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TV & Serie //American Gods Erst lesen, dann schauen

Das Buch "American Gods" von Neil Gaiman galt lange als unverfilmbar. Zu komplex war die Story für normale Filmlänge. Jetzt kommt die Serie - und die ist richtig harte Kost.

Von: Christian Alt

Stand: 02.05.2017

Mr. Wednesday redet mit Shadow | Bild: 2016 Starz Entertainment LLC

Ich habe jetzt vier Folgen von "American Gods" gesehen. Und wenn ich das Buch nicht gelesen hätte, dann hätte ich keine Ahnung, worum es geht. So verspult, so kompliziert, so herausfordernd ist die Serie. Sie ist die Free-Jazz-Variante einer Adaption, die Verfilmung der Träume, die man hat, wenn man Neil Gaimans gleichnamigen Roman liest.

Der Roman ist viel weniger abgedreht – er erzählt zwar eine komplexe, aber leicht zu verstehende Geschichte. Die Hauptfigur ist Shadow, ein Ex-Knacki. Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, muss er feststellen, dass seine Frau gerade gestorben ist. Und der Job, der ihm zugesichert wurde, der ist auch weg. Gut, dass Shadow im Flugzeug einen schrulligen Typ trifft – Mr. Wednesday. Der macht ihm ein Job-Angebot.

Gott ist, woran du glaubst

Mr. Wednesday ist seltsam, weird, erzeugt ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Aber Shadow lässt sich wegen fehlender Alternativen dann doch auf den Deal ein. Shadow wird sein Bodyguard. Die beiden machen sich auf zu einer Reise durch die USA, um alte Kollegen von Wednesday zu treffen. Einen russischen Schlächter zum Beispiel. Oder einen Zuhälter. Die Bekanntschaften von Mr. Wednesday sind schon merkwürdig genug, aber dann begehrt die Technologie um ihn herum gegen ihn auf. Fernseher sprechen mit Shadow und er wird von einer vollverstrahlten Digitalfigur entführt.

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Die Geschichte, die Neil Gaiman in seinem Roman erzählt, ist die eines Kampfes zwischen alten und neuen Göttern. Zu den alten zählen Wednesday und seine Kumpels. Sie alle sind irgendwann in die USA eingewandert, jeder Immigrant hat seinen eigenen Gott mitgebracht. Aber die alten Götter werden verdrängt von den neuen: Handys, Fernseher, Globalisierung. Alles, womit sich Menschen beschäftigen, ihre Aufmerksamkeit schenken, das kann sich materialisieren und zum Gott werden.

Kunst-Fernsehen für Kenner und Könner

Bryan Fuller, der auch schon für die genial inszenierte Serie "Hannibal" verantwortlich war, macht aus diesem Kampf der Götter ein irres Spektakel. Wer das Buch und seine Figuren nicht kennt, der checkt nix. Oft erinnert "American Gods" an eine Oper – fast jede Szene ist mit drängender Musik untermalt, geredet wird nicht viel, dafür umso intensiver geschaut, gewerkelt und gemacht. Was genau passiert, weiß man oft nicht, aber dafür sieht es megageil aus. "American Gods" hat mehr geile Bilder als zehn andere Serien zusammen. Ob man so ein Kunst-TV mag, ist Typfrage.

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"American Gods" hätte das nächste "Game of Thrones" sein können. Eine einfach erzählte, epische Serie. Aber was Fuller hier abliefert, ist viel mehr als das. Fuller geht an die Grenzen dessen, was erzählbar ist, verwirrt uns, schafft Kunst auf dem kleinen Bildschirm. Wer wissen will, wie weit Fernsehen gehen kann, der schaut hier rein. Aber erst, wenn er das Buch gelesen hat.

"American Gods" läuft ab dem 1. Mai auf Amazon Prime. Neue Folgen gibt es immer montags.

 Sendung: Hochfahren, 03.05.2017 ab 7 Uhr