Lager, Marco Rubio, bezweifelte in der jüngsten TV-Debatte der Republikaner sogar öffentlich, dass Trump wirklich konservativ ist.

Prinzip 3: Lass die Marionetten tanzen

Zoe Barnes, Peter Russo, Jackie Sharp - Frank Underwood hat in drei Staffel schon viele Charaktere aufgebaut und wieder fallen gelassen. Wer ihm nutzt, wird gefördert. Alle anderen werden vernichtet, vor laufenden Kameras oder im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch Donald Trump hat das erste Opfer gefunden. "Chris Christie unterwirft sich Trump", hieß es in dieser Woche. Christie, sein ehemaliger Konkurrent im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur, musste offiziell verkünden, dass er von nun an Donald Trump in seiner Kandidatur unterstützt. Christies Gesichtsausdruck dabei sprach Bände.

    

Prinzip 4: Scheiß auf Spielregeln

Donald Trump hält sich einfach nicht an die Spielregeln des politischen Wahlkampfs. Er macht sich über Behinderte lustig, beleidigt Frauen und schürt Ressentiments, wo er nur kann. Erst gegen Mexikaner, dann gegen Muslime. Trotzdem wird er von seinen Anhängern gefeiert als derjenige, der die Dinge ausspricht wie sie sind. Seine politischen Gegner aus den eigenen Reihen attackiert er in bester Underwood-Manier. Der spielt in seiner Kandidatur um das Präsidentenamt in der dritten Staffel auch ein doppeltes Spiel. Zuerst geht er einen Deal mit der Kongressabgeordneten Jackie Sharp ein, dann stellt er sich in der laufenden TV-Debatte gegen sie.

Aber Frank Underwood geht weiter - auch über Leichen, ob das lästige Journalisten sind oder Parteimitglieder. So krass ist Donald Trump natürlich nicht drauf. Aber auch er hat Methoden und Forderungen, bei denen man sich nur an den Kopf fassen kann: Waterboarding gegen Terroristen sei da nur der Anfang, sagt er selbst.

Prinzip 5: flexible Agenda

Vor der Wahl und nach der Wahl sind zwei verschiedene Paar Schuh - ist klar. Das ist in der deutschen Politik nicht anders als in der US-amerikanischen und in politischen Serien sowieso der Fall. Nur treibt Donald Trump das Spiel gerade auf die Spitze mit absurden Forderungen von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko bis zur geplanten Ausweisung von Millionen illegalen Einwanderern. Gleichzeitig scheint er überhaupt kein Problem zu haben, von diesen Hardliner-Forderungen zurückzutreten, sobald er dafür gewählt wurde.

In einem Hintergrundgespräch mit der "New York Times" soll er angedeutet haben, dass viele seiner Forderungen so radikal nur im Wahlkampf vorkommen werden. Als Präsident wolle er eine flexiblere Politik betreiben. Well played, Frank, äh Donald. Als ob du es bei deinem Serienvorbild abgeschaut hättest. Der muss in Staffel eins als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus auch alle möglichen Deals aushandeln, um genügend Stimmen zu bekommen.

Prinzip 6: Spiel mit den Medien

In "House of Cards" spielt Frank Underwood mit Journalisten und Medien, wie es ihm gerade passt - meistens jedenfalls. Mit der Jungjournalistin Zoe Barnes hat er eine Affäre, bis sie ihm lästig wird. Den Schriftsteller Tom Yates lässt er ganz nah an sich heran, damit der sein Programm "America Works" vermarktet, unliebsame Journalisten verlieren ihre Akkreditierung im Weißen Haus.

Donald Trump hat zwar noch nicht die Macht eines Präsidenten, seine Popularität in den Medien nutzt er aber schon jetzt wie kein Zweiter. Stellt ihm die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly unangenehme Fragen, kommt er einfach nicht mehr zur nächsten Fernsehdebatte. Ein Signal auch an andere Medienhäuser: "Entweder ihr macht mit mir Kohle oder ohne mich Verluste". Zum Glück hat sich Fox-News davon bisher nicht sonderlich beeindrucken lassen. In der jüngsten Debatte musste sich auch Trump wieder alle Fragen gefallen lassen.

Der Hype um ihn ist trotzdem ungebrochen. Genau wie um die Serie "House of Cards". Man kann nur hoffen, dass der Hype um die Serie länger anhält als der um Donald Trump.


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