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Interview mit Hacking-Europameister Tobias Madl "Natürlich ist der BND immer vor Ort"

Wir sind Europameister! Bei der Cyber Security Challenge in London - quasi der EM der Hacker - hat die deutsche Nationalmannschaft gewonnen. Deren Kapitän heißt Tobias Madl und kommt aus München. Ein Interview über Hacken als Sport und die Verbindung zu Geheimdiensten.

Von: Laury Reichart, Max Sippenauer

Stand: 07.11.2018 | Archiv

Europameister im Hacken | Bild: BR

Puls: Tobias, erstmal herzlichen Glückwunsch! Du bist Europameister im Hacken geworden. Wie fühlt man sich denn als Europas bester Hacker?

Tobias Madl: Das war ein super Gefühl. Wir haben auch ein paar Stunden gefeiert, aber am Abend ging es schon mit der nächsten Challenge weiter. Also wir haben noch im Hotelzimmer am nächsten Wettbewerb teilgenommen.

Wie muss man sich den generell so eine Europameisterschaft im Hacken vorstellen? Wie läuft das ab?

Also dieses Jahr war sie das erste Mal zweitägig. Am ersten Tag haben wir Aufgaben aus verschiedenen Kategorien bekommen, also Sachen wie Netzwerkanalyse, Computerforensik oder Server-Übernehmen. Das heißt es gibt einen Server und alle versuchen, den so schnell wie möglich zu hacken.

Und wer als erster drin ist, hat gewonnen?

Genau. Es gibt aber auch Hardware-Challenges.

Das ist also nicht nur ein bisschen mit Codes hantieren, sondern wirklich lebensnah…

Ja. Die Aufgaben orientieren sich alle an der Realität. Man versucht, möglichst viele Beispiele aus der Wirklichkeit auf diese Challenges zu übertragen, um möglichst nah am echten Leben dran zu sein.

Beim Fussball ist man zu elft. Ihr wart ein zehn Mann Team. Ist das dann so wie im Fussball, also mit Aufstellung und Taktik? Gibt’s sowas wie Stürmer oder Mittelfeldspieler, also hat jeder seine eigene Aufgabe?

Jeder bei uns ist ein Spezialist. Die grundsätzliche Aufteilung ist zwar so, dass derjenige, der Zeit hat, die nächste Aufgabe übernimmt. Wenn die dann aber aus einem Metier stammt, in der ein anderer fitter ist, gibt er sie weiter.

Was ist denn dein Metier?

Mein Metier ist hauptsächlich die Forensik und Webanalyse. Also wenn es zum Beispiel Speicherbilder von PCs gibt, dann analysiere ich die. Und ich habe ein Faible für Steganographie, das heißt, die Suche nach versteckten Codes oder Botschaften in allen möglichen Datensachen.

Du bist 25 und hackst schon eine ganze Weile. Wann hast du angefangen und wie bist du zum Hacken gekommen?     

Ich war schon als Schüler sehr computerbegeistert. Dann habe ich Informatik studiert und bin darüber in die Informationssicherheit gestolpert. Dort war ich im Hacking-Lab, wo es ganz viele solche Aufgaben gibt. Da habe ich ein immer größeres Faible für das Hacken entwickelt und bin so in die IT-Sicherheit gekommen. 

Man kennt das aus dem Fernsehen: Junge Menschen sind super gut im Hacken, dann bekommen sie Mails vom Geheimdienst und werden abgeworben. Läuft das in echt auch so?

Natürlich, der BND ist bei solchen Veranstaltungen immer vor Ort. Der hat auch großes Interesse an den Teilnehmern, weil hart selektiert wird, bis man da mitmachen darf. Von 4000 Bewerbern in Deutschland vertreten nur zehn das Nationalteam. Von dieser "Hacker-Elite" versucht der deutsche Geheimdienst natürlich schon den ein oder anderen abzuwerben. Zudem war der gesamte Wettbewerb vom britischen Geheimdienst finanziert.

Das deutsche Hacker- Team besteht aktuell nur aus Männern. Wieso habt ihr keine Frauen?

Wir wünschen uns sehr, dass die Frauenquote steigt. Das Problem: Schon bei der Online-Qualifikation hat sich keine Frau beworben.

Worin liegt das?

Wir wissen es nicht. Wirklich Sinn macht das nicht. Bei anderen Teams gibt es immer wieder Frauen, die mitmachen. Aber im deutschen Team war bisher noch nie eine dabei und das ist traurig, weil die genau das gleiche Können und Wissen haben.

Sendung: Filter am 06.11.2018 ab 15 Uhr