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Martin Sonneborn im Interview Wie die PARTEI 100-Euro-Scheine für 80 Euro verkauft

"100 Euro zum Preis von 80 Euro!" - ja, wirklich: Die PARTEI verkauft diese Woche Geld für weniger Geld. Was absurd klingt, ist ein guter Deal für beide Seiten - und das ganz legal. Martin Sonneborn über seine lukrative Geschäftsidee.

Von: Schlien Schürmann & Max Muth

Stand: 10.11.2015

Die PARTEI bei ihrer GELD-Verkaufaktion | Bild: SMAC-Film

"Sie mögen GELD und wollen einen preisreduzierten 100-Euro-Schein kaufen?" Mit diesem durchaus attraktiven Deal hat es die Satirepartei "Die PARTEI" diese Woche bis auf die Schnäppchenjäger-Seite mydealz.de geschafft. Zurecht: Im parteieigenen Geld-Shop können 100-Euro-Scheine für je 80 Euro erstanden werden. Bis Ende der Woche sollen so ingesamt 100.000 Euro zum Preis von 80.000 Euro verkauft werden - fast 30.000 Bestellungen sind schon eingegangen.

80 gegen 100 - das klingt erstmal unlogisch, vor allem wenn einem dieser Deal von der PARTEI vorgeschlagen wird, die ja auch gerne mal so absurde Dinge fordert wie die Frauenkirche abzureißen, um dann mit den Steinen die Berliner Mauer wieder aufzubauen. Aber das Tauschgeschäft ist tatsächlich ernst gemeint - und sogar gut für beide Seiten: Denn die deutsche Parteienfinanzierung ist so kompliziert, dass die PARTEI bei dem Geschäft am Ende mit Gewinn aus der Sache rausgeht. Wie das genau funktioniert, haben wir den Vorsitzenden der PARTEI und Europaparlamentsabgeordneten Martin Sonneborn gefragt.

PULS: Herr Sonneborn, 100 Euro-Scheine für 80 Euro - das klingt genial. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Klingt nach nem guten Deal: Das Werbeplakat zur Geld-Verkaufsaktion

Martin Sonneborn: Ganz einfach - durch die AfD, die im letzten Jahr Gold verkauft hat. Wie alle kleinen, unseriösen Parteien hatte die AfD nach der Wahl ein großes finanzielles Problem. Wir bekommen im Prinzip 200.000 Euro aus der Parteienfinanzierung - müssen aber als Partei vorher Einnahmen nachweisen. Durch die eigenen Einnahmen ist geregelt, was wir letztendlich bekommen. Die AfD dachte also damals: Um eigene Einnahmen zu kreieren, verkaufen wir einfach Gold - weil für die Parteienfinanzierung nicht die Ausgaben berücksichtigt werden, sondern nur die Einnahmen aus diesem Geschäft. Das ist irgendein irrsinniges Gesetz. Als wir gesehen haben, dass die Kollegen Gold verkaufen, dachten wir: Wir nehmen etwas, das die Leute noch mehr reizt als Gold. Wir verkaufen einfach 100 Euro-Scheine! Im letzten Jahr noch für 105 Euro - und in diesem Jahr wollten wir ein sehr gutes Angebot machen und verkaufen das Geld jetzt für 80 Euro.

Ein Herbstschlussverkauf sozusagen.

Ja, im Prinzip schon. Wir müssen bei diesem Verkauf eine Gewinnerzielungsabsicht nachweisen. Die Gewinnerzielungsabsicht steckt darin, dass wir aus der Parteienfinanzierung hinterher das Geld, das wir einnehmen, verdoppelt bekommen. Das bedeutet: Der Käufer kann auf unserer Homepage einen 100 Euro-Schein für 80 Euro kaufen und wir bekommen hinterher nochmal 80 Euro aus der Parteienfinanzierung dazu. Also kriegen wir für 80 Euro insgesamt 160 Euro und haben Ausgaben von 100 Euro.

Das ist doch ein wunderbarer Deal! Jeden Tag wird ein bestimmter Betrag verlost. Wie läuft's bisher, sind Sie alles Geld losgeworden?

Ja, gestern schon. Wir deckeln das auf 100.000 Euro in fünf Tagen. Das heißt: von Montag bis Freitag werden jeden Tag 20.000 Euro verkauft.

Wenn man sich auf der Seite registriert, um das Geld zu gewinnen, muss man dort auch versprechen, dass man weder AfD-Mitglied ist, noch es jemals war. Warum denn ausgerechnet die AfD - es gibt doch noch so viele andere unsympathische Parteien...

Ich glaube die AfD ist momentan die unsympathischste Variante am Markt und deswegen haben wir uns für die AfD entschieden.

Um Geld zu kaufen, muss man sich ja erstmal bewerben. Kann man irgendetwas machen, um seine Chancen zu steigern?

Nein, ich fürchte nicht. Ich habe selber gerade zum ersten Mal bestellt. Ich war froh, dass ich durchgekommen bin. Gestern ist natürlich die Seite prompt abgestürzt. Jetzt kommt man durch, also man kann jetzt im Prinzip einfach einen 100 Euro-Schein für 80 Euro bestellen.

