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Games // Grow Home Land in den Wolken

Der kleine Gärtner-Roboter BUD muss eine Riesenpflanze in den Himmel wachsen lassen und an ihr zu seinem Raumschiff hochklettern. Das ist der ganze Inhalt von "Grow Home". Reicht aber für einen kleinen Indie-Hit.

Von: Franz Liebl

Stand: 07.11.2015

Minutenlang bin ich bereits die baumstammdicke Ranke hochgekraxelt, in schwindelerregende Höhe. 500 Meter. Plötzlich geht es in einen Überhang hinein. Unter mir nur noch das türkisblaue Meer. Gut, dass Roboter BUD, die Figur, die ich steuere, klebrige Hände hat und sich an jeder Oberfläche festhalten kann. Aber dann greife ich ins Leere. Auch mein letzter Rettungsanker, ein Gänseblümchen-Regenschirm, mit dem ich ein paar Sekunden schweben kann, bringt mir nichts mehr. Die nächste fliegende Insel ist zu weit entfernt. Also stürze ich in die Tiefe. Mit einem gewaltigen Platsch zerbricht BUD in tausend Teile. Am letzten Checkpoint wird er wieder zusammengesetzt. Ich lasse mich nicht unterkriegen und klettere erneut los.

Außergewöhnliche Spielidee

"Grow Home" kommt ganz einfach daher. Mit Gärtner-Roboter BUD muss ich von einem Strand aus eine Riesenpflanze in den Himmel wachsen lassen. Dort wartet BUDs Raumschiff. Also klettere ich auf kleine, überall abstehende Triebe und lasse sie sprießen, und zwar in Richtung von speziellen Energiefelsen. Dort muss ich Wurzeln schlagen. Erst dann hat die Pflanze genug Kraft wieder ein paar hundert Meter weiter nach oben zu wachsen.

Auf meinem Weg entdecke ich immer mehr fantastische Orte dieser faszinierenden Himmelswelt. Schwebende Wälder, hängende Pilzgärten, fliegende Berge, Wasserfälle zwischen Wolken, Höhlensystem in der Stratosphäre. Wie märchenhaft schön es hier ist. Wenn ich in 1200 Meter Höhe an einem Felsvorsprung hänge, nach unten schaue und mein Rankengeflecht bewundere, dann ist das einfach nur ein unglaubliches Gefühl von Höhe, das ich in noch keinem anderen Game gespürt habe.

Kein Walking-Simulator, trotzdem hoher Chillout-Faktor

Aber Achtung, "Grow Home" ist nicht die Kletterpflanzen-Version eines Walking-Simulators. Also eines Games, in dem man bloß rumspaziert und in dem keine Geschicklichkeit am Controller gefragt ist. Die braucht man hier schon. BUD bewegt sich wie eine betrunkene Marionette, und wenn man beim Klettern nicht aufpasst, dann fällt man schneller in die Tiefe, als einem lieb ist. Manchmal kann das sogar echt nervig werden, wenn der letzte Checkpoint viele hundert Meter weiter unten liegt und man alles noch mal klettern muss. Oft weiß man nicht mehr, wo oben und wo unten ist, also auch ein starker Magen ist gefragt.

Trotzdem ist der Chillout-Faktor enorm hoch. Vor allem, wenn man gemütlich auf die Suche nach versteckten Sternsamen oder nach kleinen Energiekristallen geht, mit denen man ein paar Upgrades freischalten kann. Dann verliert man sich regelrecht zwischen dem ganzen Pflanzengewirr, den schwebenden Inseln, dem Himmel und der Erde. "Grow Home" ist ein Wahnsinnserlebnis.

"Grow Home" von Ubisoft Reflections ist erhältlich für Mac, PC und PS4. Preis: 7,95 Euro.


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Wendel Pascal, Dienstag, 10.November 2015, 01:52 Uhr

2. Ähnlichleit mit altem Klassiker

Wenn ich mir Bild 3 und 4 anschaue erinnert mich das sehr stark an die letzten Level von Half-Life mit den schwebenden Felsen und den Pilzen darauf sieht das sehr ähnlich aus....

mr_tom, Montag, 09.November 2015, 16:51 Uhr

1. wortsinn

mal ehrlich - wäre denn ein 'wahnsinnserlebnis' so erstrebenswert? darf die empfindung während oder nach der spieltätigkeit nicht beeindruckend sein? der umgang mit dem realen planeten (z.b. computerschrott in afrika...) ist allerdings mit der zunehmenden geistigen verwirrung der akteure zu erklären...