Jetzt Pussy Is God King Princess

Info Feminismus-Hymnen sind gerade schwer im Trend. Das hat auch King Princess erkannt und zelebiert mit "Pussy Is God" (2018) nicht nur queere Liebe sondern Sex allgemein. Ihre Lebenspartnerin Amandla Stenberg hat hier mitgeschrieben.


21

Krieg der Sterne So enttarnt ihr Fake-Bewertungen im Netz

Onlineshoppen ist eine Wissenschaft für sich. Wer treudoof den 4,4 von 5 Sternen glaubt, kann schnell eine Enttäuschung erleben. Experten halten jede dritte Bewertung für unecht. Aber man kann sie enttarnen. Ein Selbstversuch.

Von: Isabelle Weber

Stand: 11.12.2015

Bewerter Typen | Bild: BR

Im Netz einkaufen geht zwar mit ein paar Klicks, ist gleichzeitig aber eine Wissenschaft für sich. Wenn man Traumsofa, Turnschuh oder Strickmantel weder anfassen noch anprobieren kann, wird aus den paar Klicks schnell eine frustrierende Umtausch-Odyssee, im schlimmsten Fall auch noch mit Mehrkosten, weil man im Kleingedruckten überlesen hat, dass der Rückversand bitteschön selbst zu übernehmen ist. Helfen könnten Online-Bewertungen, denn Empfehlungen und Erfahrungen des Schwarms können Gold wert sein – gesetzt den Fall sie sind echt.

Vom Versuch, den richtigen Schnorchel zu kaufen

Ich bin fast startklar für den Urlaub, nur eine Sache fehlt noch: Ein Schnorchelset. Der Onlineshop der Wahl – Überraschung – ist Amazon. Sofort stoße ich auf das erste Schnäppchen: Für 21 Euro gibt es Maske und Schnorchel einer bekannten Tauchmarke. Auf den ersten Blick erscheint mir das Bewertungsergebnis vertrauenswürdig, das Meinungsbild ist ausgewogen, was laut Experten ein Indiz für echte Bewerter ist. Von 142 Bewertungen sind zwölf Leute unzufrieden, sie geben dem Set nur ein bis zwei Sterne und kritisieren alle den chemischen Gummigeschmack des Schnorchels. "Amateure", denke ich, "Tauchequipment muss man doch immer vorher reinigen."

Der Großteil scheint aber sehr zufrieden zu sein, 119 positive Bewertungen in Form von vier bis fünf Sternen. Dort findet der Gummigeschmack auch Erwähnung, die Positivkommentare sind allerdings mit diversen Reinigungstipps versehen.
Dieses Bewertungsergebnis erscheint mir plausibel, denn echte Bewertungen greifen sowohl positive als auch negative Punkte auf. Ich klicke weiter und schaue mir genau an, was die Leute schreiben.

Von Lobhudeleien und Herstellersprech

"Wunderbares Schwimmprodukt", "Spitzenprodukt zu einem Spitzenpreis", Übertreibungen finde ich reichlich, ebenso Formulierungen aus dem Produktkatalog des Herstellers: Der "hohe Tragekomfort" oder die Erwähnung des "Splash Guard" (= Spritzschutz des Schnorchels) sollen wohl die fachliche Kompetenz des Bewertenden unterstreichen, ganz nach dem Motto: Der oder die kennt sich aus. Schade, dass eine von 39 Usern als hilfreich empfundene Bewertung nur die Amazon-Produktbeschreibung umformuliert.

Was mich leider wieder verunsichert: Die 5-Sterne-Bewertungen ähneln sich. Ich will wissen, wer sie geschrieben hat. Verbirgt sich hinter dem Profil "Renè Seiler" und "Stefan Kuester" wirklich ein seriöser Amazon-Kunde oder doch nur ein eifriger Clickworker?

