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Interview // Regisseur Aljoscha Pause "Götzes Geschichte hat alles, was ein interessanter Film braucht"

Aljoscha Pause ist Regisseur und hat einen Film gedreht, der sich ausschließlich damit beschäftigt, wie es ist, Mario Götze zu sein: "Being Mario Götze". Zugegeben: Wir waren skeptisch - und wurden positiv überrascht.

Von: Laury Reichart

Stand: 18.10.2018 | Archiv

Regisseur Aljoscha Pause  | Bild: Pressefotos Doku "Being Mario Götze" / Robert Schramm

PULS: Mario Götze wirkt von außen betrachtet oft beinahe austauschbar und ein bisschen langweilig. Wie bist du auf die Idee gekommen, ausgerechnet über ihn eine Dokumentation zu drehen?

Aljoscha Pause: Ehrlich gesagt hatte Götzes Geschichte für mich von Anfang an alles, was ein interessanter Film braucht. Dieses Spannungsfeld zwischen dem großen, vielversprechenden Jahrhunderttalent inklusive WM-Tor auf der einen Seite, und den Rückschlägen und Krisen auf der anderen Seite. Außerdem kann man an seiner Geschichte auch sehr gut bestimmte generelle Fußballthemen auf der Meta-Ebene diskutieren.

Welche Themen sind das zum Beispiel?

An Mario Götzes Karriere lassen sich tatsächlich fast alle Fragen von Kommerzialisierung, öffentlicher Erwartungshaltung, Leistungsdenken und auch einer gewissen Heldenverehrung festmachen. Ich denke das funktioniert bei ihm so gut, weil er das alles einfach durchlebt hat.

In dem Film wirkt Götze ganz anders, als die Öffentlichkeit ihn normalerweise einschätzt: redegewandt, intelligent, reflektiert… Wie hast du es geschafft, hinter die Fassade von Mario Götze zu kommen?

Als ich mit diesem Projekt begonnen habe, kannte ich Mario Götze, wie die meisten, nur aus dem Fernsehen. Als ich ihn dann zum ersten Mal getroffen habe, gab es für mich einen "Aha-Moment". So ganz ohne Kamera saß mir dann plötzlich ein ganz lockerer und offener Mensch gegenüber.

Mario hatte von Anfang an Lust auf das Projekt, schaut selbst viele Sportlerdokus und war deshalb einfach an dem Thema interessiert. Mir war es wichtig, ganz frei und ohne Einfluss von außen arbeiten zu können, was er direkt akzeptiert hat. Wir haben dann ziemlich schnell ein gewisses Vertrauen zueinander aufgebaut, was für so eine Zusammenarbeit einfach wichtig ist.


Glaubst du, die Medien sind mit dafür verantwortlich, dass es in den letzten Monaten so ein Drama um Götze gab?

Natürlich sind die Medien so strukturiert, dass sie gnadenlos zuspitzen. Das kennen wir aus allen Bereichen, z.B. in der Politik. Im Fußball ist es aber schon extrem und Drama verkauft sich eben besser.

Ein Stück weit müssen wir aber alle ein bisschen damit leben. Der Mensch verurteilt und bewertet eben gerne andere Menschen. Das scheint ein psychologisches Grundprinzip zu sein, das in Zeiten von Social Media immer noch weiter verstärkt wird.

Denkst du, dass "Being Mario Götze" dazu beitragen kann, dass die Öffentlichkeit ihn künftig nicht mehr als austauschbaren Fußballer mit Instagram-Profil, sondern als sensiblen und fragilen jungen Mann wahrnimmt?

Ich hoffe es jedenfalls. Für mich geht es ja immer darum, mehr Nachvollziehbarkeit zu schaffen und dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, sich in den Protagonisten wirklich hineinzuversetzen. Es geht darum, tatsächlich zu verstehen, was es wirklich heißt, Mario Götze zu sein. Daher der Titel.

"Being Mario Götze" läuft ab 18. Oktober 2018 in den deutschen Kinos oder auf DAZN.

Sendung: Hochfahren, 18.10.2018 - ab 7.00 Uhr