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Buchtipp // Kämpf um deine Daten Die Macht der Algorithmen

2011 fordert Max Schrems bei Facebook die über ihn gespeicherten Daten an. Er kriegt ein 1222-seitiges PDF zugeschickt mit Inhalten, die er längst gelöscht hatte. Seine Erfahrungen hat er jetzt als Buch veröffentlicht.

Von: Verena Fiebiger

Stand: 13.06.2014

Kämpf um deine Daten - Cover | Bild: edition a

Ich wache auf – noch vor dem Gang ins Bad ein erster, kleiner Sonnengruß in Form von Likes an meine Facebook-Freunde. Den lieben langen Tag dann Bilder, Posts, Tweets, Bezahlen per Pay Pal, Musik hören über Spotify und natürlich ungezählte Suchanfragen bei Google. Aber auch wenn ich dann nachts wieder das Handy weglege – die Datenproduktion steht nie still. Warum das so ist, erklärt der Wiener Datenschutz-Aktivist Max Schrems in seinem Buch "Kämpf um deine Daten" - nicht mit hysterischem Ausrufezeichen, sondern angenehm unpanisch: Denn für Schrems gibt es in der Datenschutz-Frage nicht einfach DIE Antwort, dafür aber eine klare Haltung:

"Soziale Netzwerke sind an sich eine coole Technologie, wir haben nur einen Monopolisten in Gestalt von Facebook und dieses Unternehmen missbraucht seine Stellung etwas."

(Max Schrems)

Der Algorithmus im Hintergrund

Autor Max Schrems, der übrigens selbst auf Facebook ist, nennt die simple Formel der Informationsgesellschaft "Wissen ist Macht". Wenn Wissen völlig einseitig von den Nutzern zu Unternehmen wie Facebook wandert, geben wir auch Macht ab. Unternehmen wissen mehr über uns als wir über sie. Dabei ist Schrems nicht dagegen, Persönliches preiszugeben, sondern vor allem gegen das, was Algorithmen im Hintergrund berechnen - Stichwort BIG DATA:

"Das heißt, dass ich aus Daten, die relativ unzusammenhängend sind, Daten hochrechnen kann. Typischer Fall bei Facebook: Anhand der Freundesliste kann ich politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Krankheitsgeschichten, den Arbeitgeber, die Ausbildung und die Uni hochrechnen. Das sind alles Dinge, die Leute selbst nicht mehr kontrollieren können. Ich kann es nicht so einstellen oder mich nicht so verhalten, dass das alles nicht hochrechenbar ist."

Max Schrems)

Gefangen im Datendickicht

Für alle, die gegenüber der Macht der Algorithmen mit den Schultern zucken, für die hat Max Schrems ein "Bullshit Bingo" in seinem Buch parat. Dazu gehören Sätze wie: "Aber die Leute stellen ja alles ins Netz!", "Ihr habt doch den AGBs zugestimmt" oder "Ich hab nix zu verstecken."

"Typisches Beispiel Sexualität: Jeder hat Sexualität, das ist der Grund, warum wir da sind, trotzdem ist das was, was ich geheim halten will und nicht unbedingt auf der Titelseite der nächsten Zeitung drauf geklatscht haben will. Und das ist das wo diese Argumente sich relativ schnell auflösen."

(Max Schrems)

Buchcover "Kämpf um deine Daten"

Es kann zum Beispiel passieren, dass Facebook jemanden für schwul hält, nur weil er schwule Freunde hat. Falsches Outing per Algorithmus. Und auch das Argument, man könne ja einfach aussteigen aus der permanenten Datensammlung, kann Max Schremms ganz einfach zerstören. Denn Daten über uns würden sogar dann gesammelt, wenn man sich im Hinterland versteckt und alle Stecker zieht, meint er. Allein dadurch, dass unsere Freunde Daten auf Facebook oder in irendeine Cloud laden.

"Das heißt, man entkommt dem heute nicht mehr und es ist spannend, dass das in der Industrie und der öffentlichen Debatte immer in die Richtung geht, dass die Nutzer selbst schuld daran sind, dass sie verarscht werden und die Unternehmen am Ende machen können, was sie wollen."

(Max Schrems)

Das gute an "Kämpf für deine Daten": Max Schrems bietet in seinem Buch keinen billigen Technikpessimismus, sondern schlägt vor, dass wir die Macht in der Infogesellschaft neu verteilen. Endlich ein Buch, mit dem man mal die Basics checkt, was bei Facebook und Co eigentlich falsch läuft.

"Kämpf um deine Daten" von Max Schrems ist bei Edition a erschienen und kostet 19,95 Euro


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