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Zehn Jahre YouTube Von Nippelgate bis Biebergate

Ohne Nippelgate hätte es YouTube wohl nie gegeben. Jawed Karim wollte eine Plattform, auf der man Videos findet, über die gerade alle reden. Die Idee ist aufgegangen. Aber nach zehn Jahren sind wir noch lange nicht angekommen.

Von: Christian Alt

Stand: 21.04.2015

YouTube schlüpft aus dem Ei | Bild: BR

"Ich will diesen verdammten Nippel sehen!" Das dachte sich Jawed Karim im Februar 2004. Nicht mal eine ganze Sekunde lang war eine Brustwarze von Janet Jackson während der Halbzeitshow des Superbowl im US-TV zu sehen. Nipplegate war geboren, die ganzen USA diskutierten darüber. Aber was macht man, wenn man in der entscheidenden Sekunde kurz Bier holen war? Jawed Karim wollte dieses Problem lösen und entwickelte mit zwei Freunden das Konzept für YouTube: Eine Plattform, auf die man Videos hochladen kann, über die alle gerade reden. Nippel aller Länder, vereinigt euch!

Ein Jahr nach Nipplegate ging YouTube dann an den Start und entwickelte sich in kürzerer Zeit zur absoluten Sensation. Die Seite machte genau das, wofür sie erfunden wurde: Sie wurde zum Sammelbecken für kurze Videoschnipsel, vor allem Songs und Sketche aus dem Fernsehen. YouTube ist die richtige Idee zur richtigen Zeit. Auch andere Videoplattformen sprießen damals aus dem Boden, aber keine ist so leicht zu bedienen und so zuverlässig wie YouTube.

Nur anderthalb Jahre später, im Oktober 2006, wird YouTube von Google gekauft, für astronomische 1,65 Milliarden Dollar. Angekündigt wird das - wie sollte es auch anders sein - über ein YouTube-Video. Von diesem Punkt entwickelt sich YouTube in verschiedene Richtungen. Zum einen wird die Plattform zum Weltbewegtbildarchiv. Hier gibt es alles, von Wutreden über ganz schlimme Homevideos bis zu Actionvideos aller Art.

Zum anderen wird YouTube zu einem eigenen sozialen Netzwerk. Über Videoblogs und Tutorials entstehen Inhalte, die extra für die Plattform gemacht sind, YouTube wird immer mehr seinem Namen gerecht: You tube, du sendest. Dachten früher noch alle, YouTuber wären bleiche Kellerkinder, die in ihre Webcam stottern, sind sie heute Stars. Aus YouTube wurde eine eigene Subkultur, mit eigenen Stars und Regeln. Beispiel: Sami Slimani.

Sami ist einer der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands. Mit seinen Videos erreicht er ein Millionenpublikum, seine Fans, die Saminators, verehren ihn wie einen Popstar. Dabei macht Slimani gar keine Musik, sondern "nur" Beauty- und Schminkvideos auf YouTube. Aber auch echte Popstars hat YouTube geboren - oder  wie viele das sagen würden: verbrochen. Justin Bieber wurde als schmächtiger Teenager auf YouTube entdeckt. Aus dem Knirps wurde erst ein Star und dann ein Riesenarschloch, das glaubt, dass Anne Frank heute auch ein Bieber-Fan wäre, oder in einem Restaurant in einen Putzeimer pinkelt und meint, der Welt damit einen Gefallen zu tun. Anders als bei Janet Jackson damals findet man diese "Höhepunkte" in Biebers Karriere natürlich sofort auf YouTube. In zehn Jahren vom Nipplegate zu Biebergate. Oder wie es Komikerin Natasha Leggero auf YouTube sagt: Seems like only yesterday that you were discovered on YouTube. Time flies, when you’re a piece of shit.


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