Netztrends 2016 Sozialer, virtueller und verdammt gut für die Umwelt

Die PULS-Netzredakteure haben in ihre Daten-Glaskugeln geschaut und hauen munter ihre Prognosen für die Netz- und Techniktrends 2016 raus. Mit dabei: künstliche Intelligenz, Elektroautos und sozialere Soziale Medien.

Stand: 28.12.2015

Christian Schiffer: "Virtual Reality geht endlich steil"

Mein Blick in die Glaskugel ist eigentlich der gleiche wie in den letzten beiden Jahren. Ich habe damals schon 2013 im Brustton vollster Überzeugung vorhergesagt, dass 2014 das große Jahr der Virtuellen Realität werden wird. Daraus wurde dann nichts. 2014 habe ich dann wiederum nochmal im Brustton allervollster Überzeugung vorhergesagt, dass dann aber wirklich 2015 das große Jahr der Virtuellen Realität wird. Damit wurde es jetzt auch nichts. Deswegen tue ich es einfach nochmal und sage, 2016 wird das Jahr, in dem die Virtuelle Realität endgültig ihren Durchbruch feiert. Dann endlich kommen die ganzen Virtual-Reality-Brillen von Oculus Rift, von HTC, von Sony und so weiter. Wir werden die dann alle aufhaben und obskure Sexapps in der Virtuellen Realität erleben oder eben auf irgendwelchen Stränden herumspazieren und uns erholen. Wir kommen auf jeden Fall dem Holodeck aus Star Trek sehr nahe.

Ich habe gehört, dass HTC das Erscheinen der Brille wieder verschieben will, auf Sommer statt auf Frühling. Ich hab jetzt schon wieder ein bisschen Schiss, dass ich 2016 schon wieder für 2017 den Durchbruch der Virtuellen Realität hervorsagen muss. Aber warten wir mal ab. Ich bin sehr optimistisch, dass es dieses Mal klappt. Deswegen sehen wir uns 2016 alle auf dem Holodeck mit schönen Schirmchen im Cocktailglas. Bis dann!

Anna Bühler: "Fuck Filter! Die sozialeren Sozialen Medien kommen"

2016 wird das Jahr der sozialeren Sozialen Medien. Auf Facebook und Instagram versuchen wir ja immer, alles geil aussehen zu lassen. Wir sehen viel besser aus, als wir in Wirklichkeit aussehen. Wir waren in viel geileren Reiseländern und haben viel geileres Essen gegessen als in der Realität und ich glaube, dass das nachlassen wird.

Denn ich beobachte gerade folgendes: Ich bin total gerne auf Snapchat und wenn ich mein Handy hoch halte und meine ganzen tollen Snaps teile, nervt mich, dass ich dabei die ganze Zeit auf mein Handy starren muss. Deswegen glaube ich, dass wir nicht mehr den Bildschirm zwischen uns und der Umwelt haben. Casey Neistat hatte diese Idee. Der hat ein neues soziales Netzwerk gegründet: Beme. Da geht es eben nicht darum, dass alles geiler aussieht, sondern dass man die Realität darstellt. Man hält sein Smartphone an die Brust oder an irgendeine Oberfläche. Durch den Sensor vorne am Smartphone weiß es: "Ok, jetzt nehme ich auf" und wir müssen dabei nicht mehr auf den Bildschirm starren. Gleichzeitig ist das realer, weil es nicht mehr die Möglichkeit gibt, Smilies einzufügen oder Filter übers Bild zu klatschen. Ich glaube, dass wir vielleicht schon im Jahr 2016, vielleicht auch ein bisschen später, auf den Trichter kommen: Fuck Filter! und Go for soziale, sozialere, sozialste Medien.

