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Games // Stasis Verstörender Weltraum-Horror

Stahlkalte Raumkreuzer, dunkle Psychosen und schleimige Wesen. Das kennen wir aus zig Sci-Fi-Filmen. Aber noch nicht als klassisches Point-and-Click-Adventure. Der Horror in "Stasis" ist subtil, aber gnadenlos verstörend.

Von: Franz Liebl

Stand: 06.09.2015

Als John Maracheck aus dem künstlichen Tiefschlaf, der "Stasis", erwacht, traut er seinen Augen kaum. Das ist nicht die Koje, in die er sich schlafen gelegt hat. Das ist nicht einmal das Raumschiff, das er bestiegen hat. Wer sind die Toten in den anderen Stasis-Kojen? Und wo sind seine Frau und seine Tochter? Wo zur Hölle ist er überhaupt? Das könnte bereits die Antwort sein: in der Hölle.

Point-and-Click und Horror? Geht super zusammen.

Sci-Fi-Fans springen vor Freude im Dreieck. "Stasis" erinnert mit seinem finsterfeuchten Schauplatz, dem Forschungsschiff Groomlake, an den ersten "Alien"-Film, mit den fiesen Psychosen Marachecks an den Sci-Fi-Schocker "Event Horizon", mit seinen ekligen Splattermonstern an "Dead Space" und auch das dystopische "BioShock" schaut im Weltall vorbei. "Stasis" zitiert viel, fühlt sich aber trotzdem eigenständig an, weil es all das in ein klassisches Point-and-Click-Adventure packt.

In einem kleinen Inventar nehme ich gefundenes Zeug mit und löse damit kleinere bis größere Rätsel, um in der Geschichte weiterzukommen. Zum Beispiel brauche ich für eine Level 5-Sicherheitstür einen Level 5-Handabdruck. Also trenne ich, typisch Ekelhorror, mit der Glasscherbe aus meinem Inventar die Hand von einem toten Sicherheitsmann ab und versuche mein Glück. Die Rätsel sind nicht besonders schwierig, sofern man immer aufmerksam jeden Raum nach Gegenständen absucht. Macht man das nämlich nicht, kann man schon mal verzweifeln, weil man einfach nicht auf die Lösung kommt.

Spannend von Anfang bis Ende

"Point-and-Click" - das bedeutet in den allermeisten Fällen eine sehr langsame Spielgeschwindigkeit. Man geht viel hin und her, man steht viel in Räumen rum und überlegt. Neben den Rätseln sind es vor allem spannende Dialoge, die fesseln. Die gibt es hier aber nicht, ich bin die allermeiste Zeit komplett allein.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass "Stasis" spannend wird. Ist es aber. Der Alltag auf diesem Raumschiff ist einfach nur grausig. Jeder Raum strahlt eine noch größere Trostlosigkeit aus als der vorherige. Jedes Tagebuch, das ich lese, gibt mir einen noch traurigeren Einblick in das Leben und vor allem Sterben auf diesem Raumschiff. Und sogar das manchmal sinnlose Herumirren auf der Suche nach einem wichtigen Gegenstand trägt zu diesem subtilen Horror bei.

Immer mehr fühle ich mich alleine gelassen in diesem Stahlkäfig im schwarzen Nichts des Weltraums, auf der verzweifelten Suche nach meiner Frau und meiner Tochter. Alleine mit der Angst, was mit ihnen passiert sein könnte. Alleine mit diesen ganzen Toten und diesen anderen bemitleidenswerten Wesen. Wenn dann urplötzlich ein unmenschlicher Schmerzenschrei durch die Gänge hallt, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Das ist einer der Momente, in denen "Stasis" alles richtig macht. Die verstörende Soundkulisse setzt das i-Tüpfelchen auf diesen Horror. "Stasis" bedeutet permanente subtile Verstörung. Einfach ein tolles Sci-Fi-Drama.

Stasis (von The Brotherhood / für PC & Mac)


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