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Games // Pony Island Übelster Trash zum edelsten Fachsimpeln

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht. Bunt, süß, lieb - das ist "Pony Island" alles nicht. Ganz im Gegenteil: Dieses Pony-Spiel ist der Vorhof zur Gaming-Hölle. Teufel inklusive.

Von: Franz Liebl

Stand: 18.01.2016

Eine zuckersüße Melodie, grasgrüne Hügel vor goldgelber Sonne, ein rosa Pony hüpft vergnügt durch seine Welt. Ich klicke "Start Game" und die Kamera fährt überraschenderweise zurück statt hinein. Ich sehe jetzt den Bildschirm, an dem ich sitze. Es ist ein schmutziger Röhrenbildschirm auf dem erneut ein Menü erscheint, diesmal grobpixelig. Ich klicke noch einmal "Start Game". Aber es passiert nichts. Geht nicht. Was ist hier los? Das Optionsmenü funktioniert. Unter zig Unterpunkten entdecke ich "Fix Start Menü". Absurd. Ich setze ein Häkchen dahinter, gehe zurück und klicke erneut "Start Game".

Ein Ladebalken erscheint, bleibt aber hängen. Ein Pixelhaufen in der unteren Ecke brizzelt. Ich klicke ihn und lande unter der Oberfläche des Games. Überall Nullen und Einsen und Programmiercode und ein Schlüssel, der sich durch den Code bewegt. Ich brauche eine Weile, bis ich kapiere: Das hier ist ein Verschieberätsel. Ich muss Pfeile so anordnen, dass der Schlüssel das Schloss erreicht. Simpel soweit. Geschafft, der Ladebalken bewegt sich weiter. Plötzlich spricht jemand mit mir: "You again?" Wer ich? "Welcome to Pony Island". Dann übelste Schwarz-Weiß-Pixeloptik aus der Gaming-Steinzeit. Ein Pony läuft automatisch von links nach rechts und hüpft über Hürden. Wo bin ich hier nur gelandet?   

"Pony Island" ist ein Scheißspiel!

Bald habe ich verstanden: Es ist ähnlich wie im Film "Tron". Ich bin in einem Spielautomaten gefangen und muss sehen, dass ich hier wieder rauskomme. In "Pony Island" ist der Teufel selbst am Werk und ich bin in seinem Limbus gefangen. Und seine Gaming-Höllenkreise sind zig Versionen von "Pony Island", die ich immer und immer wieder zocken muss. "Pony Island" ist ein Scheißspiel! Es ist furchtbar. Also das Game "Pony Island" im Game "Pony Island".  Aber ich muss es spielen, nur so finde ich die Lücken in der Abwehr des Systems.

"Pony Island" ist ein tolles Spiel!

Manchmal ist "Pony Island" wirklich eine Tortur. Aber ich habe die gut zwei Stunden durchgehalten und das die allermeiste Zeit mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Weil das hier abseitig ist, Konventionen bricht und provoziert. "Pony Island" verwirrt mich, überrascht mich, quält mich, triezt mich, lässt mich staunen, lachen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eine ganz wilde Nummer. Hier wird alles in Frage gestellt, was seit 40 Jahren gang und gäbe ist. "Pony Island" ist von der Machart her übelster Trash. Aber es ist ein Game, über das man danach die edelsten Gaming-Gespräche führen kann.

Pony Island (Daniel Mullins Games // für Mac, PC)


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