Sind das richtige Scheine? Werden die per Post verschickt oder kann man das über PayPal oder Paydirekt machen?

Martin Sonneborn

Nein, das wäre auch ein unseriöses Geschäft. Wir wollen ja Buchgeld gegen Bargeld verkaufen. Das ist eine zusätzliche kleine Sicherheit, damit wir das Geld aus der Parteienfinanzierung am Ende auch bekommen. Wir tauschen nicht einfach Geld, sondern wir verkaufen es: Sie bekommen Bargeld, überweisen uns aber Buchgeld. Bei Bargeld ist der Vorteil, dass Sie es in den Kaugummiautomaten stecken können. Sie können davon leben, wenn in Griechenland die Automaten nichts ausspucken und der Staat kann Ihnen darauf keine negativen Zinsen aufbrummen. Dieses Geschäft hat schon seine politischen Hintergründe.

Das ist durchdacht. Die Aktion ist ja am 9. November gestartet, also am Tag des Mauerfalls vor 26 Jahren. Ist das auch ein Kommentar zur Wiedervereinigung?

Nein, das war zufällig die Woche, in der wir Zeit hatten, uns mit diesen Dingen zu beschäftigen. Aber es ist natürlich auch das 9/11 der deutschen Parteienfinanzierung.

Sie haben auch eine neue Webseite. Wieso eigentlich im Internet - glauben Sie, dass sich das tatsächlich noch durchsetzen wird?

Ich glaube eigentlich nicht. Günther Oettinger ist ja Kommissar für Digitales in Europa, ein über 60-jähriger, älterer Herr, der sich das Internet nach eigenen Angaben von seinem Sohn erklären lässt - wahrscheinlich also von jemandem, der so um die 40 ist. Ich glaube nicht, dass ein 40-jähriger heute das Internet kompetent erklären kann. Deswegen gehe ich eigentlich davon aus, dass das Internet seine großen Tage hinter sich hat und dass wir in fünf Jahren ohne Internet auskommen müssen. Ich rate den Lesern dann immer zu analogen Radios oder zur Lektüre von Printmedien.

Jetzt noch eine private Frage: Wenn Sie mit diesem Onlineshop beschäftigt sind, haben Sie da überhaupt noch Zeit für Ihre Arbeit als Europaparlamentsabgeordneter?

Ja, selbstverständlich. Morgen gibt’s eine Plenumssitzung in Brüssel und da möchten zum Beispiel die SPD und die CDU das europäische Wahlrecht ändern. In einer dieser Änderungen ist auch versteckt die Forderung nach einer Einführung einer 3- oder 5-Prozent-Hürde in Deutschland zur nächsten Europawahl, einfach damit Typen wie Udo Vogt von der NPD und ich beim nächsten Mal wieder draußen sind. Da ich bei solchen Abstimmungsmarathons immer abwechselnd mit Ja und Nein stimme, muss ich mich jetzt eine Stunde darauf vorbereiten, dass ich morgen richtig anfange. Entweder mit Ja oder mit Nein, sodass ich beim einzigen, wichtigen Gesetz, das mich wirklich interessiert, dann auch richtig stimme - mit Ja oder mit Nein.  


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Frank, Freitag, 04.Dezember, 15:29 Uhr

3. Lach...

So sieht es aus.
Und diese Methode machen alle Parteien und raten sie mal was bei CDU oder SPD erwirtschaftet wird, die Grünen mal nicht erwähnt. Auf Kosten aller Bürger der Bundesrepublik.
MlG Frank

Stefan Redl, Montag, 16.November, 22:16 Uhr

2.

ohne Worte...

Helmut Kreutzfeldt, Donnerstag, 12.November, 08:04 Uhr

1. Geldkauf

Das ist ja eine seltsame Sache mit dem Parteifinanzierungsgesetz. Warum aber werden dann nicht gleich 1000 oder 10000 Euro verkauft ? Die Partei könnte doch dabei nur gewinnen !

  • Antwort von Kevin Keidel, Freitag, 13.November, 13:19 Uhr

    @Helmut Kreutzfeldt: Das funktioniert deshalb nicht, da der Betrag den der Staat hinzugibt begrenzt ist.
    Zum Beispiel bekommt Die Partei bei einer Wahl 100.000 Stimmen und der Staat gibt für jede Stimme z. B.bis zu 1 €.
    Das heißt Die Partei kann von Staat maximal 100.000 € bekommen.
    Allerdings bekommt Die Partei nur so viele Euros vom Staat bezuschusst, wie Sie Einnahmen nachweisen kann. Jedoch maximal, in dem Beispiel, 100.000 €.
    In dem Beispiel ist es für Die Partei also nur "gewinnbringend" Einnahmen in Höhe von insgesamt 100.000 € erwirtschaftet zu haben.

    Natürlich könnte Die Partei auch einfach 10 x 10.000 € verkaufen, jedoch möchte Die Partei möglichst vielen Wählern und Sympathisanten die Möglichkeit geben von der Partei Die Partei zu profitieren.

  • Antwort von tratalahn, Mittwoch, 02.Dezember, 02:26 Uhr

    Na weil maximal 200.000 euro n die partei ausgeschüttet werden. ( die zahl kommt anhand der erworbenen stimmen bei der letzten wahl zusammen)