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Familienchats aus der Hölle „Opa hat Krebs“- „WTF?“

Ob Newsfeed oder Chats mit Freunden und Kollegen - wir sind up to date. Neuerdings machen sich aber auch Leute in der Internet-Komfortzone breit, die wir da gar nicht haben wollen: Verwandte. Und Familien-Chats nerven wie Hölle.

Von: Lisa Altmeier

Stand: 24.02.2015

Vor einem halben Jahr hat meine Mutter mich zu einer neuen WhatsApp-Gruppe hinzugefügt. Sie heißt: Unsere Familie. Dank dieses Familientickers bin ich jetzt Teil einer schönen neuen Familienwelt. Ich kann mich rund um die Uhr mit meinen Liebsten austauschen, auch wenn sie hunderte von Kilometern entfernt leben. Toll!

Mutter: Warum siehts im Wohnzimmer schon wieder aus wie Sau?!!!
Vater: Wo ist mein Autoschlüssel? *verwunderter Smiley*
kleiner Bruder: Wer von euch hat mein Eis gegessen? Hasse euch alle so sehr! *wütender Smiley*
Mutter: Warum antwortet niemand? Ich sehe genau, dass ihr meine Nachricht gelesen habt!

Aber will ich das alles überhaupt? Warum noch mal bin ich gleich nach dem Abitur zu Hause ausgezogen und habe mir ein neues Leben in einer anderen Stadt aufgebaut? Bestimmt nicht, damit ich heute stündlich per Familienticker über all die Nichtigkeiten informiert werde, vor denen damals geflohen  bin!

Schwester: Guckt mal, neue Hose gekauft *Fotoanhang*
Großer Bruder: OMG Da drin siehst du noch fetter aus als sonst
Mutter: Mensch, Kinder, muss das sein?
Großer Bruder: FYI, meine neue Freundin *Fotoanhang*
Schwester: Nice! Aber die Arme tut mir jetzt schon leid! *Beschämter Afffensmiley*

Lange Zeit war ich sehr naiv. Ich dachte, das Internet würde nur unsere Definition von "Freundschaft" verändern. Ich dachte, dass meine Eltern sich bei Facebook angemeldet haben, ändert nichts, weil ich dort ja nichts mit ihnen zu tun haben muss.

Heute weiß ich, dass das Internet auch die Familie verändert. Und zwar nicht nur meine. Meine Freunde haben Familienticker, in denen Mütter stündlich ein "Bussi" schicken, Väter Hilfe bei der Bedienung von Word anfordern und Geschwister sich virtuell bekriegen. Und du selbst stehst unfreiwillig mittendrin in diesem virtuellen Familien-Chaos, von dem du früher nur an Weihnachten umgeben warst. Am schlimmsten aber ist: Der Todesticker.

Nahezu jeder in meinem Alter hat mindestens eine Oma oder einen Opa, die im Sterben liegen. Früher hätte man sich vielleicht gegenseitig am Telefon darüber informiert, wie es Opa geht. Heute aber gibt es ja WhatsApp.

Mutter: Sch... Opa Wilhelm im KH. Haben in Magen Tumor gefunden, der so groß wie Tennisball.
Bruder: WTF? Wie geht es Opa jetzt?
Mutter: Not-OP. Kann grad nicht schreiben. Meld mich gl.

Zwei Stunden später:

Mutter: Opa lebt!
Schwester: Yay!! Geil!
Ich: Findet ihr das nicht etwas unpassend, solche Infos per WhatsApp rauszuhauen, Leute? Was, wenn Opa jetzt tot wäre? Würdet ihr dann schreiben „Ups, Opa tot, Mist“?
Alle: Mensch, Lisa, ey, immer am Motzen!  Freu dich doch lieber mal, dass Opa lebt!
Ich: Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!


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Lisa Altmeier, Mittwoch, 25.Februar, 16:13 Uhr

2. ENTTARNT!

Hallo lieber Matze,

ich bin Lisa, die Autorin des Beitrags. Natürlich kläre ich dich gerne auf:

1. Diese Glosse beruht auf wahren Erlebnissen von mir und Menschen aus meiner Umgebung (aus Persönlichkeitsschutzgründen leicht fiktionalisiert). In dem Text haben sich laut der sonstigen Rückmeldungen zb per Facebook relativ viele Leute wiedererkannt. Ja, Familienticker funktionieren tatsächlich so oder so ähnlich, siehe die Screenshots von oben.

2. ENTTARNT, es steckt ein Hauch Ironie drin (gut erkannt!) und ich hab die Sache bisschen überspitzt. Ist mein Stil. Gefällt nicht jedem. Deutet allerdings nicht darauf hin, dass ich lieber bei Buzzfeed arbeiten würde. Ich mag Puls sehr gerne.

3. Um die wichtigste Frage zu beantworten: Ich trage weder Latzhose noch Schnurrbart.

Ich hoffe, damit sind alle deine Fragen beantwortet. Falls du noch weitere Kritik zu dieser Glosse äußern möchtest, kannst du dich gerne hier oder per Twitter (@weltanschauer) bei mir melden.

Matze, Dienstag, 24.Februar, 23:15 Uhr

1.

Es gibt 3 Möglichkeiten:
A) Dieser Schüleraufsatz ist komplett erstunken und erlogen. Keiner in der Redaktion hat das gegengelesen. (unwahrscheinlich)
B) Irgendein armes BR-Volonariats- oder Praktikaten-Huscherl veröffentlicht hier tatsächlich privateste Familienkommunikation unter echtem Namen. (würde mich nicht wundern, aber unwahrscheinlich)
C) Das hier ist als ironischer Beitrag der latzhosentragenden Redakteure mit ausgedrucktem Brooklyn-Schnurrbart gedacht: VOLL IRONISCH (Das ist tatsächlich die schlimmste und gleichzeitig wahrscheinlichste Option: "Hey - als ich damals live vom Kirchentag berichtet habe, gabs auch so einen ähnlichen Anruf von meiner Mutter. Lass uns ne Glosse daraus machen! Vielleicht geht das ja viral!!!!)
Puls: Wenn ihr mal ausnamsweise versuchen würdet, nicht das nächste Buzzfeed zu werden, könnte es evtl. auch funktionieren. (meine Hoffnung ist sehr klein). Fuck. Nein. Vergesst das eben bitte. Es wird niemals funktionieren. Das wisst ihr sicher auch :-)