Bei den 142 Bewertern habe ich es zumindest zum Großteil mit alten Hasen zu tun. Nur sieben Newbies verleihen zum ersten Mal Sterne. Der Rest hat durchschnittlich 20 Produktrezensionen auf dem Buckel. Hier sind also leidenschaftliche Bewerter und Bewerterinnen am Start. Generell sollen laut einer Studie nur zehn Prozent aller Nutzer überhaupt Sterne vergeben oder ihre Erfahrungen in Bewertungen niederschreiben. In der Regel sind es also immer dieselben Leute, die im Netz ihren Senf abgeben respektive Menschen wie mir weiterhelfen wollen.

Wer bewertet wann und wie viel?

Was mich bei Tauchschnorchnel-Bewertern richtig stutzig macht : Warum vergeben alle zur gleichen Zeit ihre Sterne? Mit einem Klick sortiere ich die Rezensionen nach Aktualität statt nach Relevanz. Fünf der 5-Sterne-Bewertungen wurden am 18.11.2015 veröffentlicht, vier weitere am 29.10.2015. Verdächtig? Ja.

Echte Bewertungen werden das ganze Jahr über geschrieben. Die hier nicht. Diese neun Bewerter scheinen zudem ganz vernarrt in die Produkte des Tauchherstellers zu sein. "Lena Förster" treibt es mit insgesamt 16 Produkt-Bewertungen zu ein und derselben Marke am gleichen Tag auf die Spitze. Bei den Schnorchelset-Bewertern vom 18.11. schneidet übrigens auch immer ein Buch über Prokrastination mit fünf Sternen super ab. Langeweile? Bestimmt.

Rezensionstexte fallen häufig der Copy-Paste-Tastenkombination zum Opfer. So werden neben dem Schnorchelset auch Tauchsocken und ein Kinder-Schwimmshirt aufgrund ihrer formschönen Verpackung gelobt. Ein allgemeiner Text eignet sich schließlich für viele Produkte. Die Google-Suche enttarnt faule Fälscher.

"Großartiger Artikel
Ich habe das Produkt für den persönlichen Gebrauch gekauft. Nach dem Kauf war ich etwas unsicher, aber es war in einer schönen Hülle sicher verpackt und nach dem Öffnen war ich beeindruckt. Ein wirklich wunderbares Produkt. Es ist extrem angenehm und komfortabel, wie ich es erwartet habe"

Lucas Schultheiss am 6. Dezember 2015

"Wunderbares Produkt
Ich habe das Produkt für den persönlichen Gebrauch gekauft. Nach dem Kauf war ich etwas unsicher, aber es war in einer schönen Hülle sicher verpackt und nach dem Öffnen war ich beeindruckt. Ein wirklich wunderbares Produkt. Es ist extrem angenehm und komfortabel, wie ich es erwartet habe"

Lena Foester am 18. November 2015

"Großartiger Artikel
Ich habe das Produkt für den persönlichen Gebrauch gekauft. Nach dem Kauf war ich etwas unsicher, aber es war in einer schönen Hülle sicher verpackt und nach dem Öffnen war ich beeindruckt. Ein wirklich wunderbares Produkt. Es ist extrem angenehm und komfortabel, wie ich es erwartet habe"

Eric Gruenewald am 19. Oktober 2015

Ich bin enttäuscht. Auch einige Bewertungen mit dem Label "verifizierter Kauf" erscheinen mir verdächtig. Das anfänglich als authentisch und ausgewogen empfundene Meinungsbild liegt leider als Sternenstaub vor mir. Das Fälschen von Kundenmeinungen ist wohl ein lukratives Geschäft. Laut einer Studie der Firma BIG Social Media und der Hochschule Aalen verkaufen sich Produkte mit einem positiven Rating doppelt so gut wie unbewertete. Kein Wunder, dass da getrickst wird. Fragt sich nur, in welchem Ausmaß. Wenn schon bei meinem billigen Schnorchelset so viel Fake-Sterne vergeben werden, wie sieht es dann erst bei richtig teuren Produkten aus? Wir sollten uns wehren. Ab jetzt fange ich an, selbst mal ein paar Kritiken zu schreiben, so brutal ehrliche, auffällige Rezensionen dem Portalbetreiber zu melden und Produkte in mehreren Bewertungsportalen zu vergleichen. Viel Arbeit, um der bösen Überraschung später zu entgehen. Doch sie lohnt sich.


21