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Games // Feist Wie "Limbo", nur mit Gegenwehr

Ein kleines Pelzknäuel allein im Wald, gefangen in einer Kiste. Der Weg hinaus scrollt konsequent nach rechts und führt über Stock und Stein. "Feist" ist ein bildhübsches Indie-Game mit Survival-Elementen.

Von: Dominic Holzer

Stand: 09.08.2015

Die schlechten Witze und Klischees beiseite, von wegen die Uhren gehen anders in der Schweiz. Immerhin sieben Jahre lang haben sich die Züricher von Bits & Beasts Zeit gelassen für ihr Debütspiel. Und gefühlt so lange habe ich selbst auch kein Jump'n'Run mehr angefasst, keinen Platformer und auch keinen Sidescroller.

Wo die wilden Kerle wohnen

In diesem Spiel fällt nicht ein Wort. Ein kurzes Intro lässt mich ahnen, dass ich von wilden, pelzigen Viechern verschleppt werde. Da häng ich also, baumelnd an einem Seil, gefangen in einer Kiste - und muss mich da erst mal rausschaukeln. Erst danach sehe ich: Ich bin ein kleines, hüpfendes Pelzknäuel allein im Wald. Und ziemlich schnell bekomme ich das Gefühl: Da in der Kiste wär ich vielleicht lieber geblieben.

Denn der Wald, in dem ich mich wiederfinde, ist schaurig schön, aber finster. Das Licht kommt von hinten, vorne in der Spielwelt ist alles pechschwarz - der dustere Ambient-Soundtrack (den es hier zu hören gibt) macht's nicht unbedingt besser. Das erinnert in der Aufmachung alles schon sehr an den Indie-Klassiker "Limbo", nur mit einem großen Unterschied: Bei "Feist" darf ich mich wehren! Wenn ich kann.

Wie "Limbo", nur mit Gegenwehr

Denn ich bin nicht allein im Wald: Irgendjemand hat da fiese Fallen gestellt, es hagelt Pfeile und je weiter ich vordringe, desto stacheliger und giftiger werden die Tiere, denen ich begegne. Von den pelzigen Monstern aus dem Intro ganz zu schweigen, die sind gleich drei Mal so groß wie ich und haben schlechte Laune. Kassiere ich mehr als drei Treffer, muss ich das Level ungefähr von da neu beginnen, wo es mich erwischt hat. Und das. Passiert. Mir. Sehr. Oft.

Macht aber nix, denn "Feist" hat eine entscheidende Qualität: Es weckt meinen Ehrgeiz. Und es verleitet mich dazu, cleverer sein zu wollen, als das Spiel selbst. Denn im Prinzip herrscht hier totale Anarchie: Monster tauchen zwar an bestimmten Stellen auf, aber interagieren dann völlig frei mit der Spielwelt. Genau dafür haben die Schweizer Entwickler von Bits & Beasts so lange an der Spielmechanik gefeilt.

Spielphysik und Leveldesign glänzen

Diese Spielmechanik ist so simpel wie genial. Mir reichen genau fünf Tasten: Links, rechts, hüpfen - eine Taste für's Dinge aufheben, werfen und zuschlagen und eine Taste zum Schubsen. Steine, Tannenzapfen, Prügelstöcke... und richtig lustig wird's, wenn ich Stechmücken aus der Luft abgreife, über die Schulter werfe und Stacheln verschieße. Wespen-Bazooka! Nur erwischen muss ich sie halt erstmal.

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, worum es in "Feist" eigentlich geht, außer von links nach rechts zu laufen und möglichst am Leben zu bleiben. Aber was dem Spiel an Handlung fehlt, macht das Leveldesign absolut wett: Wenn ich dann endlich kapiert habe, dass (Achtung, Spoiler!) sich die Biester auch gegenseitig kaputt machen da in dieser einen Höhle und ich mich einfach nur klug anstellen muss: dann seh' ich direkt vor mir, wie sie in sich hineingrinsen, die Schweizer Macher von "Feist".

"Feist" ist erhältlich für PC, Mac und Linux und kostet aktuell €14,99 bei Steam


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