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Netzlexikon D wie Doliio

Automatische Antworten auf Facebook, Twitter und Co, die aussehen als hätte man sie selbst geschrieben. Klingt praktisch, aber auch gruselig. Das dänische Start-Up Doliio will diese Form von Chat-Bot anbieten. Angeblich.

Von: Anne Hemmes

Stand: 15.06.2016

Ein sprechender Roboter vor einem Monitor | Bild: BR

Was ist Doliio?

Doliio ist eine App, die verspricht, sich um die ganzen sozialen Netzwerke, bei denen man angemeldet ist, zu kümmern. Das heißt, sie übernimmt die Kommunikation auf Facebook, Twitter oder Snapchat und angeblich auch auf Tinder. Die Macher, ein Start-up aus Dänemark, verkaufen Doliio als "Autonomous Self-Agent" und betonen, dass es kein gewöhnlicher Chat-Bot ist.

Wenn es so anders ist: Was genau soll Doliio für mich machen?

Nicht weniger als den Nutzer authentisch in den Netzwerken zu vertreten - mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Das heißt, er gratuliert Freunden zum Geburtstag, beantwortet Nachrichten, reagiert auf Einladungen oder postet Fotos. Auch Dates soll Doliio für einen klarmachen. Eine Art persönlicher Assistent also, der die eigenen Stimmungen und Gewohnheiten kennt und entsprechend handelt. Dafür soll man möglichst viel mit Doliio teilen, damit er das Verhalten analysieren und danach reagieren kann.

Das klingt ehrlich gesagt ziemlich gruselig.

Ist es irgendwie auch. Der britische Journalist Harvey Wilks, wohl ein guter Freund der Entwickler, hat Doliio für 48 Stunden getestet und darüber geschrieben. In dem Test hat Doliio einen Freund von Wilks sogar mit dessen Spitznamen angeschrieben, weil die App vorher die Nachrichten zwischen den beiden ausgelesen hat.

Aber will das ernsthaft jemand?! Dass eine App mit den eigenen Freunden redet?

Das ist wohl Ansichtssache. Aber ganz ehrlich: Wenn man mal ein wenig drüber nachdenkt, kann Doliio eigentlich nur ein Fake sein. Es gibt auch ein paar Hinweise. Zum Beispiel seltsame Formulierungen: In Blogposts von Doliio stehen Überschriften wie "Mehr Freundschaften" sind gleich "Mehr Bedeutung". Oder dass Doliio dafür sorge, dass neue Freundschaften zu einer echten Bindung werden. Und - ganz klar nicht ganz ernst gemeint - schreiben die Macher, dass die App einem quasi Superkräfte verleiht, weil man sich damit sozusagen verdoppeln kann. Und dann wäre da noch dieses offizielle Doliio-Video, in dem ein Typ erzählt, dass seine Freundin Doliio inzwischen lieber mag als ihn. Deswegen lässt er im Gespräch auch einfach sein Handy klingeln und Doliio übernehmen, als seine Freundin anruft. Das Ganze wirkt dermaßen aufgesetzt, dass man spätestens da skeptisch wird.

Und wozu dann das Ganze?

Da lässt sich nur spekulieren, weil sich die Macher trotz Nachfrage von Medien noch nicht geäußert haben. Aber was man zwischen den Zeilen rauslesen kann, ist die Frage nach dem Wert von Kommunikation in sozialen Netzwerken. Allein dieser Satz, mit dem sie werben: "It's about being you". Oder die Formulierung, dass es Doliios Ziel sei, authentische Beziehungen aufzubauen mit Menschen, die einem wichtig sind. Außerdem ist der Zeitpunkt gut gewählt: Chat-Bots und künstliche Intelligenz sind gerade der heiße Scheiß. Google hat zum Beispiel vor kurzem die umstrittene Whats-App-Alternative Allo vorgestellt, die das Schreiben von Nachrichten übernehmen soll. Und auch Facebook arbeitet daran, mit künstlicher Intelligenz Nachrichten im Messenger auslesen zu lassen. Bisher gibt's von Doliio nur eine Beta-Version, für die auch Tester gesucht werden. Die Vollversion soll irgendwann dieses Jahr kommen, schreiben die Macher von Doliio in ihrem Blog. Spätestens dann werden wir wohl wissen, ob es ein Fake ist oder nicht.  


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