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Games // Volume Ohne jede Spur

Schleichen, Ducken, Vorbeihuschen: Im Stealth Game „Volume“ dreht sich viel darum, keinen Blick auf sich zu ziehen. Das Spiel selbst hingegen hat jede Menge Aufmerksamkeit verdient.

Von: Christian Schiffer

Stand: 24.08.2015

100 verwinkelte Levels, in denen man Diamanten stehlen und dabei versuchen muss den Wachen auszuweichen: Das ist "Volume". Okay, das hört sich maximal unspektakulär an. Mehr nach Pac-Man anno 1980, als nach einem fancy-arty Indiegame von Gamedesigner Mike Bithell, der vor drei Jahren mit „Thomas was alone“ schon mal ein fancy-arty Indiegame der Extraklasse geschaffen hat. Aber gut: Dann eben verwinkelte Levels und Diamanten aufsammeln. Immerhin sieht "Volume" fancy-arty aus: schön düster, mit wenigen, leuchtenden Grundfarben, ein surreal-futuristisch Tron-Look zusammengesetzt aus eckigen Polygonen. Im Hintergrund flattert bedrohlich sphärischer Technosound. Man selbst spielt einen Dieb, der Beweise sammelt für eine finstere Verschwörung, um diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Fordernd, aber niemals unfair

Das Spielgeschehen wird isometrisch, also von schräg oben gezeigt. Man sieht Wachen, die ihre Runden drehen, ihren Sichtkegel und eine Menge Gänge und Wände und muss sich eine Strategie überlegen: Kann man die Wachen irgendwie ablenken, zum Beispiel, indem man eine Toilettenspülung betätigt? Was ist die beste Route durch das Level? Später bekommt man allerlei Gadgets in die Polygonhand gedrückt, Tarnkappen zum Beispiel oder ein Betäubungsgewehr. Dadurch wird "Volume" noch komplexer, die Möglichkeiten, die immer raffinierteren Level zu lösen, noch variabler. Denn darum geht es eigentlich: den perfekten Weg zu finden durch das Labyrinth. "Volume", das ist auch ein Trial-and-Error-Spiel: scheitern, es noch mal versuchen, experimentieren, herumknobeln. Damit verbringt man viel Zeit in diesem Stealthgame, das aber niemals unfair wird.

Ein Fest für Speedrunner

Und dann kommt er, DER Moment. Der Moment, in dem man den Bogen raus hat und plötzlich anmutig durch ein Level gleitet, den man Minuten vorher noch für völlig unlösbar hielt. Grazil weicht man den Wachen aus, schmiegt sich im genau richtigen Moment gegen eine Wand, sorgt perfekt getimed für Ablenkung und flutscht durch das Labyrinth wie ein glühendes Samuraischwert durch Butter. Jetzt wird "Volume" zu einem Optimierungsspiel, zu jedem Level gibt es Online-Ranglisten, in denen man sich mit dem Rest der Welt messen kann. "Volume", das ist jetzt schon absehbar, wird ein echtes Fest für die Speedrunner dieser Welt. 

Wer sich auf "Volume" einlässt, der bekommt also mehr als ein Pac-Man mit einer netten Geschichte im schicken Indielook. Wer sich auf "Volume" einlässt, der bekommt ein kleines, kluges Spielchen und den arty-fancy Indielook oben drauf. Und wem die 100 mitgelieferten Levels nicht reichen, kann sich im mitgelieferten Editor seine eigenen bauen – und teilen.

"Volume" von Bithell Games, für PC, Mac, PS4 und PSVita, ca. 17,99 Euro


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