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Lauschangriff Wie aus unseren Kopfhörern eine Wanze wird

Endlich mal wieder ein trifitger Grund für Technik-Paranoia: Theoretisch können Hacker unsere Kopfhörer zu Abhörmikrofonen umprogrammieren.

Von: Malte Borgmann

Stand: 24.11.2016

Kopfhörer goes Mikrofon | Bild: BR

Die Kamera vom Laptop abkleben? Machen eh schon viele – als Paranoiker wird man da nicht mehr abgestempelt. Wer will schon  von neugierigen Cyberkriminellen beobachtet werden?

Wer es mit der digitalen Anonymität noch ein bisschen ernster nimmt, der deaktiviert auch die internen Mikrofone von Smartphone oder Computer. Schließlich können Hacker die ohne große Probleme heimlich einschalten, um unseren Alltag zu belauschen.

Jetzt haben IT-Experten eine weitere Schwachstelle in der modernen Unterhaltungselektronik entdeckt, die einem die paranoiden Gruselschauer über den Rücken laufen lässt: Auch Kopfhörer können zum Spionieren benutzt werden.

Aus dem Aux-Ausgang wird ein Eingang

Dass sich jeder Kopfhörer bzw. jeder Lautsprecher als Mikrofon zweckentfremden lässt, könnte dem ein oder anderen bekannt sein. Die eingebaute Membran in einem Lautsprecher wandelt elektronische Impulse zu Schallwellen um. Das ganze funktioniert aber auch andersrum, so dass die Membran Schallwellen registriert und die dann wieder in elektronische Impulse umwandelt – wie in einem Mikrophon. Das funktioniert aber normalerweise nur, wenn man den Kopfhörer in einen Aux-Eingang steckt, also da rein, wo eigentlich ein Mikrofon angestöpselt wird.

IT-Experten der Ben Gurion Universität in Israel haben jetzt aber herausgefunden, dass einem die Audio Codec Chips der Firma RealTek erlauben, einen Aux-Ausgang (also das, wo man normalerweise den Kopfhörer reinsteckt) in einen Aux-Eingang umzuwandeln.  

Ein fähiger Hacker kann sich also in einen fremden Computer mit RealTek-Chip hacken, dem Chip sagen "Dieser Aux-Ausgang ist jetzt ein Aux-Eingang“ und dann den eingesteckten Kopfhörer als Mikrofon nutzen.

Bislang konnten die IT-Experten diese Sicherheitslücke nur für Computer und RealTek-Chips nachweisen. Die Chips von der Firma sind übrigens in den meisten gängigen Computermodellen verbaut. Aber dass sie auch in anderen Audio Codec Chips und Smartphones existiert, halten die Forscher für wahrscheinlich.


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