TV & Serie // Die Dinos Nicht die Mama!

Vor 20 Jahren haben "Die Dinos" das Kinderprogramm regiert - obwohl die Hälfte der bissigen Pointen wohl an Kindern vorbeigeht. Jetzt gibt es die Serie auf DVD und wir sehen uns "Die Dinos" aus einer erwachsenen Perspektive an.

Von: Christian Alt

Stand: 03.12.2014

Serie Die Dinos | Bild: Capelight Pictures

Sie sind majestätisch, haben riesige, messerscharfe Reißzähne und sind die Krone der Schöpfung. Sie regieren in einer Zeit, die heute schrecklich weit weg scheint: Die 90er. Aber jetzt sind "Die Dinos" wieder da. Allein schon von der Titelmusik werde ich direkt in meine Kindheit zurückgebeamt, mit Kuscheldecke und warmem Kakao in der Hand. "Die Dinos" liefen vor zwanzig Jahren im deutschen Fernsehen und sind - um mal einen arg überstrapazierten Begriff zu benutzen - Kult.

Prähistorische Pointen

Das Konzept der "Dinos" war einfach: Man nimmt eine normale Familien-Sitcom wie "Alle unter einem Dach" und ersetzt alle Figuren durch Dinosaurier. Mehr nicht. Echte Schauspieler steckten in riesigen, ventilatorgekühlten Gummikostümen und verkörperten die Familie Sinclair, eine ganz normale Dino-Familie vor mehr als 60 Millionen Jahren. Mit Vater Earl, Mutter Fran, den Teenagern Robbie und Charlene und - natürlich - dem nervigen Baby. Was dabei rauskommt, ist eine der klügsten und abgedrehtesten Sitcoms aller Zeiten. Das prähistorische Setting wird zur perfekten Startrampe für absurden Humor. Zum Beispiel wenn die Dinos ihr Baby vom Oberältesten taufen lassen wollen - blöd, wenn der gerade einen Herzanfall hat und das Kind plötzlich "Ah, ah! Ich sterbe, du Idiot!" heißt. Solche absurden Szenen sind auch heute, zwanzig Jahre später, noch unglaublich komisch.

Dabei ist die Serie viel mehr als ein Feuerwerk aus Gaga-Pointen. Unter der Oberfläche ist die Dino-Familie Sinclair ein satirisches Abziehbild der amerikanischen Konsumgesellschaft: Die Rollenbilder sind absichtlich festgefahren, um zu zeigen, dass sich in den letzten 60 Millionen Jahren eben doch nichts geändert hat. Die Dinos glotzen den ganzen Tag Fernsehen, es läuft Dino-MTV, der Nachrichtensender DNN oder Dauerwerbesendungen. Von Staffel zu Staffel wurde der Ton schärfer und die Dinos gehen stellenweise deutlich weiter als die Simpsons. Das Serienfinale gilt als eines der zynischsten der Seriengeschichte. Der Grund dafür: Die Serienschöpfer waren sauer, dass sie wegen fehlender Quoten abgesetzt wurden und wandten sich offensiv gegen das eigene Publikum.

Übersetzung toppt das Original

Vor allem die hervorragende Übersetzung hat in Deutschland sehr zum Kultstatus der Serie beigetragen: Jeder kleinste Bildschirmtext ist kreativ neu übersetzt und oft sogar lustiger als im Original. Während die Simpsons von Jahr zu Jahr schlechter werden, sind die Dinos nach nur vier Staffeln ausgestorben. Vielleicht ist das besser so, denn so passt der komplette Dino-Wahnsinn, die Genialität und Abgedrehtheit dieser Serie in nur eine DVD-Box.