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Games // Oxenfree So gruselig, dass einem ein Schauer den Rücken runterläuft

Moderne Adventures setzen voll auf ihre Geschichte, weniger auf Rätsel. Das klappt nicht immer. Das Gruselabenteuer "Oxenfree" aber macht fast alles richtig. Und kommt von ehemaligen Disney- und Telltale-Kreativen.

Von: Franz Liebl

Stand: 24.06.2016

Ren ist ein Quatschkopf. Er quatscht nicht nur viel, sondern hat auch nur Quatsch im Kopf. Er lädt eine handvoll Teenager übers Wochenende auf eine verlassene Insel ein. Denn dort soll eine Höhle sein, in der es spukt. Mit einem Radio kann man dort angeblich Sender empfangen, die es gar nicht gibt. So ein Quatsch, denken sich die Mädels und Jungs. Dummerweise hat Ren Recht und für die Teenager beginnt ein regelrechter Albtraum.

Vermeintliche Teenieklischees werden aufgebrochen

Ich spiele Alex, die mit dem Radio einen Spalt in eine Geisterwelt öffnet, die ab dem Moment ständig in die Realität der fünf Teenager einbricht und teilweise sogar von ihnen Besitz ergreift. Und das ist richtig gruselig. Mehrmals ist mir regelrecht ein Schauer über den Rücken gelaufen. Das schafft "Oxenfree" durch plötzliche Bildverzerrungen, hässlichen Wortbrei aus dem Radio, einen hervorragenden Melancholie-Soundtrack, verwirrende Zeit- und Ortsprünge, Auflösung von Realität und vor allem durch seine glaubhaften Charaktere.

"Oxenfree" setzt voll auf seine Geschichte und die würde nicht zünden, wären die Charaktere blass. Der coole Ren, der introvertierte Jonas, die schüchterne Nona, die zickige Clarissa - sie sind nur vermeintliche Teenieklischees. Was für Typen sie wirklich sind, das erfahre ich in zig toll geschriebenen und vertonten Dialogen. Besonders Alex hat eine echt bewegende Hintergrundgeschichte, die natürlich das Zentrum der ganzen "Coming-of-Age"-Gruselstory ist. Supergut!

Aber wo sind die Rätsel?

Eines allerdings finde ich schade. "Oxenfree" ist ein Adventure neuerer Machart: Charaktere, Dialoge und Story dominieren ganz klar gegenüber Rätseln. Von denen hätte ich mir aber gerade hier mehr erwartet. Das Radio mit seinen zig Frequenzen als einzigem Gameplay-Tool finde ich einfach nur Hammer. Verschlossene Türen mit Frequenzen öffnen, in die Geisterwelt eindringen, die Geisterwelt schließen, aus Zeitschleifen ausbrechen, Dämonen vertreiben und das alles mit einem Radio - es klingt absurd, aber das macht innerhalb der Story alles Sinn.

Und es macht richtig viel Spaß, wenn ich mich durch die Frequenzen drehe und plötzlich vibriert der Controller, weil die Geisterwelt darauf anspricht. Das würde soviel Potential für innovative verschachtelte Rätsel bieten. Nur leider gibt es kein einziges davon. Bloß nicht zu lange die Story unterbrechen, das ist hier die Devise. Dafür ist die, und das kann man nicht oftgenug betonen, super erzählt.

Oxenfree (Nightschoolstudio // für Linux, Mac, PC, PS4, Xbox One)


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