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Pornostar Ela Darling "Virtual Reality wird den Konsum von Pornos verändern"

Ela Darling ist einer der Superstars in Sachen Virtual Reality-Porno. Uns hat sie erzählt, warum plötzlich auch "fachfremde" Investoren Geld in Pornostartups stecken und was beim VR-Pornodreh anders ist.

Von: Ralph Glander

Stand: 21.05.2016

Ela Darling Live-Cam | Bild: VRTube

PULS: Wann war dir klar, dass deine Zukunft im VR-Porno liegt?

Ela Darling: Ich gehe jedes Jahr zur Electronic Entertainment Expo E3 hier in L.A. Und als ich mir da zum ersten Mal die Occulus Rift aufgesetzt habe, war mir sofort klar: Dafür muss ich was machen! Aber ich war ja nur Darstellerin – ohne jegliches technisches Know-How und ohne Zugriff auf die nötige Hardware. Deswegen dachte ich auch zunächst, dass ich warten muss. Darauf, dass die Studios mit VR anfangen und dann darauf, dass mich die Studios als Darstellerin dafür auch anfragen.

Aber es ging dann offenbar doch wesentlich schneller.

Eines Tages war ich auf Reddit unterwegs und stolperte über einen Post, in dem Darstellerinnen für einen VR-Porno gesucht wurden. Ich habe mich sofort gemeldet: "Hier! Ich! Ich will da mitmachen!" Bald stellte sich heraus, dass es sich da um einen 20 Jahre alten Jungen und seine Kumpels handelte, die einen Porno drehen wollten. Ich flog also an die Ostküste und habe dort meinen zukünftigen Businesspartner kennengelernt. Er sah so jung aus, dass ich beinahe nach seinem Personalausweis fragen wollte. Aber dann sind wir letztlich zu seinem College gefahren und haben unseren ersten VR-Porno in seinem WG-Zimmer gedreht.

Momentan kann man beobachten, wie unzählige VR-Porno Start-Ups wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Gründer und Investoren dahinter kommen aber oft gar nicht aus der Branche.

Die Produktion eines Pornos ist im Vergleich zu normalen Spielfilmen vergleichsweise gering. Die Investoren müssen also nur geringe Summen aufwenden, um das einfach mal zu probieren. Außerdem glaube ich, dass sie es auch irgendwie witzig finden, ihren Investor-Freunden davon zu erzählen: „Hey Jungs, schaut mal! Ich investiere jetzt in so ein cooles, kleines Porno Start-Up“. Ich glaube, dass da jetzt auch viele Leute aus der Tech-Branche mitmachen wollen, weil sie Porno plötzlich mit der VR-Technologie vor sich selbst rechtfertigen können. Die gleichen Leute würden natürlich nie in ein normales Porno-Studio investieren, weil dann wäre es ja nur Porno und Porno ist – wie ja jeder weiß – völlig inakzeptabel.

Wie siehst du das dann als Profi, wenn plötzlich so viele businessfremde Leute auf Porno machen? Gerade auch die jungen Start-Up-Gründer, die in der Branche eigentlich komplett unerfahren sind?

Ich habe mich mit einigen solcher Leute unterhalten. Die haben meistens überhaupt keine Ahnung, wie die Pornoindustrie funktioniert. Die gesetzlichen Regulierungen für Pornographie in den USA sind unheimlich komplex – da gibt es irrsinnig viele Regeln, an die man sich halten muss: nicht zuletzt den Paragraphen 18 U.S.C. 2257. Wenn man da etwas übersieht, kann man schnell im Gefängnis landen und sich so sein Leben ruinieren. Das ist erst mal die gesetzliche Problematik. Und dann ist da zusätzlich noch die Pornobranche selbst - wie sie von innen heraus funktioniert und welchen grundlegenden Regeln und Gegebenheiten sie folgt. Wenn du da als unerfahrener Outsider einfach so mitmischen willst, kann das ordentlich nach hinten losgehen. Da braucht man einfach Profis aus der Branche. Und genau so hat es ja mein jetziger Businesspartner gemacht – ein brillanter Programmierer, der aber keine Ahnung von Porno hat. Deswegen hat er mich dazu geholt.

Inwiefern unterscheidet sich denn ein VR-Porno-Dreh von einem regulären 2D-Dreh?

