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Film // Tangerine L.A. Merry fucking Christmas, Bitch!

Dass der Film "Tangerine L.A." komplett mit einem iPhone gedreht wurde, merkt man null. Dafür geht's storytechnisch ab: in der Anti-Weihnachtskomödie macht eine transsexuelle schwarze Prostituierte Jagd auf eine weiße Crackhure.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 09.07.2016 | Archiv

Tangerine L.A. | Bild: Kool Film

Stell dir vor, es ist Weihnachten und es liegt kein Schnee. Das klingt scheiße? Dann stell dir vor, es ist Weihnachten, du bist eine transsexuelle schwarze Prostituierte in L.A., die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und erfährt, dass ihr Freund und Zuhälter sie mit einer anderen betrogen hat. Das klingt richtig scheiße? Willkommen im Leben von Sin-Dee Rella.

Märchen klingen anders. Und deswegen schreibt sich Sin-Dee auch mit einem Sin wie Sünde. Sie ist die Hauptdarstellerin in "Tangerine L.A". Und sie ist stinksauer. Verständlicherweise. Denn sie wurde nicht nur betrogen, sie wurde mit einer Weißen betrogen, die noch dazu als biologisch komplett ausgestattete Frau auf die Welt kam.

Sin-Dee macht sich auf die Jagd nach diesem "fucking white fish". Ihre beste Freundin Alexandra hilft ihr. Aber nur unter der Bedingung, dass Sin-Dee kein Drama veranstaltet.

Aber weil Sin-Dee sich genauso wenig unter Kontrolle hat wie ihr loses Mundwerk, wird es natürlich wahnsinnig dramatisch. Nachdem Sin-Dee ihre Nebenbuhlerin aus einem illegalen Puff gezerrt hat, schleift sie die abgemagerte blonde Crackhure über den nicht ansatzweise glamourösen Sunset Boulevard und sucht jetzt wiederum ihren untreuen Freund Chester. Und dann setzt Sin-Dee nochmal eins drauf.

Das alles klingt unglaublich hektisch und ist es auch. Das alles klingt auch unglaublich deprimierend – ist es aber nicht. Denn "Tangerine L.A." ist unglaublich lustig. Das war auch die Bedingung von Kitana Kiki Rodriguez und Mya Taylor, den beiden transsexuellen Hauptdarstellerinnen. Beide waren früher selbst Sexarbeiterinnen und wollten, dass der Film das Leben von transsexuellen Minderheiten auf dem Straßenstrich von L.A. realistisch darstellt – dabei aber nicht belehrend ist, sondern die Tragikomik des Alltags einfängt.

Herausgekommen ist ein Lowbudget-Anti-Weihnachtsfilm, der mit Kontrasten kokettiert. Auf der einen Seite der ewige Sonnenschein von L.A., auf der anderen Seite die Menschen, die eben nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Auf der einen Seite die soziale Kälte, auf der anderen Seite die zwischenmenschliche Wärme. Klassikmusik geht in aggressive Clubmusik über und untermalt das ständige Wechselbad der Gefühle. Die Kamera, übrigens ein simples iPhone 5, klebt an den Hauptdarstellern und steht nie still. Mehr Nähe war nie. Mehr Innovation war nie. Und um nochmal auf die Kontraste zurückzukommen: Selten war ein so unglaublich kleiner Film so unglaublich groß.


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