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Making of Meme // Hashtag Nofilter Was wir vom Instagram-Zombie lernen können

Füße im Sand, ein Handstand neben dem Gipfelkreuz. Motive, die wir zu oft bei Instagram gesehen haben. Ein Youtubeclip von Matthew Rycroft bringt unseren Wahn auf den Punkt. Uns hat er erzählt, was wir besser machen sollten.

Von: Anna Bühler

Stand: 06.11.2015 | Archiv

Hashtag Nofilter | Bild: Matthew Rycroft

Auf dem Instagram-Account von Jenny Wanderlust sind drei Bilder. Eins auf einem Hochhaus, mit baumelnden Beinen, hunderten von Metern über der Stadt. Eines auf einem Steg am Strand. Und noch eins am Strand, mit Blick aufs Meer, ihre braun gebrannten Oberschenkel im Vordergrund. Jenny ist da, wo das Abenteuer ist.

In Wahrheit ist Jenny Wanderlust nie auf einem Hochhaus oder am Traumstrand gewesen. In Wahrheit sind die braungebrannten Beine am Strand ein abgewinkelter Mittel- beziehungsweise Zeigefinger auf einem ausgedruckten Foto. Und in Wahrheit ist Jenny Wanderlust ein ungepflegter Typ, der in einem düsteren Kämmerchen sitzt und Fotos faked. Das sieht man in einem kurzen Youtube Clip mit dem ironischen Titel: Hashtag Nofilter.

"Es ist schon ein extremer Fall", sagt der Macher der Videos, Matthew Rycroft, ein junger Regisseur aus Salzburg. "Da sitzt so ein zombieartiger Typ in einem düsteren Raum. Das zeigt, wie uns diese Kultur einnimmt." Social Media frisst uns also auf. Intuitiv will ich sagen: Nööö, mich doch nicht… Iiiich hab alles im Griff…

Ok, Realtalk: Ich habe FÜNF Social-Media-Apps auf meinem Handy, die ich fast täglich mit Schrott befülle. Schrott wie: Ein Foto von einem verunglückten Frühstücksei, Text: “Tage, die wie dieser anfangen”. Ernsthaft, Anna? In Matthews Video geht es aber nicht nur darum, dass wir alle fleißig mitspielen im Social-Media-Game. Es geht auch darum, wie viel Fake in unseren Timelines steckt. Diese Info ist nicht sooo neu, das weiß Matthew auch. Aber er hat das Video trotzdem gemacht. Aus einem ganz bestimmten Grund:

"Um zu zeigen, wie weit wir die Manipulation treiben können. Ich denke, Social Media ist auch noch ne sehr neue Sache. Wir lernen noch. Richtig verantwortungsvoll ist unser Umgang mit Social Media noch nicht."

Matthew Rycroft

Das soll nicht heißen, dass alles schlecht ist, was wir auf Instagram oder bei Facebook sehen. Da findet man unglaublich kreative Fotokunst und toll erzählte Geschichten – in ein paar einfachen Bildern. Aber um die geht es in dem Video auch nicht. Wenn wir langweilig alles nachmachen, was gerade trend ist - Beine am Strand zum Beispiel - sind wir an dem Punkt, wo Dinge anfangen ihre Bedeutung zu verlieren, sagt Matthew. "Weil sie so oft kopiert werden. Das Ziel sollte darum sein, was Originales zu machen. Eigene Blickwinkel, eigene Geschichten zu haben. Das ist das Ziel."

Ich werde dran denken, wenn ich das nächste Mal das dringende Bedürfnis verspüre, mein Frühstücksei mit der Welt zu teilen.        


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