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Deichkind & Co Was Bands mit Streaming wirklich verdienen

Anstatt CDs oder Platten zu kaufen, streamen wir Songs kostenlos aus einer riesigen Musik-Datenbank. Aber: Was bleibt dabei finanziell bei den Künstlern hängen? Wir haben mit zwei Bands Klartext über ihre Zahlen gesprochen.

Von: Michael Bartlewski, Katrin Focke, Frank Seibert

Stand: 03.03.2016

Deichkind | Bild: Allgäu Concerts

In den vergangenen Monaten haben sich große Künstler wie Adele oder Taylor Swift sehr kritisch gegenüber Streaming-Angeboten geäußert. Vor allem gegen solche, die Songs auch zum kostenlosen Hören anbieten – wie Spotify, das dafür immer wieder kurze Werbeclips zwischen die Lieder packt. Auf der einen Seite würde das den Wert von Musik senken, meinen die Künstler. Zum anderen würden die einzelnen Musiker nichts daran verdienen. Erst im Oktober vergangenen Jahres twitterte James Blunt:

"I get paid £00.0004499368 per stream. Beers are on me! Cheers @Spotify."

James Blunt

Auch Spotify macht Verluste

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Viele glauben, die Musiker würden nur deshalb so wenig am Streaming verdienen, weil die Anbieter sie schlicht nicht ausreichend an den Einnahmen beteiligen. Aber: ganz so einfach ist es nicht. Spotify gibt nach eigenen Angaben immerhin 70 Prozent seiner Einkünfte weiter. Und damit macht das Unternehmen im Moment selbst noch Verluste. Das Problem: Die Abo-Einnahmen beim Streaming sind bisher insgesamt recht gering - die Einnahmen durch die Werbeclips, die der Mehrheit der User zwischen den Songs vorgespielt werden, können das nicht abfedern.

Philipp aka Kryptik Joe von der Band Deichkind sagt, dass sie mit ihrer letzten Platte "Befehl von ganz unten" quasi nichts mit Streaming verdient hätten. "Nur etwa 800 Euro im Jahr". Das Album ist 2012 erschienen. Klar, damals gab es auch wesentlich weniger User. Aber die geringen Einnahmen haben noch einen anderen Grund: Spotify zahlt die Einnahmen nicht an die Bands direkt, sondern an die Labels, bei denen sie unter Vertrag stehen. Wie viel die Plattenfirmen an die Künstler weitergeben, ist in ihrem Vertrag geregelt. Bei Deichkind waren das rund 25 Prozent - ein normaler Deal in der Branche. Inzwischen haben Deichkind ein eigenes Label gegründet. Dadurch steht kein weiteres Unternehmen mehr zwischen ihnen und den Streaming-Anbietern. Mit dem eigenen Label sind die Einnahmen deshalb deutlich gestiegen, meint Phillip. Aber eben auch, weil heute immer mehr Leute Streaming-Plattformen nutzen.

Ein Blick in die Abrechnung

Aber wie geht es verhältnismäßig kleinen Indie-Bands? Was verdienen die an einem Stream? Die Münchner Band Blackout Problems gibt einen Einblick in ihre Einnahmen. Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd: In einem Quartal kommen sie gerade mal auf 300 Euro, also nur etwa 100 Euro pro Monat. In der Einzelaufstellung wird klar, wie wenig hängen bleibt: Mit rund 900 Plays des Songs "Home" in einem Monat verdienen sie 2,80 Euro. Pro Play sind das nur 0,0031 Euro. Weil sie - wie auch Deichkind – keinem Label unterstehen, bekommen sie das Geld direkt von Spotify. Nur die Vertriebskosten muss die Band noch selbst zahlen – aber die sind beim Streaming recht gering.

Gerade hat die Band ein neues Album aufgenommen - und alles selbst bezahlt. Angenommen, ihr Album hat rund 20.000 Euro gekostet, ein Schätzwertwert für ein Studioalbum, an dem die Blackout Problems zwei Jahre gewerkelt haben – sie bräuchten über 6 Millionen Streams, um das wieder rein zu bekommen.

Kein Aufstand, nur wenig Kritik

Trotz der immer noch sehr niedrigen Einnahmen: Sowohl Deichkind, als auch die Blackout Problems sehen Streaming nicht besonders kritisch: "Man könnte sich mega darüber aufregen, dass man so wenig Kohle bekommt", meint die Münchner Band. "Man könnte aber auch sagen: Es ist immer noch mehr, als wenn sich die Leute alles gratis downloaden." Man muss sich damit abfinden und das Beste daraus machen, sagt Philipp von Deichkind.

In dieser Haltung steckt wohl auch eine Hoffnung. Die Hoffnung, dass sich der Streaming-Markt weiter entwickelt – und damit bald noch mehr Einnahmen in die Kassen der Bands spült. Sicher ist das aber nicht.


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