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Fargo-Remake "Das Vertrauen der Coen-Brüder ist eine Ehre"

US-Sender verwandeln Hollywood-Blockbuster in Serien und lassen dabei Meisterwerke enstehen. Fargo ist eines davon. Noah Hawley, der Showrunner der Serie, hat uns erzählt, wie es sich mit dem Segen der Gebrüder Coen arbeitet.

Von: Christoph Gurk

Stand: 15.04.2015

Szene aus dem Film Fargo von 1997 | Bild: picture-alliance/dpa

Im Film "Fargo" erzählten die Coen-Brüder 1997 die Geschichte einer geplanten Entführung im tief verschneiten Norden der USA. Die Entführung endet in einem Blutbad, wird aber aufgeklärt von der schwangeren Polizistin Marge Gunderso02.11.2019 11:45n. "Fargo" gewann zwei Oscars und er gilt bis heute als Meilenstein der Filmgeschichte. 2014 verwandelte der US-Sender FX den Film in eine Serie. Sie trägt den gleichen Namen und spielt ebenfalls in der schneeverwehten, amerikanischen Provinz. Doch die Geschichte, die die Serie erzählt, ist neu. Genauso wie auch die Charaktere. "Fargo" gewann zwei Emmys und zwei Golden Globes, sie war eine der erfolgreichsten Serien-Neustarts im letzten Jahr. Der Autor und Regisseur Noah Hawley (48) ist der Showrunner von "Fargo". Für ihn war die Serie auch ein Risiko, wie er selbst sagt.

PULS: Du hast dir die Serie "Fargo" ausgedacht und auch geschrieben. Hattest du Angst, weil der Film so groß ist?

Noah Hawley: Ich wusste, dass es gefährlich werden würde, schließlich ist der Film etwas einzigartiges. Aber Angst hatte ich höchstens vor dem Sender. Was den Film "Fargo" für mich ausmacht, ist nämlich, dass es Nebenstränge gibt, die eigentlich gar nichts mit der Handlung zu tun haben und sie auch nicht voranbringen. Sie sind aber eben da. Und ich hatte Angst, dass der Sender solche Sachen rausschmeißt und sagt: "Wir machen da jetzt eine simple Polizist und Verbrecher-Story draus".

Hättest du dir denn die Serie auch ausgedacht, wenn der Sender zu dir gesagt hätte, dass du die gleichen Charaktere benutzen sollst und die gleiche Geschichte?

Nein. Der Film ist ein Meisterwerk, warum sollte man ihn mit neuen Schauspielern nochmal drehen? Man muss schon eine neue Geschichte erzählen. Wenn die Serie einfach nur die "Marge Gunderson-Show" hätte werden sollen, dann wäre das nichts für mich gewesen.

Aus den USA kommen gerade eine ganze Reihe von Serien, die Remakes, Reboots und Spin-Offs von Filmen und anderen Serien sind. Woher kommt dieser Trend? Und wieso macht man nicht einfach etwas neues?

Erstmal ist es natürlich so, dass Sender kommerzielle Unternehmen sind. Letztes Jahr gab es um die 500 Serien, die auf 52 Kanälen gelaufen sind - das ist zu viel! Die Shows, die sich da durchsetzen, sind die, die schon bekannt sind. Eine Serie wie unsere zu machen ist darum einfacher, wenn sie Fargo heißt, als wenn sie irgendeinen anderen Namen hat. Die Leute kennen den Namen, sie schauen sich die Serie wegen ihm an. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch mehr Freiheiten. Wenn ich meine eigene Show unter einem eigenen Namen gemacht hätte, hätte mir der Sender zum Beispiel nie erlaubt, eine zehnminütige Sequenz mit einer völlig neuen Geschichte zu machen, die nicht wirklich etwas mit der eigentlichen zu tun hat. Wenn man "Fargo" macht, ist das aber kein Problem.

Meinst du, dass man aus jedem Film eine Serie machen kann?

Nein. Ich glaube aber auch nicht, dass man das machen sollte. Die Leute sollten neue Geschichten erzählen statt sich nur auf alte zu konzentrieren. Aber es gibt Serien wie Hannibal, die Filme nicht nur imitieren, sondern sogar etwas Einzigartiges und Neues kreieren. Das ist etwas ganz anderes als wenn man sagt: Nimm einen Film und hack ihn runter auf 22 Episoden.

Weißt du noch, wie oft du dir den Film "Fargo" angesehen hast, während du die Serie geschrieben hast?

Ich weiß gar nicht, ob ich ihn mir überhaupt währenddessen angesehen habe. Der einzige Weg das zu machen, war für mich nicht den Film zu studieren und zu imitieren. Ich habe ihn stattdessen als Startpunkt gesehen. In meinem Kopf hatte ich das Bild von zwei Männern in einer Notaufnahme: Der eine sehr zivilisiert, der andere das genaue Gegenteil. Wer sie waren und was die Konsequenz ihres Treffens war, war für mich ein interessantes Szenario, das nach Coen-Brüdern klang.

Es gab vor etwa 15 Jahren schon einen Versuch "Fargo" als Serie zu verfilmen. Der Pilot floppte aber fürchterlich. Du hast Preise gewonnen und die Serie war letztes Jahr eine der erfolgreichsten Starts im US-Fernsehen. Was habt ihr anders gemacht?

Die Macher wollten damals eine Imitation. Im Vergleich mit dem Film musste sie aber blass aussehen. Ich weiß, dass ich nie etwas besseres machen werde als den Fargo-Film. Darum mache ich etwas anderes. Und hoffentlich stehen die Serie und der Film mal auf dem gleichen Regal in der Videothek.

Die Coen-Brüder sind die Produzenten der Serie. Ist das wichtig für dich?

Natürlich! Ihr Segen ist ein Höhepunkt meiner Karriere. Die Tatsache, dass sie so positiv dem allen gegenüber waren und gesagt haben: "Weißt du, das ist nicht unser Medium. Mach dein Ding" - das hat mir unglaubliche Freiheit gegeben. Ihr Vertrauen war eine Ehre.

Gibt es einen Film, den du gerne als Serie sehen würdest?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. "Being John Malcovich" vielleicht? Das wäre doch super!


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