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Netzlexikon G wie Glitch

Ob Pokémon Go, Windows oder Facebook – jedes Programm ist voll mit Fehlern, die sich schwer verhindern lassen. Glitches nerven, können aber auch coole Kunst machen.

Von: Christian Alt

Stand: 02.08.2016

Glitch | Bild: BR

Was ist ein Glitch?

Ein Glitch ist ein einmaliger Fehler in einem Programm. Im Gegensatz zu einem Bug, der einen schweren Programmfehler auslöst, treten Glitches nur selten und kurzzeitig auf. Das sagt auch schon das Wort – "Glitch" kommt tatsächlich vom deutschen Wort "glitschig". Wenn Facebook plötzlich Wingdings als Schriftart benutzt, MP3s in einer Schleife hängen bleiben oder Super Mario durch den Boden fällt - dann war das ein Glitch. Das Problem von Glitches: Weil sie nur sehr selten auftreten, sind sie sehr schwer zu finden.

Klingt doch eigentlich ganz harmlos. Also können die ja nicht so schlimm sein...

Jein. Ein Glitch tritt zwar nur kurz auf, kann aber ganz schöne Probleme mit sich bringen. Im Jahr 2012 hat ein Computerfehler 1200 Leuten in Los Angeles per Post eine Gerichtsvorladung geschickt - und zwar für denselben Termin. Das Ergebnis: Ein riesiger Stau in L.A. und es ging für mehrere Stunden gar nichts in der Stadt. Erst vor ein paar Jahren kam raus, dass die Welt wegen eines Glitches kurz vor dem dritten Weltkrieg stand. Im Jahr 1979 schaltete das Frühwarnsystem der USA auf Alarmstufe Rot. Auf dem Radar waren plötzlich sowjetische Atomraketen zu sehen, die auf die USA zuflogen. Beim Militär machte man sich schon für den Gegenschlag bereit, als auffiel, dass der Computer aus Versehen eine Übung durchgespielt hat. Der dritte Weltkrieg konnte gerade noch so verhindert werden.

Aber wenn die Ursachen für Glitches kaum gefunden werden können: Wie schützt man sich dann davor?

Ein Schutz vor Glitches ist schwer. Im Grunde gilt für Programmierer dasselbe wie bei ganz normalen Bugs: Die Systeme müssen so programmiert sein, dass, falls etwas passiert, ein Fehler möglichst wenig Schaden anrichtet. Denn genau wie Bugs können Glitches auch Einfallstore für Hacker sein. Aber nicht jeder Glitch löst gleich die thermonukleare Zerstörung der Menschheit aus. Weil Glitches auch irgendwie schön sein können, gibt es mittlerweile sogar schon Leute, die mit Glitches Kunst machen.

JWie macht man denn mit Glitches Kunst?

Glitch Art ist das Stichwort. Videomacher zerstören das eigentlich kristallklare digitale Full-HD-Bild bewusst. Nach der Bearbeitung gibt es dann lauter kleine Bildglitches, die über das Video laufen. Glitch-Musiker machen dasselbe: Beats werden verzerrt, es wird an der Geschwindigkeit gedreht oder die Bitrate wird stark runtergefahren.

Glitch Hop zum Beispiel erzeugt damit einen trippigen Sound, der stark vom Funk und Hip-Hop inspiriert wurde. Glitch Art war lange nur im Internet-Underground zu finden, wird gerade aber immer mehr zum Mainstream. Serien wie Mr. Robot oder Filme wie The Social Network nutzen Glitch Art. Immerhin: So kann man auch aus kleinen Fehlern jede Menge Kohle rausholen.


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