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Berlinale 2017 5 Filme und Serien, die ihr nicht verpassen dürft

Knapp 400 Filme und immerhin 5 Serien wurden dieses Jahr auf der Berlinale gezeigt. Diese fünf handverlesenen Tipps lohnen sich auf jeden Fall. Und Überraschung: eine deutsche Serie ist auch dabei.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 20.02.2017 | Archiv

Filmtipp #1: "Tiger Girl" von Jakob Lass (ab 06.04. im Kino)

Seit 2013 gilt Jakob Lass als der Revolutionär des deutschen Kinos. Damals hat der gebürtige Münchner mit seinem Film "Love Steaks" auf allen möglichen Festivals Preise abgeräumt und die sogenannte FOGMA-Bewegung propagiert: Improvisation statt klassischem Drehbuch. Die zwei Hauptdarstellerinnen in Lass' neuem Film "Tiger Girl" haben sich in ihre Rollen also einfach fallen lassen – und die werden immer drastischer, weil die beiden selbsternannten Rrriot Girls aus Spaß an der Freude saufend, gröhlend und prügelnd durch die Berliner Straßen ziehen. Sie haben weder Bock auf das System, noch auf Männer. "Tiger Girl" passt in keine Schublade und ist im besten Sinne irre undeutsch.

Filmtipp #2: "I am not your negro" von Raoul Peck (ab 30.03. im Kino)

Zu einem der wichtigsten Filme der diesjährigen Berlinale zählt definitiv die Dokumentation "I am not your negro". Regisseur Raoul Peck widmet sich in der 93-minütigen Doku dem Schriftsteller James Baldwin, einem der bedeutendsten afro-amerikanischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Eins seiner Hauptthemen war Rassismus - und genau das ist auch das Thema von "I am not your negro".

Basis der Doku ist der letzte, bisher unveröffentlichte Text des 1987 verstorbenen Baldwin. Der wird vorgetragen von Filmstar Samuel L. Jackson und dazu werden Fotos, Videos, Interviewsequenzen und jede Menge anderes Archivmaterial gezeigt. All das illustriert, wie schwarze Amerikaner früher diskriminiert wurden – schlägt aber auch die Brücke zur heutigen Lage. Heißt: Der Text ist zwar alt, aber immer noch brandaktuell. Deswegen sieht man in der Doku unter anderem auch Aufnahmen von den Black Lives Matters-Protesten.

Bei der Berlinale gab es für "I am not your negro" zwar keinen offiziellen Jurypreis, dafür aber den Publikumspreis für den besten dokumentarischen Beitrag. Für den Oscar ist die Doku ebenfalls nominiert. Ob der Film gewinnt oder nicht – ansehen sollte man ihn unbedingt.

Filmtipp #3: "Butterfly Kisses" von Rafael Kapelinski (noch kein deutscher Starttermin)

Wimpern, die auf- und abgeschlagen werden und dabei die Haut eines anderen berühren: das sind "Butterfly Kisses", die wahrscheinlich unschuldigste Kussart überhaupt. Unschuldig wirkt auch Jake, die Hauptfigur in dem britischen Coming-of-Age-Drama "Butterfly Kisses". Während seine Schulfreunde Pornos schauen, ihre Freundinnen betrügen, sich zudröhnen oder prügeln, versucht Jake, sich aus dem Gröbsten rauszuhalten. Aber Jake ist nicht einfach nur schüchtern: Er versucht, mit einem Geheimnis klarzukommen, das er niemandem anvertrauen kann.

Das in Schwarz-Weiß gedrehte Spielfilmdebüt des polnischen Regisseurs Rafael Kapelinski wird größtenteils sehr ruhig, fast traumwandlerisch erzählt. Erst zum Schluss eskaliert die Situation und die Welt von Jake und seinen Freunden steht Kopf. Bei der Berlinale hat "Butterfly Kisses" einen Gläsernen Bären für den Besten Film in der Jugendsektion "Generation 14plus" bekommen. Verdient.

Serientipp #1: "4 Blocks" (ab 08. Mai auf TNT Serie)

Nochmal Berlin, nochmal Gewalt. Diesmal im Serienformat. "4 Blocks" ist eine Produktion vom Pay-TV-Sender TNT Serie, die im Gangster-Milieu von Berlin spielt. In den sechs je einstündigen Folgen geht es um einen arabischen Familienclan, der Neukölln kontrolliert - und am Auseinanderbrechen ist. Denn zum einen gibt's Konflikte innerhalb des Clans, zum anderen ist da ein rivalisierender Motorrad-Clan, der Probleme macht. Und einen Polizeispitzel, der sie alle hochnehmen will, gibt’s auch noch.

Neben professionellen Schauspielern wie Frederick Lau oder Kida Khodr Ramadan spielen in "4 Blocks" sehr viele Laiendarsteller mit, die in Neukölln groß geworden sind. Einer von ihnen ist der Berliner Rapper Veysel, der wegen Körperverletzung mit Todesfolge drei Jahre im Knast saß. Der Realness-Faktor von "4 Blocks" ist also recht hoch, Neukölln ist ja auch bekannt für seine Clan-Kriminalität. Regisseur Marvin Kren betont zwar, dass er keine Doku, sondern eine Mafiaserie gemacht hat, aber die ist ihm – ausgehend von den ersten beiden Episoden, die auf der Berlinale gezeigt wurden – ziemlich gut gelungen.

Serientipp #2: "Patriot" (ab 23. Februar auf amazon Prime)

Auch von "Patriot" wurden auf der Berlinale die ersten beiden Folgen gezeigt. In der Eigenproduktion von amazon geht es um einen Undercover-Agenten, der seit einer nicht ganz glücklich verlaufenen Mission unter posttraumatischen Störungen leidet. Seine Gefühle – aber blöderweise auch streng geheime Details zu seinen Aufträgen – packt er seitdem in Folksongs. Das klingt nicht nur komisch, das ist auch komisch. Und ziemlich intelligent obendrein. Geschrieben wurde "Patriot" ja auch von Steve Conrad, der unter anderem die wunderbar melancholische Ben-Stiller-Komödie "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" geschrieben hat. Wer das mag, der dürfte mit "Patriot" seinen Spaß haben. Übrigens spielt auch Terry O'Quinn mit, den viele wahrscheinlich noch als John Locke aus der Mystery-Serie "Lost" kennen.