Verena Fiebiger: "Smart-Glasses sind 2016 smart"

2016 werden wir smarter als je zuvor, also zumindest wenn es um das Tragen von smarten Gadgets geht. 2015 waren der Spitzenreiter bei den Wearables ja Fitnessarmbänder, seitdem finden Menschen Schritte zählen toll. Das geht aber alles noch viel smarter. Und zwar mit Smart Glasses, den Internetbrillen, die eigentlich schon 2012 steil gehen sollten. Stichwort Augmented Reality, Stichwort erweiterte Realität, Stichwort da werden interaktive 3D-Projektionen ins Sichtfeld eingeblendet. Das Analyseportal Statistica prophezeit für 2016 ein rasantes Ansteigen des weltweiten Absatzes für Internetbrillen und die International Data Corporation gibt an, dass sich der Absatz von Smart Glasses von 0,3 auf 2,2 Prozent steigern soll. Das wurde aber alles schonmal prophezeit, die Google Glass Brille bespielsweise entpuppte sich aber als Flop und schaffte es nie in die Händlerregale.

Im September 2015 hat google aber das Project Aura gestartet, eine der ersten Aufträge ist das Neuaufsetzen der Google Glass Brille, an der Zukunft der erweiterten Realität wird also nach wie vor geschraubt und zwar nicht nur für private Konsumenten, sondern auch für Unternehmen, so hat z.B. VW in Wolfsburg seinen Mitarbeitern in der Logistik im Herbst 2015 Datenbrillen eingeführt, damit die besser sehen, welches Teil sie aus dem Regal nehmen müssen.

Max Muth: "Wir werden weniger selber denken und mehr tanzen"

Mein Kandidat für 2016 heißt Künstliche Intelligenz. Computer sollen anfangen, mehr für uns zu denken und schleichen sich so Schritt für Schritt in unser Leben. Also mehr Siris, Cortanas und so weiter, die uns immer mehr Arbeit abnehmen. Vielleicht kriegen sie 2016 auch schon die ersten Anzeichen von Persönlichkeit, wie das Betriebssystem Samantha in dem Spike-Jones-Film "Her". Facebook hat ja vor kurzem ein paar Leute ihren Assistenten "M" testen lassen, der in diese Richtung ging. Damit zusammen hängt auch ein Designprinzip, das 2016 groß werden soll: ZeroUI. Das basiert darauf, dass wir wegkommen von den Bildschirmen. Stattdessen sollen wir mehr mit unseren Geräten sprechen oder Gesten benutzen, so ähnlich wie eben bei Siri oder bei Microsofts Kinect. Dann kommen vielleicht zu den vielen vor sich hinredenden Menschen auf der Straße noch Leute dazu, die seltsame Handbewegungen machen oder vor sich hintanzen. Das wird großartig.

Christian Alt: "2016 cruisen wir benzinfrei auf der Autobahn"

Christian Alt | Bild: Christian Alt

2016 wird das Jahr der Elektroautos. Also jetzt nicht falsch verstehen: Wir werden im Jahr 2016 nicht die Autobahn runterbrettern, aber 2016 wird das Jahr, indem alle gecheckt haben, dass Elektroautos die Zukunft sind. Weil dieses Jahr hat noch den Ex-Daimlerchef Edzard Reuter, der meinte Tesla, also diese Elektroautofirma, das ist ein Witz, das sind billige Emporkömmlinge und an die Autoindustrie reichen die ja eh nicht ran. Aber wir hatten dieses Jahr auch den VW-Skandal und so langsam dämmert es eben vielen, dass die Elektromobilität die Zukunft sein könnte. Nächstes Jahr wird Tesla das Modell 3 vorstellen. Bisher ist Tesla ja noch die Automarke, die nur Premium-Autos macht, also das Modell S, das kostet so an die 80.000 Euro, aber Modell 3, das wird so im Bereich 30 bis 40.000 Euro ungefähr liegen und wenn Tesla mit nem massenmarktfähigen Auto um die Ecke kommt, dann werden alle checken, dass das verdammt nochmal die Zukunft ist.