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Überweisungen mit WhatsApp und Co. Siri ist jetzt Bankkauffrau

Seit dem Update auf iOS 10 kann Siri auch Geld überweisen. Apple feiert sich dafür selbst ein bisschen. Dabei ist die Idee nicht neu, abseits der gängigen Apps etablierter Banken mit dem Smartphone zu zahlen. Aber ist das auch sicher?

Von: Julia Fedlmeier

Stand: 15.09.2016

Eine Sim-Card | Bild: BR

Seit dem Update auf iOS 10 sollte Siri Befehle wie diese verstehen: "Hey Siri. Sende bitte die Nachricht ‚Komme heute später nach Hause‘ an Agnes mit WhatsApp."

Denn Apps von Drittanbietern, in diesem Fall also von WhatsApp, sind für Siri nicht mehr tabu. Die Möglichkeit, möglichst wenig ins Smartphone eintippen zu müssen, bieten auch Fintech-Apps (kurz für Finanztechnik). Deswegen ermöglichen sie neuerdings Überweisungsaufträge durch Spracheingabe.

Ganz ohne Tastatur geht's nicht

In Deutschland funktioniert das bisher nur mit der App der Online-Bank N26. Aber nur dann, wenn man dort ein Girokonto hat. Siri sendet nach dem Befehl "Hey Siri. Sende 8 Euro an Agnes mit N26" direkt 8 Euro an das N26-Konto von Agnes. Hat Agnes kein N26-Konto, bekommt sie eine SMS mit einem Link, wo sie ihre Bankdaten eingeben muss. Ganz ohne die Smartphone-Tastatur funktioniert’s also doch nicht.

Auch wenn sich Apple gerne als Vorreiter im Smartphone-Geschäft sieht: Die Idee, Überweisungen mit Onlinebanking-Apps zu machen, die nicht von der eigenen Bank angeboten werden, ist nicht neu. Schon seit Ende 2014 kann man in den USA mit der Snapcash-Funktion von Snapchat bezahlen.

Im Chatfenster mit der Person, die das Geld bekommen soll, wird ein Cashtag eingegeben – also der Betrag mit einem Dollarzeichen davor. Snapchat erkennt die Cashtags automatisch und zeigt einen Button an, über den das Geld mit dem Onlinebezahldienst Square versendet werden kann.

Facebook will da natürlich nicht hinterherhinken und bietet in der US-Version des Messengers einen zusätzlichen $-Button zum Geldverschicken an. Dafür müssen aber Sender und Empfänger ihre Kreditkartendaten bei Facebook hinterlegen.

Sicherheitsmechanismen, die PINs und TANs ersetzen

PINs und TANs, wie wir sie vom normalen Online-Banking gewöhnt sind, gibt es in der herkömmlichen Form beim Bezahlen mit N26, Snapchat und Facebook nicht, dafür aber andere Sicherheitsmechanismen. N26 setzt beispielsweise auf die Beschränkung des maximalen Überweisungsbetrags: pro Überweisung sind das 25 Euro beziehungsweise maximal 100 Euro pro Tag. Das Sicherheitssystem von N26 funktioniert also ähnlich wie bei der kontaktlosen Bezahlfunktion einer EC-Karte.

Bei Square und Facebook muss man sich logischerweise erst einmal mit E-Mail-Adresse und Passwort einloggen. Square verlangt dann zusätzlich noch über die Touch ID (ab iPhone 5S verfügbar) den Fingerabdruck, Facebook will die Kreditkartenprüfziffer der hinterlegten Karte wissen.

Auch wenn sich das alles recht abenteuerlich anhört: In puncto Sicherheit sind die neuen Überweisungsoptionen eigentlich nicht viel 'gefährlicher' als das Bezahlen mit der Kreditkarte beim Online-Shopping. Eine Frage, die sich jeder selbst beantworten muss, ist allerdings, ob man Datenkraken wie Facebook auch noch seine Kreditkartendaten überlassen will.


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