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TV & Serien // Halt and Catch Fire Mad Men aus dem Silicon Nirgendwo

Wer hat den Schnellsten? Wer baut den Billigsten? In den frühen 80ern wollen drei Nerds zusammen einen revolutionären PC entwickeln – und kopieren dafür beim Konkurrenten.

Von: Juliane Frisse

Stand: 27.01.2015

Szene aus Halt and Catch Fire  | Bild: AMC; Montage: BR

In den frühen 80ern sorgt der Personal Computer für eine Art Techie-Goldrausch. Auch in Texas, also im Silicon Nirgendwo, weit entfernt von all den großen Steve Jobs und Bill Gates – so erzählt es uns "Halt and Catch Fire". In der Serie tut sich ein sehr ungleiches Trio in einer kleinen Hardwareklitsche zusammen, um einen revolutionären PC entwickeln.

Klauen und optimieren

Initiator ist Joe (Lee Pace), ein geschleckter BWLer in Anzügen so schnittig wie sein Porsche. Der Typ charismatisches Arschloch, der weiß, wie man das Projekt in geschliffenen Sätzen verkauft. Sein Plan: einen Computer vom übermächtigen Konkurrenten IBM nachbauen und anschließend das geklaute System optimieren. Helfen soll ihm dabei der Nerd und verkannte Visionär Gordon (Scoot McNairy). Nummer drei im Team ist Cameron (Mackenzie Davis), eine Informatikstudentin, auf deren Festplatte nicht alle Kontakte richtig eingestöpselt sind. Dafür kann Cameron unfassbar gut programmieren und den passenden Can-Do-Spirit für die Computer-Revolution bringt sie auch mit.

Regisseur Juan José Campanella ("In ihren Augen") hat "Halt and Catch Fire" einen kinowürdigen Look verpasst: Die Szenen sind in leuchtend bunte Farben getaucht, dazu kommen ungewöhnliche Perspektiven und Montagen. Außerdem sind die drei Hauptfiguren allesamt super besetzt – Lee Pace, Scoot McNairy und Mackenzie Davis spielen sich in den vorprogrammierten Konflikten abwechselnd gegenseitig an die Wand.

Disketten und Dauerwellen

So wie Joe, Gordon und Cameron bei IBM die Technik stehlen, so offensichtlich ist auch "Halt and Catch Fire" von einer anderen Serie inspiriert: von "Mad Men". Statt Werbern in den 60ern gibt‘s hier zwar Computernerds in den 80ern, aber ansonsten ist vieles ähnlich: Der aalglatte Joe ist offensichtlich bei "Mad Men"-Figur Don Draper abgekupfert und die "Halt and Catch Fire"-Macher setzen ebenfalls auf den sorgfältig inszenierten Retrocharme. Heißt hier: Disketten, Dauerwellen, Tennisoutfits. Was dabei rauskommt, ist nicht schlecht, es funktioniert sogar ziemlich gut, aber es fasziniert nicht. Einfach, weil man das alles so ähnlich schon mal gesehen hat - und noch dazu mindestens eine Klasse besser.

Die erste Staffel von "Halt and Catch Fire" gibt es online bei Amazons Streaming-Dienst Prime Instant Video.


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