Man kann einen VR-Porn nicht einfach genauso produzieren, wie einen regulären Pornofilm. Bei VR gibt es bestimmte Sachen, die die User unbedingt wollen. Bei Männern ist das meistens POV – der Akt also aus der Sicht des Mannes. Die User wollen aber weder die Hände des männlichen Darstellers sehen, noch wollen sie ihn stöhnen hören. Alles, was sie sehen wollen, ist sein Schwanz. Und natürlich alles von der Frau. Die User wollen sich so fühlen, als wäre es ihr Körper. Wenn da plötzlich die Hand des Darstellers in den Bildausschnitt gerät oder der zum lauten Stöhnen anfängt, ruiniert das diese körperliche Erfahrung. Und das ist nur eine von vielen, inszenatorischen Schwierigkeiten beim VR-Pornodreh. Was es natürlich auch ist: wesentlich teurer.

Momentan gibt es schon haufenweise solcher POV-Pornos zu sehen? Ist die Konkurrenz da nicht bereits riesig?

Und wie – deswegen setzen wir von "cam4" mittlerweile auch voll auf Live-Porno-Streaming. Denn da werden die wesentlichen zwei Dinge kombiniert, die Menschen an VR am meisten interessiert: Zum einen sind das VR-Erlebnisse, bei denen man mit einer anderen Person live interagieren kann – also Social Content. Und zum anderen ist es... natürlich Porno. So gut wie jeder, der zum ersten Mal VR ausprobiert, will sofort wissen, ob es dafür Porno gibt. Wir erfüllen also mit unseren Live-Cam-Erlebnissen die beiden zentralen Interessen an VR: Interaktion und Porno.

Wie gehst du als Darstellerin da ran? Was sind denn da die wesentlichen Unterschiede zu einem 2D-Porno?

Man geht mit den Usern ganz anders um. Deswegen muss man auch den Raum anders nutzen und die Ansprache an den User ändern. Ich denke aber auch ganz anders über die User – weil ich weiss, dass ich in dem Augenblick ihre gesamte Welt dominiere. Die checken zu dem Zeitpunkt nicht ihre E-Mails, schreiben keine Kurznachrichten und wandern auch nicht einfach durch ihr Zimmer. Sie sind ausschließlich in der VR gefangen und beobachten nur mich. Es ist einfach ein viel intimerer Austausch.

Kann es sein, dass VR vielleicht aber auch nur ein temporärer Trend in der Pornobranche ist?

Nein. VR wird das Konsumverhalten von Pornozuschauern nachhaltig verändern. Es gab und gibt natürlich immer auch Trends im Porno: Mal waren es aufwändig produzierte Hochglanzfilme mit fast künstlerischer Gestaltung, dann waren es wieder sogenannte Gonzofilme, bei denen es einfach nur um möglichst direktes und dreckiges Durchvögeln ging. Aber all diese kleineren Trends werden sich in Zukunft voll und ganz der VR-Technik unterordnen. VR wird in Sachen Porno langfristig der zentrale Motor der Industrie sein.

Wird VR-Porno dann vielleicht auch eine neue Zuschauerschicht erschließen, die früher wenig bis gar nichts mit Porno anfangen konnten?

Ich wage zu behaupten, ja. Ich produziere jetzt seit gut zwei Jahren VR-Pornos und habe in dieser Zeit auf einigen Konferenzen Vorträge zu dem Thema gehalten. Und zwar nicht nur auf Porno-Konferenzen, sondern weltweit auf großen Symposien, wo auch die großen Player aus den verschiedensten VR-Branchen unter meinen Zuhörern waren. Und ich höre auch immer mehr junge Frauen sehr positiv und unterstützend über Pornographie reden, die selbst gar nicht aus unserer Branche kommen. Früher waren das ja nur Pornodarstellerinnen, die der Welt mal wieder erzählen mussten, dass sie tatsächlich mögen, was sie da tun. Wenn jetzt aber plötzlich immer mehr junge Frauen aus anderen Branchen positiv über VR-Porno reden, dann ist das schon bemerkenswert. VR vereinnahmt Menschen eben auf eine andere Weise. Deswegen glaube ich, dass junge Frauen auch unsere nächste, wichtige User-Gruppe werden. Und für die zu produzieren – darauf freue ich mich besonders.

Zum Abschluss noch eine Frage, an der man einfach nicht vorbeikommt: Wie ist es, einen VR-Porno mit sich selbst anzuschauen?

Das ist ganz seltsam und ich mache es auch sehr ungern. Für mich ist das völlig unerotisch und ich kann mich wegen mir selbst auch gar nicht auf die Produktion an sich konzentrieren. Ich sehe dann nur, was ich eigentlich besser hätte machen können: "Beton die Wörter nicht so komisch! Warum machst du das jetzt so und nicht so? Halt deinen Rücken gerade!"


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