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Making of Meme Happy Birthday, Impact!

Alles Gute, Impact! Die Schriftart, die mittlerweile jedes vernünftige Foto-Mem ziert, feiert dieses Jahr 50. Geburtstag. Wo die Schrift herkommt und was so besonders an ihr ist, haben wir uns erklären lassen.

Von: Anna Bühler

Stand: 31.07.2015

Making of Meme: Impact | Bild: BR

Vor einem halben Jahrhundert – wir schreiben das Jahr 1965 – wird in einer Schriftgießerei im Herzen Englands ein Stück Internetgeschichte geschrieben. In der Fabrik von "Stephenson, Blake" wird der Buchstabensatz des Designers Geoffrey Lee in Metall gegossen. Der hat mit seiner Typo ein konkretes Ziel. In einem Internetforum erklärt er viele Jahre später: "Efforts were made to get as much ink on paper as possible in a given size with the maximum possible x-height." Lee will möglichst viele Buchstaben auf möglichst wenig Fläche quetschen, die kleinen Buchstaben sollen maximale Höhe haben. Er möchte eine auffällige Schriftart, die ordentlich Eindruck schindet, darum tauft er sie passend: Impact.

Eine Schrift wie fürs Netz gemacht

Flirten tut sie aber trotzdem am liebsten mit Leuten U30. Denn die Impact ist die Standardschrift auf Foto-Memen, die man sich im Internet rumreicht. Mit dicken, weißen Buchstaben, kommentieren Leute in Foren und Blogs Fotos von Katzen, Politikern oder Leuten mit dämlichen Gesichtsausdrücken. Warum sich das Netz ausgerechnet in die Impact verliebt hat? Vor allem, meint Typografie-Experte und Art Director des Games-Bookazines WASD Markus Weißenhorn, weil sie der größten Herausforderung im Netz standhält: gesehen zu werden. Sie nutzt den wenigen Raum ideal, ist laut und man kann sie sogar noch auf Thumbnails lesen.

Außerdem hat die Impact einen weiteren großen Vorteil: Dank Microsoft ist die Schrift auch für den 08/15-User verfügbar. Mitte der 90er etabliert sie der Software-Riese als Systemschrift und macht sie damit dem Mainstream zugänglich. Für den Entwickler einer Schrift ist das ein Ritterschlag - bei Typo-Fans hingegen, meint Markus Weißenhorn, ist es genau umgekehrt.

"Schriften, die bei den Systemschriften auftauchen werden eher als minderwertig angesehen. Das ist wie wenn man Musik im Radio hört. Die Nummer, die die ganze Zeit rauf und runter dudelt, die ist weniger toll als eine Entdeckung die man macht."

Markus Weißenhorn

Doch minderwertig ist Geoffrey Lees Schrift trotz ihrer Bekanntheit sicher nicht. Sie hat schließlich Kultstatus unter den freshen Coolkids im Netz erreicht. In den frühen Nullerjahren werden Image Macros, wie ebendiese freshen Coolkids die Foto-Meme nennen, immer beliebter. In Nerdforen wie 4chan wird es zum Trend, zweideutige Fotos mithilfe von Programmen wie Microsoft Paint oder Adobe Photoshop witzig zu beschriften. Die Image Macro-Kultur blüht und die Impact wird unersetzlich.

Heute hat sich rumgesprochen, dass die Schriftart im Netz "State of the Art" ist – sogar bei FOCUS Online wird damit experimentiert. Aber: Impact benutzen heißt nicht, Impact verstehen. Doch dafür ist noch genug Zeit. Immerhin waren viele Typos, die wir heute verwenden, schon vor gut hundert Jahren im Einsatz, meint Experte Markus Weißenhorn. Und Impact ist ja gerade erst faltenfreie 50 geworden...


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