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Games // Axiom Verge Achtung, Augenkrebs!

Retrogames gibt es en masse, aber das Ein-Mann-Projekt "Axiom Verge" ist ein Ausnahmespiel: Eine 80er-Jahre-Action-Hommage voller Herzblut - und mit einem sehr speziellen Flickenteppich-Look.

Von: Franz Liebl

Stand: 18.05.2015

Games, die in der Freizeit eines Einzelnen entstehen, werden immer seltener. Sogar im Indiebereich. "Axiom Verge" ist eines dieser Spiele. Entwickler Tom Happ hat es komplett alleine gemacht, jeden Ton, jedes Bild. In seiner Freizeit, über knapp drei Jahre lang. Herausgekommen ist eine Hommage an den Klassiker "Metroid", ein wegweisendes Game aus 8-Bit-Zeiten, das 2D-Shooter-Action mit der Erkundung einer riesigen Spielwelt verknüpfte. Bis heute gibt es immer wieder Games, die sich dieser Spielmechanik bedienen.

Scheußlich und wunderschön

Schon die Grafik von "Axiom Verge" sticht einem gleich ins Auge - im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Game hat eine gewöhnungsbedürftige Ästhetik. Und damit ist nicht die 8-Bit-Grafik an sich gemeint. Die Spielwelt kommt einem oft zusammengestöpselt vor, aus ein paar Hand voll unterschiedlicher Vierecke. Aus solchen grafischen Bausteinen hat man in den 1980ern Levels zusammengeschustert. Ergebnis mitunter: regelrechte Flickenteppiche. In "Axiom Verge" wird das teilweise bis an die Grenze des Erträglichen getrieben. Auch farblich. Oft sehen die Umgebungen scheußlich grell aus. Andererseits ist das gleichzeitig wunderschön und hat Style.

"Axiom Verge" entwirft so auch eine merkwürdige, geheimnisvolle Welt, weil das für heutige Verhältnisse einfach herrlich ungewohnt aussieht. Das i-Tüpfelchen: flackernde Stellen im Level. Grafikfehler, wie sie damals an der Tagesordnung waren, mit Absicht eingebaut. Mehr Liebe zum Detail geht nicht.

In der Captain-Future-Disco

Dann gibt es aber wieder Momente, die grafisch damals so nicht möglich gewesen wären, bestimmte Dreheffekte oder ganz einfach die vielen hundert Sprenkel, die über den Bildschirm spritzen, wenn ein Endboss zerplatzt. Obendrauf gibt's einen interessanten Soundtrack irgendwo zwischen 8-Bit-Sounds, "Captain Future"-Disco und Amiga-Midi. Ich weiß immer noch nicht, ob ich den wirklich mag oder nicht. Auf jeden Fall ist der Sound aber ebenfalls sehr eigenständig und passt zum Rest.

Spielerisch ist "Axiom Verge" feinste "Metroid"-Kost: Viele Ballermänner, die geschickt gegen unterschiedliche Gegner eingesetzt werden müssen. Riesige Endbosse, die eine spezielle Taktik brauchen. Und obendrein eine krass verwinkelte Spielwelt, die mir alle meine Fähigkeiten abverlangt, um weiterzukommen. Aber "Axiom Verge" kopiert nicht einfach nur das Original. Eine der coolsten Überraschungen: Die Grafikfehler entpuppen sich im Laufe des Games plötzlich als Spielelement. Ich kann sie mit einer speziellen Wumme zum Beispiel reparieren und plötzlich öffnet sich an der Stelle ein Durchgang. Oder ich schieße mit der gleichen Knarre Gegner zu Grafikfehlern und sie sind mit einem anderen Ballermann dann leichter zu besiegen.

Gut oder böse?

Warum ich noch nichts zur Story gesagt habe? Die ist einfach nur dazu da, um mich durch die außergewöhnliche Spielwelt zu scheuchen. Typ, der in Parallelwelt gezogen wird und dort im Alleingang die Guten vor den Bösen retten soll - das ist nicht der Rede wert. Wobei im Fall von "Axiom Verge" auch nicht ganz daneben, weil ich manchmal am Zweifeln bin, ob ich überhaupt für die Guten arbeite. Langweilig wird die Story nicht, aber alles andere an diesem Game ist einfach viel stärker. Ja, einfach nur herausragend. "Axiom Verge" ist ein absolutes Ausnahme-Retrogame!

Axiom Verge (Thomas Happ Games // für PC, PS4, PSVita)


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