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Typologie Welcher Smartphone-Typ bist du?

Treffen sich Zwei zum Plauderstündchen im Café. Oder zum Candle-Light-Dinner im Restaurant. Die Smartphones liegen adrett auf dem Tisch. Was dann passiert? Tja, das ist Typ-abhängig.

Von: Verena Fiebiger

Stand: 28.11.2014

Der Rechercheur

Ein nicht nur unter Journalisten vorkommender Smartphone-Typ. Er will mehr als nur das eindimensionale Gespräch. Offene Fragen? Spontane Ideen? Blogs, Kinofilme, vergessene Buchtitel, die Namen der 50 US-Bundesstaaten oder wie das Wetter morgen wird? Alles, was im Gespräch à deux nicht sofort geklärt werden kann, muss zwanghaft im Smartphone nachgeschaut werden. Wozu hat man das Ding schließlich. Das Allerschlimmste daran: Der Rechercheur meint es nur gut.

Der Verwachsene

Logisch, was jetzt kommt: Dieser Mensch ist eigentlich schon ein Cyborg und zwar ganz ohne medizinischen Eingriff. Der Verwachsene nimmt das Telefon nicht mal dann aus der Hand, wenn gerade das Thaicurry aufgetischt wird. Essen mit Messer und Gabel? Wozu, ist doch eh alles ganz weich. Das Smartphone wegzulegen käme hier einer Amputation gleich. Im Endeffekt stört das aber gar nicht so: Man kann sich weiterhin prima mit ihm unterhalten, denn er hat die höchste Automatisierungsstufe in der Smartphone-Nutzung erreicht.

Der Gefragte

Achtung: Diesen Typ bitte nicht mit dem Verwachsenen verwechseln! Der Gefragte legt das Telefon auch gern mal zu Seite, aber er ist eben… sehr gefragt. Er selbst nimmt sein Postfach nur noch als weißes Rauschen wahr und hat auch nicht das Bedürfnis ständig zu schauen, welche Nachrichten da im Sekundentakt reinkommen. Eigentlich ein sehr höflicher Zeitgenosse. Eigentlich. Denn für den Gesprächspartner sendet das ständige Geblinke und Gefiepe leider das Signal aus, die Unterredung doch möglichst bald wieder zu beenden, denn – Achtung! Diese Person ist sehr gefragt.

Der Fremdchatter

Ein skrupelloser Zeitgenosse und ja, es gibt viele von Ihnen. Der Fremdchatter macht bei Kerzenschein auf Pizza, Pasta und Amore, um zwischendurch schnell mal einen Chat mit dem aktuellen Flirt oder dem Ex-Partner abzuhalten. Mal, wenn das Schatzi zur Toilette ist oder auch ganz unverfroren bei Tisch, weil "Ich hab nichts zu verbergen"!

Auf keinen Fall sollen sie in einen Topf geworfen werden, aber hier bietet sich die Unterkategorie des Sex-Chatters an: Diese Freunde tindern und grindern 24/7, um dann, wenn endlich das perfect match kommt, aufzuspringen: "Sorry, aber kannst du für mich zahlen, ich muss leider sofort los!"

Der Mahner

Nur soviel: Der Mahner ist kein besserer Mensch. Auf seiner Stirn steht Doppelmoral. Egal, wie nervtötend Rechercheur, Verwachsener,  Gefragter und Fremdchatter sein mögen – der Mahner ist auch nicht besser, nur weil er es besser weiß. "Spannende SMS bekommen?" nur weil man kurz der besorgten Mutti antwortet. "Musst du immer online sein?" Bloß, weil man schaut, wann die letzte U-Bahn geht und ja… kurz auf Facebook war. "Also ich versteh das nicht, du bist doch nie richtig im Hier und Jetzt". "Doch bin ich, du Schlaumeier!" Der Mahner schaut selten aufs Smartphone. Aber – auch ihm passiert es!

Der Erleuchtete

Tja. Da ist er nun – so rein und weiß und erleuchtet dreinblickend wie der Rainer Langhans einer neuen Generation. Mit dem Typ ohne Smartphone kann man sich sehr lange in die Augen schauen, dabei schweigen oder sich Geschichten erzählen. Es ist fast so wie früher oder so, wie es die berichten, die dieses Früher noch erlebt haben. Und der Moment, besser gesagt, diese vielen Stunden könnte man ja auch einfach genießen. Wenn man nicht eben im Augenwinkel dieses Blinken wahrgenommen hätte, dass da wohl doch gerade jemand geschrieben hat. Jetzt ganz kurz den Kopf senken und schauen? Geht nicht, dann hätte dieser Work-Life-Balance-Good-Feel-Gott gewonnen.


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