Jetzt Far, Far Away Whitney

Info Hinter Whitney verbirgt sich ein Projekt von Max Kakacek und Julien Ehrlich. Beide waren früher bei der Band Smith Westerns, Ehrlich eine Zeit lang auch bei Unknown Mortal Ochestra. "Far, Far Away" ist ein Wilco-Cover.

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Games // Firewatch Storytelling auf oberstem Level

Nur der Wald, seine Geräusche und ich. Keine Menschenseele in Sicht. Eine nette Frau am Funkgerät und eine mysteriöse Person zwischen den Bäumen. Das ist das Setting für ein paar sehr spannende Gaming-Stunden.

Von: Franz Liebl

Stand: 29.02.2016 | Archiv

Henry muss zur Ruhe kommen. Nachdenken, erst einmal raus aus seinem Leben, das so schön war - bis seine Frau mit Anfang 40 an Alzheimer erkrankt. Er ist der Situation nicht gewachsen, fängt an zu trinken. Trotzdem pflegt er seine Frau. Es klappt nicht. Seine Schwiegereltern nehmen ihre Tochter zu sich. Am Boden angekommen, sieht er eine Annonce in der Zeitung: Ein Job bei der Feuerwache im Nationalpark. Monatelang keine Menschenseele sehen. Eine Chance, sich neu zu finden. Da beginnt "Firewatch".

Wer ist die mysteriöse Person zwischen den Bäumen?

Gleich an meinem ersten Tag sehe ich ein verbotenes Feuerwerk über den Bäumen. "Geh da hin und regle das!", sagt Delilah zu mir über Funk. Sie ist meine Chefin und meine einzige Bezugsperson hier. Also gehe ich zu diesem idyllischen See im Wald. Zwei Teenagermädels schwimmen darin, nackt. Ich sage: "Ihr dürft kein Feuerwerk machen!" Sie beschimpfen mich als Spanner. Ich schnappe mir ihre Raketen und gehe wieder. Auf dem Rückweg treffe ich auf eine mysteriöse Person. Sie beobachtet mich aus der Ferne. Als ich näher komme, läuft sie davon. Weder die Mädels, noch die Person sehe ich die nächsten Tage wieder. Dann meldet sich Delilah über Funk: "Zwei Mädchen sind vermisst gemeldet."

Verfolgungswahn und Paranoia

Ab da ist es erst mal vorbei mit Henrys Selbstfindung. Die anfangs wunderschöne Natur wirkt immer bedrohlicher auf mich. Weil immer mehr unnatürliche Dinge passieren. Denke ich zumindest. Denn ich fange an, mir Sachen einzubilden. Der Schrei eines Elchs durch die Stille des Waldes geht mir durch Mark und Bein. Und das Schlimmste ist diese Einsamkeit. Ja, da ist Delilah, mit der ich ständig in Kontakt bin. Aber eigentlich bin ich alleine. Alleine in diesem Wald, in dem irgendetwas passiert, was mir nicht gefällt. Ich leide an Verfolgungswahn. Auch Delilah steigert sich immer mehr hinein. Paranoia. Da ist diese verschlossene Gittertür in der Höhle am Fluss. Sie wird immer unheimlicher, je öfter ich an ihr vorbeigehe. Ich glaube, dahinter verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Ich habe ja keine Ahnung.

Subtiler Thriller ohne plakative Klischees

Das ist ungefähr das Gefühl, das man beim Spielen von "Firewatch" hat. Und das ganz ohne Kämpfe, Crafting, Survival-Elemente oder Rätsel. Die Story ist hier alles. Die Dialoge mit Delilah sind toll geschrieben. Ich steuere konsequent auf den Höhepunkt des Games zu ohne ein einziges Klischee erlebt zu haben. Das ist Storytelling auf oberstem Level. "Firewatch" ist ein Thriller, der seine Spannung subtil aufbaut, aber an dessen Ende ich richtig mitgenommen war. Einfach großes Gaming.

Firewatch (Campo Santo // für Linux, Mac, PC, PS4)


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