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Videogame Thoughts & Prayers So watscht ein 30-Sekunden-Game die US-Waffenlobby ab

Die politische Message des Videogames "Thoughts & Prayers" ist eindeutig: Scheinheilige Anteilnahme wie Stoßgebete oder Gedenken nach einem Massaker verhindern kein zweites. Schärfere Waffengesetze schon.

Von: Jenny Stern

Stand: 21.06.2016

Thoughts & Prayers | Bild: screenshot www.thegoparcade.com

30 Sekunden dauert das Videospiel "Thoughts & Prayers" nur, aber es wirkt ziemlich lange nach. Der Spieler muss wie wild auf die Tasten hauen, um so viele "thoughts" und "prayers" wie möglich loszuschicken. Denn in den Vereinigten Staaten werden unzählige Massaker verübt, mit den Gedanken und Gebeten sollst du sie verhindern. Am Ende bringen die aber rein gar nichts, zumindest rettet man damit keine Menschenleben.

Eine Stoppuhr zählt die halbe Minute herunter, während auf einer Karte Städte in den USA aufploppen, an denen Massaker verübt und Menschen erschossen werden. #prayforMiami, #prayforAtlanta, #prayforLA, #prayforDenver steht auf dem Bildschirm, passend dazu liefert das Spiel auch noch die passende Zahl an Toten. Und so geht das immer weiter. Mittendrin wirst du mit fetten Großbuchstaben aufgefordert, mehr zu beten, mehr zu denken, mitzufühlen. Doch egal, wie viel du klickst, der Score bleibt derselbe: "0 lives saved". Die Option "Verbiete den Verkauf von Sturmgewehren“ gibt es zwar auch, der Spieler kann sie aber nicht auswählen - das können nur die Politiker.

Und was passiert? Nichts.

Ob in Orlando, Newtown oder Aurora: Nach jedem Amoklauf in den USA war die Anteilnahme groß, die Politiker zeigten sich schockiert. Geschehen ist seitdem nichts, sogar Präsident Barack Obama scheiterte mit seinem Vorstoß, die Waffengesetzte verschärfen zu wollen. Die Macht der Waffenlobby ist ungebrochen. Selbst bei den Entwicklern von "Thoughts & Prayers" sollen Drohungen von Waffenfanatikern eingegangen sein.

Doch die lassen sich nicht abschrecken. Auf ihrer Seite gibt es noch fünf andere Spiele, drei weitere sind in Planung. Die Macher wollen mit ihren politischen Mini-Spielen die Präsidentschaftswahlen ein wenig unterhaltsamer machen, schreiben sie. Und ihre Spiele sind tatsächlich ganz eindeutig politisch motiviert. In "Trump Toss" kann der Spieler zum Beispiel Mexikaner über eine Mauer aus dem Land werfen - frei nach Trumps Motto: "Make America great again".


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