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Netzlexikon C wie Commercial Content Moderators

Nippelbilder, Gewaltvideos oder Pornos: Tausende von Commercial Content Moderators sorgen in Sozialen Netzwerken dafür, dass anstößige Inhalte gefiltert und gelöscht werden. Ein notwendiger Job, der seine Spuren hinterlässt.

Von: Markus Köbnik

Stand: 01.06.2016

C wie Commercial Content Moderators | Bild: BR

Was machen eigentlich Commercial Content Moderators?

Commercial Content Moderators sind in kleinen Firmen und Agenturen beschäftigt, die wiederum für größere Unternehmen wie Tinder, Twitter oder Facebook arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, Inhalte in den sozialen Netzwerken zu filtern und dann darüber zu entscheiden, ob etwas im Netzwerk bleiben darf oder gelöscht werden muss.

Gibt es nicht längt spezielle Software, die bestimmte Postings aus sozialen Medien löscht?

Klar, aber die ist noch nicht wirklich ausgereift. Es braucht also Menschen, die diese Aufgabe übernehmen. Da der Job teilweise schmutzig werden kann, werden Commercial Content Moderators auch als digitale Müllabfuhr bezeichnet. Denn schließlich sind sie es, die unsere Netzwerke vor anstößigen Inhalten säubern - und das rund um die Uhr. Bei machen Netzwerken werden diese Moderatoren aktiv, wenn ein Inhalt von Usern gemeldet wird, andere Netzwerke lassen vorsorglich alles prüfen, was hochgeladen wird.

Welche Inhalte filtern Commercial Content Moderators denn aus den Netzwerken?

Commercial Content Moderator müssen viele schreckliche Inhalte sichten und prüfen. Das können Fotos von Enthauptungen sein, aber auch Folter-Pornos oder Videos von schrecklichen Verkehrsunfällen. Klar, dass so etwas nicht an allen spurlos vorbei geht. So sollen viele Menschen in diesem Job irgendwann an Depressionen leiden, schwer traumatisiert sein oder zu Alkoholikern werden. Offiziell bestätigt ist das aber nicht, denn Commercial Content Moderators müssen bei ihren Arbeitgebern strenge Geheimhaltungsverträge unterschreiben. Das berichten Magazine wie Wired oder The Verge.

Ganz schön heftig. Wer tut sich denn sowas freiwillig an?

Weltweit soll es über 100.000 Commercial Content Moderators geben. Die meisten von ihnen sind auf den Philippinen beschäftigt. Und das hat gute Gründe: Mit einem Stundenlohn zwischen zwei bis sechs Dollar ist das Gehalt für Arbeitgeber dort relativ günstig. Außerdem sprechen die meisten Philippiner gut Englisch, gelten als gewissenhafte Arbeiter und sind auch noch streng katholisch erzogen worden.

Was hat denn der katholische Glaube damit zu tun?

Viele Commercial Content Moderators haben regelrecht das Gefühl, dass sie sich für all die Sünder dieser Welt opfern. Also ideale Voraussetzungen, um den moralischen Vorstellungen von sozialen Netzwerken gerecht zu werden. So müssen wir User uns zwischen Katzenvideos und sonnigen Urlaubs-Posts nicht mit Fotos von erigierten Penissen herumärgern.

Dann muss man den sozialen Netzwerken also dankbar sein, dass sie Commercial Content Moderators beschäftigen?

In gewisser Weise schon, denn bei verbotenen Inhalten können sie schnell und zuverlässig handeln. Schwieriger wird es da schon bei den Grauzonen, wo Zensur zur Auslegungssache wird. Ist das Bild einer nackten Frau nun Kunst oder Pornographie? Und wie sieht es mit Ironie bei manchen Inhalten aus? Ist sie zulässig? Commercial Content Moderators haben also auch ganz schön viel Interpretationsspielraum. Und der wird letztendlich vom Auftraggeber festgelegt. So kam es zum Beispiel schon vor, dass Gewalt-Bilder aus Syrien in amerikanischen Netzwerken zu sehen waren, während ähnliche Bilder aus Mexiko streng zensiert worden sind. Commercial Content Moderators machen uns also klar, dass die freie Meinungsäußerung in sozialen Netzwerken nicht immer so frei ist, wie sie uns ab und zu verkauft wird.


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